TopTurniere Nakamura bekommt Züricher Turniersieg geschenkt (Skandal oder das Recht des Sponsors?) Korrektur: Es war nicht der Sponsor!
21.02.2015 - Richtigstellung: Wie Sie unten nachlesen können, gaben wir dem Sponsor der 4. Zürich Chess Challenge, Oleg Skvortsov, die Schuld an dem unsäglichen Armageddon-Tiebreak. Wie wir mittlerweile erfahren haben, war es jedoch nicht der Unterstützer, sondern der Veranstalter, der seinem Geldgeber einen Gefallen tun wollte. Man wollte Oleg Skvortsov schlicht mehr Show bieten, um welche er allerdings nie gebeten hatte. Daher gilt unsere Entschuldigung für ungerechtfertigte Sponsorenschelte Oleg Skvortsov. Die berechtigte Veranstalterschelte für das Nicht-Einhalten von Verträgen und kurzfristige Ändern der Regeln bleibt bestehen.
Um endgültig einen Strich unter die Ereignisse in Zürich zu ziehen, hat sich Anand jüngst selbst auf Twitter geäußert. Dies drucken wir in der Folge unbearbeitet nach:
"Nice to b back after a good event. I was quite surprised 2 know that people on social media & websites have implied that I was unhappy with the tiebreak or the interpretation of rules. I would just like to say I was never dissatisfied with the tiebreak. The only thing I was angry was my own play in the rapid. I am quite surprised that people have been spreading rumors on various
forums without checking the actual facts. As a sportsperson we play according to the rules of the game and accept the results. The rules in this case were fair. Personally I was very happy that I was able to play good chess in Zurich. and this would not have been possible if the conditions of play were not excellent. Now for some humpty dumpty time with akhil!"
Bis zum heutigen Tag durfte man über die 4. Zürich Chess Classic nur Gutes berichten, was Organisation und Präsentation betrifft. Doch das abschließende Schnellturnier heute und dessen Folgen muss zumindest kritisch hinterfragt werden. Das erste Problem zeigte sich im Verlauf des Turniers, als die Turnierseite (selbst jetzt nach Beendigung) so gut wie gar nicht funktionierte. Okay, der Livestream hielt halbwegs, doch auf frische Bilder müssen Sie bei diesem Bericht leider verzichten, weil das Laden der Photo-Seite unerträglich langsam dauert oder gar nicht klappt. Na ja, es gibt Schlimmeres, denken Sie? Recht haben Sie, es kam schlimmer! Am Ende des Schnellturniers hatte Hikaru Nakamura den Rückstand auf Viswanathan Anand vom Hauptturnier aufgeholt und war punktgleich mit dem Inder. Offenbar sollte für diesen Fall die Sonneborn-Berger-Wertung entscheiden, die Anand vorne gesehen hätte, aber laut den deutschsprachigen Kommentatoren bestand Sponsor Oleg Skvortsov (Bild) auf einen Entscheid im Blitzschach. Es sollten zunächst zwei Blitzpartien und bei Gleichstand eine Armageddon gespielt werden. Schließlich "zwang" man den 15. Weltmeister zu einer einzigen Armageddon-Partie, welche Vishy sang- und klanglos verlor. Verstehen Sie nicht falsch! Nichts spricht gegen eine Tiebreak-Regelung bis zum bitteren Ende, aber zumindest auf dem höchsten Niveau der Welt darf man als Spieler doch erwarten, dass die Regeln nicht mal eben en passant geändert werden, oder? Ist es das Recht des Sponsors, mehr Show für sein Geld zu bekommen, als zuvor vereinbart? Hätte Nakamura solidarisch mit Vishy sein und den Überraschungs-Tiebreak verweigern sollen? Aus unseren Zeiten der Chess Classic in Frankfurt und Mainz ist der Spagat zwischen den Wünschen des Geldgebers und denen der Topspieler bekannt, aber mit etwas Voraussicht und Fingerspitzengefühl kann man den Akt sehr wohl überstehen, ohne sich zu zerreißen. Ach ja, das Schnellturnier gewann übrigens ... Vladimir Kramnik! Beinahe hätte der russische Hüne noch für einen Dreier in Sachen Tiebreak gesorgt.
Allgemeine Informationen
Die Zurich Chess Challenge 2015 lief vom 13. bis 19. Februar im Festsaal des Hotel Savoy Baur en Ville in Zürich.
Der Turnierschnitt betrug 2784, was der Turnierkategorie 22 entspricht.
Gespielt wurde ein einrundiges Turnier mit sechs Spielern, und die Bedenkzeit iwar 120 Minuten für 40 Züge plus 60 Minuten für weitere 20 Züge. Ab Zug 61 haben die Spieler 15 Minuten plus 30 Sekunden pro Zug für den Rest der Partie.
Zu guter Letzt trugen die Spieler am Tag nach Beendigung des Haupturniers noch ein Schnellturnier mit vertauschten Farben aus.
Alle weiteren Informationen liefert die Turnierseite.