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Bobby Fischer auf dem Weg in die Freiheit

24.03.2005 - Es scheint, dass Ex-Schach-Weltmeister Bobby Fischer, der seit über 253 Tagen in einem japanischen Auslieferungsgefängnis inhaftiert war, das Wettrennen mit der Zeit gewonnen hat. In quasi letzter Minute verlieh Island dem prominenten Schachspieler die offizielle isländische Staatsbürgerschaft - dadurch war die Freilassung durch die japanischen Behörden abgesichert und Fischer begab sich auf den Weg zum Narita-Flughafen, um über Kopenhagen nach Reykjavik zu fliegen.

Ex-Weltmeister Bobby Fischer bei seiner Ausreise aus Japan. Foto: Spiegel / Reuters

Auf dem Narita-Flughafen begann vor 253 Tagen Fischers Odyssee. Die US-Regierung suchte seit mehreren Jahren Fischer per Haftbefehl, weil er als Teilnehmer eines Schach-Wettkampfs gegen seinen früheren Gegner im WM-Match 1972, Boris Spassky, einen Schau-Wettkampf im früheren Jugoslawien bestritten hatte. Die US-Regierung warf daraufhin Fischer vor, gegen ein UN-Embargo verstossen zu haben und ordnete den Haftbefehl an. So drohten Fischer eine Geldstrafe von US-$ 250.000 oder 10 Jahre Haft, falls er in den USA habhaft gemacht werden konnte.

Noch im Jahr 1997 verlängerte hingegen die US-Botschaft in Bern (Schweiz) Bobby Fischers Reisepass ohne Aufhebens, obwohl der Haftbefehl gegen Fischer schon damals vorlag. Im Jahr 2004 deklarierte dann die US-Regierung in einer einseitigen Massnahme, dass Bobby Fischers Reisepass als "ungültig" zu betrachten sei. Doch bei dieser Massnahme verstiessen die US-Behörden gegen ihre eigenen Vorschriften: solche Ungültigkeitserklärungen müssen dem Passinhaber an seine gültige Adresse mitgeteilt werden. Das Problem war, die US-Behörden kannten den Aufenthaltsort Fischers nicht - so unterblieb die Zustellung des offiziellen Schreibens. Die US-Botschaft in Tokio holte aber dann dieses Versäumnis nach: unmittelbar bei Fischers Verhaftung machte ein Mitarbeiter der US-Botschaft den Reisepass mit einem flinken Scherenschnitt ungültig und unbrauchbar.

Es folgte ein juristischer Spiessrutenlauf. Fischer erklärte den Verzicht auf die US-Staatsangehörigkeit und nutzte mit Hilfe seiner japanischen Freunde und Rechtsanwälte jede Möglichkeit, sich der drohenden Auslieferung an die USA zu widersetzen. Mittlerweile bereiteten die USA den Plan B vor, der auch schon vor Jahrzehnten dem Mafiosi Al Capone zum Verhängnis geworden war: Ein Steuerhinterziehungsverfahren sollte am 5. April 2005 in Philadelphia gegen Fischer eröffnet werden, berichtete der US-Journalist Rene Chun. Das Pikante an diesem Plan war das bestehende bilaterale Auslieferungsabkommen zwischen den USA und Japan. Dies sah nämlich vor, dass Steuerhinterzieher - dafür reichte allemal die Eröffnung eines Verfahrens - ohne weiteres Aufhebens in die USA ausgeliefert werden können.

Die weiteren Pläne von Bobby Fischer und seiner japanischen Verlobten Miyoko Watai, der Präsidentin des Japanischen Schachverbandes, sind noch ziemlich vage. Doch wie es scheint, ist Bobby Fischer durch den langen Gefängnisaufenthalt seiner exzentrischen Geisteshaltung treu geblieben und kommentierte bei seiner Entlassung:

"Ich werde erst frei sein, wenn ich aus Japan heraus bin. Das war keine Verhaftung. Es war eine Entführung, die von Bush und Koizumi ausgeheckt wurde".

Fischers Rechtsanwältin Masako Suzuki präsentiert den neuen isländischen Reisepass.

Eva Stallings von der deutschen Botschaft in New York arbeitete hinter den Kulissen, um Fischers deutsche Staatsangehörigkeit zu beantragen.
Der Kanadier John Bosnitch kämpfte in Japan für Fischers Freilassung. Foto: Nikkei Net
Freiheitskämpfer: Miyoko Watai und Palsson (Island)
Halldor Blöndal, Präsident des isländischen Althingi (Parlament)
Boris Spassky, 10. Schach-Weltmeister mit einem Aufruf an Präsident Bush: "Bobby und ich haben die gleiche Tat begangen. Erlassen Sie auch Sanktionen gegen mich. Verhaften Sie mich. Und stecken Sie mich in die gleiche Zelle mit Bobby Fischer. Dann geben Sie uns bitte noch ein Schachbrett."
Free Bobby Fischer T-Shirt: Eine Aktion der Chess Tigers
Rene Chun, US-Journalist: Deckte die Pläne der US-Regierung, ein Steuerhinterziehungsverfahren gegen Bobby Fischer einzuleiten, auf.
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Einar S. Einarsson (links) und Saemundur Palsson (rechts) mit der Staatsbürgerschafts-Urkunde von Bobby Fischer

 

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Gerhard Kenk

Published by Gerhard Kenk

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