Nachrichten Entscheidet sich Bobby Fischers Schicksal in der Stadt der Bruderliebe? USA planen Steuerverfahren gegen Bobby Fischer
19.03.2005 - Noch hat Bobby Fischers Odyssee nicht die Zeitdauer des klassischen Homer-Epos der Antike erreicht - und vielleicht zeichnet sich bald ein Ende ab. Am Freitag erklärte das Parlament von Island, dass es dem Ex-Schach-Weltmeister Bobby Fischer, der seit Juli letzten Jahres in einem japanischen Gefängnis festgehalten wird, die isländische Staatsangehörigkeit verleihen würde. Dies berichteten zahlreiche internationale Nachrichtenagenturen wie CNN, Reuters oder Japan Today. Der 62jährige Amerikaner wird aufgrund eines US-Haftbefehls gesucht und in Japan festgehalten, weil er bei seinem Re-Match gegen den damaligen Gegner Boris Spassky, gegen ein UN-Embargo gegen das frühere Jugoslawien verstossen hätte.
Philadelphia, City of Brotherly Love.
Entscheidet sich Bobby Fischers Schicksal in einem
Steuerhinterziehungsverfahren im Federal Courthouse?
Allerdings ist noch unklar, ob das Japanische Immigration Office Fischer
tatsächlich nach Island ausreisen lässt - anstelle der Abschiebung in
die USA.
Japanische Behördenvertreter bestätigten die Möglichkeit der Ausreise
nach Island, falls Fischer die Isländische Staatsangehörigkeit bekäme.
Der isländische Parlamentarier Bjarnis Benediktsson äusserte sich
gegenüber der Nachrichtenagentur Reuter, daß das
Parlaments-Kommitte für Staatsangehörigkeitsfragen eine Empfehlung
zugunsten Fischers Staatsangehörigkeit beschlossen hätte.
Falls diese vom Parlament beschlossen würde, könnte Fischer innerhalb
der nächsten Woche mit der Erteilung der Staatsangehörigkeit rechnen.
Doch mittlerweile mündet das Endspiel um Fischers Schicksal in ein
bedrohliches Finale und in ein Wettrennen mit der Zeit ein. Wie der
US-Journalist Rene Chun kürzlich berichtete, planen die USA, nun ein
Steuerhinterziehungsverfahren gegen Bobby Fischer zu eröffnen.
Rene Chun
Foto: Timothy Greenfield-Sanders
Angeblich verfüge Fischer, so der Vorwurf, über geheime Bankkonten in
der Schweiz - deren Zinseinkünfte Fischer seit Jahren nicht dem
amerikanischen Fiskus deklariert haben soll. Und auch das Datum und der
Ort des Steuerhinterziehungsverfahrens stehe nach Meldung von Chun schon
fest: Am 5. April soll in Philadelphias Robert-N.C.-Nix-Strasse im
Federal Courthouse das Verfahren eröffnet werden.
Allein die Eröffnungsverhandlung droht mit Brisanz: Nach den geltenden
Regeln kann Japan eine Auslieferung von Fischer in die USA ausführen,
sobald ein Steuerverfahren gegen ihn eröffnet würde.
Lesen Sie den ausführlichen Bereicht von Rene Chun bei ChessCafe.com:
The
Real Endgame
Im Gambit um Bobby Fischer droht der mächtige Gegner USA nun mit einem
vorgerückten Freibauern, der kurz vor der Umwandlung steht und damit die
Partie gegen Bobby Fischer entscheiden könnte.