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IM Hagen Poetsch Wertungssieger in Wiesbaden
Wimpernschlagfinale beim Schloßpark-Open
29.08.2011 - Nicht weniger als fünf Spieler erzielten beim 23. Schloßpark-Open in der hessischen Landeshauptstadt mit 6 Punkten ins Ziel und so mussten die Zweit-, Dritt- und sogar Viertwertungen über die exakte Reihenfolge an der Spitze entscheiden. Die beste Fortschrittswertung brachte IM Hagen Poetsch schließlich den Turniersieg. Entscheidend war dafür sein überraschend schneller Sieg in der sechsten Runde, als er gegen IM Yuri Boidman als Weißer nach nur 10 Zügen eine Figur gewann. Zum Abschluss genügte ein Kurzremis gegen FM Michael Stockmann. Bei identischer Fortschritts- und Buchholzwertung entschied zwischen GM Viesturs Meijers und GM Thomas Luther die Zahl der Siege das Duell um Platz 2 und 3. Schon jetzt steht fest, dass es im kommenden Jahr auch ein 24. Schloßpark-Open geben wird.

Offizielle Turnierseite


Sonntagmorgen, draußen ist es bewölkt. Es herrschen milde Temperaturen. Regen liegt in der Luft. Die Klimaanlage bläst zuverlässig kühle Luft in den Spielsaal. Es ist vielleicht 9:20 Uhr. Pünktlich hatte die sechste Runde des Schloßpark-Open in Wiesbaden begonnen und die meisten der 76 Partien befanden sich noch in der Eröffnungsphase. In manchen Partien war sogar noch kein Zug gespielt, weil der Weißspieler (noch) nicht da war. Da konnte man in Nähe der Bühne mit den fünf Topbrettern ein gequältes Stöhnen vernehmen. Okay, das war nah und klang nicht nach körperlichen Schmerzen, sondern nach einem richtig schlimmen Zug. Aber woher genau war das Stöhnen gekommen? Wenn es von den Topbrettern kam, hätte ich einen grandiosen Opener für meinen Abschlussbericht. Gerade will ich die Lage peilen und an Brett 5 bei der Begegnung IM Anatoly Donchenko gegen Parwis Navabi nach dem Rechten sehen, da ertönt es wieder und es ist nah und kommt von links. Brett 1 oder 2 also. Ich peile FM Julian Geske gegen GM Thomas Luther am Spitzenbrett an, – fegt der Großmeister den jungen Hessen vom Brett? – da fällt mein Blick auf einen scheinbar völlig versteinert aufs Brett starrenden IM Hagen Poetsch an Brett 2., der jedoch immer wieder ganz kurz den Blick in das Gesicht seines Gegners suchte, der am Zug war. Und nun übermannte es IM Yuri Boidman. Just in diesem Augenblick beugte sich der innere Widerstand den nach Außen pressenden Emotionen. Mit einem lauten Stöhner klatschte sich Boidman die Linke an die Stirn, er musste sich dem schier Unglaublichen stellen, nach nur zehn läppischen Zügen einen Springer eingestellt zu haben.

Symbolträchtig posierte IM Hagen Poetsch neben dem Goldenen Springer

Das Drama ereignete sich wie folgt:

Hagen Poetsch (2403) – Yuri Boidman (2444)
23. Schlosspark-Open Wiesbaden (6), 28.08.2011

B66 – Sizilianisch

1.e4 c5 2.Sf3 Sc6 3.d4 cxd4 4.Sxd4 Sf6 5.Sc3 d6 6.Lg5 Der "Richter-Rauser Angriff" der Sizilianischen Verteidigung. 6...e6 7.Dd2 a6 8.0–0–0 Sxd4 9.Dxd4 Die Fesselung des Sf6 in Verbindung mit dem Turm hinter der Dame auf der d-Linie stellt eine schlimme Drohung auf. Mit dem Partiezug ignoriert Schwarz diese einfach. 9...b5??

Natürlich weiß der IM, dass hier 9...Le7 geschehen muss und erst nach 10.f4 ist 10...b5 spielbar.

10.e5!+- Guten Morgen, Herr Boidman! Nun ist der Springer verloren.

Es wird Yuri Boidman kein Trost sein, aber in der Onlinedatenbank von ChessBase findet sich ein französischer Vorgänger. 10...b4

Dort geschah noch 10...h6 11.exf6 b4 (11...hxg5 12.fxg7+–) 12.Se4 1–0 Nataf (2545) - Delorme (2220), Frankreich 2003

11.Se4 Da5 12.exf6 Schwarz gab auf. 1–0

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Nicht so recht wissend, wie er seine Freude ob des leichten Sieges vor seinem Gegner verbergen sollte, starrte Poetsch stoisch auf die Stellung, während Boidman minutenlang mit seinem Schicksal haderte

Das sieht auch ein GM nicht alle Tage!

Später führte der Unglücksrabe erst Frank Mayer, Michael Stockmann...

...und dann auch Hans-Walter Schmitt seine unfreiwillige Kurzpartie vor

An Brett 1 wurde nicht viel länger gespielt. FM Julian Geske hatte den Franzosen von GM Thomas Luther gut genug drauf, um nach nur 16 Zügen ein Dauerschach zu erzwingen. Wenn Luther den Turnsieg vergeben hat, dann in dieser Partie, in welcher er es versäumte, mit den schwarzen Steinen auf Sieg zu spielen.

FM Julian Geske 2337 – Thomas Luther 2515
23. Schlosspark-Open Wiesbaden (6), 28.08.2011

C07 – Französisch

1.e4 e6 2.d4 d5 3.Sd2 c5 4.Sgf3 cxd4 5.exd5 Dxd5 6.Lc4 Dd7 7.0–0 Sc6 8.Sb3 Sf6 9.Sbxd4 Lc5 10.Sxc6 Dxc6 11.Se5 Db6 12.Lg5N Der erste neue Zug.

12.De2 0–0 13.Ld3 Sd5 14.De4 f5 0–1 (82) Caruana (2711) - Shirov (2714), Biel 2011

12...0–0 Schwarz hat nicht viel Auswahl. Gut möglich, dass sich Luther an dieser Stelle ärgerte, nicht auf seinen geliebten Franzosen verzichtet zu haben. In der Folge kann er das Remis kaum vermeiden.

12...Se4? sieht aktiv und gefährlich aus, aber aufgrund der Schwäche des schwarzen Königs geht einfach 13.Lb5+, worauf Schwarz 13...Kf8 spielen muss. Nach 14.Dh5 Sxg5 15.Dxg5± steht Weiß klar besser. Auf 15...f6?? ist 16.Dh5+– tödlich. Ohne Materialverluste können beide Mattdrohungen nicht bedient werden.

13.Lxf6 gxf6 14.Dh5 Damit hat Weiß das Remis so gut wie in der Tasche.

14...fxe5 Alle anderen Züge verlieren, weil Weiß sonst über die e- oder d-Linie entscheidend einen Turm in den Königsangriff führt. 15.Dg5+ Kh8 16.Df6+ und der Großmeister konnte dem Remis nicht mehr entrinnen. 1/2-1/2

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Thomas Luther von Julian Geske ausgebremst

Flugs hatte sich Poetsch ausgerechnet, dass ihm in jedem Fall ein Remis gegen Schlussrundengegner FM Michael Stockmann reichen würde. Letzterer hatte keine Einwände und konnte seinem Gegenüber als Erster zum Triumph gratulieren. Neben Poetsch, Meijers und Luther erreichten auch der bereits erwähnte Stockmann und Samuel Minor 6 Punkte. Letzterer toppte in der Schlussrunde ein starkes Turnier mit einem Sieg gegen den zu diesem Zeitpunkt noch immer geschockten Yuri Boidman.

Frank Mayer und Hans-Dieter Post vollzogen die Siegerehrung und zeigten sich sehr zufrieden mit der Veranstaltung. So zufrieden, dass sie schon jetzt das Stattfinden des 24. Schloßpark-Open im nächsten Jahr ankündigten.

Die Top 10 des 23. Schloßpark-Open

v.l.n.r. stehend: GM Viesturs Meijers (2.), Samuel Minor (5.),
FM Michael Stockmann (4.), Felix Kayser (7.) und GM Thomas Luther (3.)

v.l.n.r. hockend: Bernhard Nagel (6.), FM Julian Geske (10.),
FM Daniel Malek (9.), Jens Gottschalk (8.) und IM Hagen Poetsch (Sieger)

Das 23. Schloßpark-Open hatte alles, was ein Turnier benötigt, um im Gedächtnis zu bleiben. Da es 10 Jahre nicht stattgefunden hatte, war es kein Kunststück, neue Maßstäbe in Sachen Technik, Ambiente und Verpflegung im Vergleich zu früheren Schloßpark-Open zu bieten. Also sorgte man dafür, dass sich die diesjährige Auflage mit den beiden großen hessischen Open - Rhein-Main-Open und Karl-Mala-Gedächtnisturnier - messen kann. Dafür hatte man den großen Saal im Jeanne Schütz-Haus edel hergerichtet, mit Hans-Dieter Post einen professionell arbeitenden Turnierleiter engagiert und mit dem hauseigenen Griechischen Restaurant versorgte man die Spieler sehr preisgünstig mit Kaffee, kalten Getränken und Snacks.

Wer üppiger schmausen wollte, brauchte nur ein paar Schritte in den Biergarten der Taverna Vassili zu machen und konnte wirklich richtig lecker speisen. Am Samstag und Sonntag fand im nahen Schlosspark das Mosburgfest statt, auf welchem man sich in der Zeit zwischen den Runden ebenfalls abwechslungsreich stärken konnte.

Besonders hervorzuheben ist auch die exzellente Turnierseite, auf welcher die Ergebnisse in Echtzeit präsentiert wurden. Die Paarungen der nächsten Runde wurden unmittelbar nach Beendigung der letzten Runde veröffentlicht, was allen die optimalsten Bedingungen zur Vorbereitung auf die Vormittagsrunden bot.

Die Schiedsrichter Holger Bermann und Wolfgang Hettler waren stets auf der Höhe und lösten auch die wenigen kniffeligeren Momente souverän, leise und fair und ernteten dafür vor der Siegerehrung wohlwollenden Applaus. Auch die Chess Tigers trugen ihren Teil zum schönen Ambiente des Spielsaals bei. Sie stellten das komplette Spielmaterial aus Holz nebst DGT-Uhren. Es wird im kommenden Jahr wieder ein Schloßpark-Open geben, das steht fest. Bereits unmittelbar nachdem das letzte Brett abgeräumt war, wurden im Team Verbesserungen für das nächste Mal diskutiert. Wenn Sie dann dabei sein möchten, merken Sie sich den August 2011 vor! Wir werden es tun.


Wiesbadener Allerlei

Die beste Frau - Julia Wang

IM Anatoly Donchenko verpasste um einen
Platz die Top 10, wurde aber bester Senior

Sebastian Wöhl gewann die Ratingklasse IV (TWZ <1500)

Isabel Steimbach von der OSG Baden-Baden
gewann die Ratingklasse III (TWZ 1501 - 1750)

Typische Schachverletzung...

Dr. Stefan Beulertz von der Malta Chess Federation

Alexander Kornilov war mit seinen 2 Punkten nicht zufrieden

Maxima Schreer war die jüngste Teilnehmerin und gewann sogar eine Partie

Christian Min Hansch nahm über 50 DWZ-Punkte mit aus Wiesbaden

Udo Lanz im Chess960-Look

Am Schlusstag trug er Schachgeschichte

Und nochmals von vorn

Carsten Kreiling von der SVG Eppstein

Na gut, wenn es so besser geht...

Robert Baskin von TuS Makkabi Frankfurt

Sehr modern - Paarungen, Ergebnisse und Tabellen wurden via Monitor angezeigt

Solche Preise findet man selten bei einem Schachturnier

Und weil es so schön aussieht, nochmals ein Blick von der Empore über dem Spielsaal

Die letzte Partie des 23. Schloßpark-Open 2011


Der Schlosspark

Schloss Biebrich vom Schlosspark aus gesehen

Der Mittelturm der Rheinseite

Heiraten in einem Schloss - ein Traum für jede Braut

Jetzt braucht der Bräutigam aber nicht mehr auf die Knie gehen!

Ach so, der Brautstrauß hatte sich selbständig gemacht

Kunst aus absichtlich nicht rostfreiem Stahl vor dem Schloss

Viel Raum für Interpretation

"Die Treppe"

"Tanzendes Paar"

"Freiheit"

Das weitläufige Wiesental im Schlosspark

Der Mosbach

Stimmt!

Die Mosburg auf der anderen Seite des Schlossparks

Eine künstliche Ruine zur Erinnerung an die Kaiserpfalz Biburc. Im Augenblick wird sie restauriert. Die Kosten deckt das jährliche Mosburgfest, auf welchem sich die Vereine der Umgebung mit Spiel, Spaß und viel Essen und Trinken zu zivilen Preisen präsentieren.

Rund um den Mosburgweiher findet das Fest statt

Sogar die Polizei hat dort einen Stand!

Und auch der Wiesbadener Harley-Club ist vertreten

Echt harten Jungs geht immer das Herz auf...

...wenn ein cooles Gefährt ihren Weg kreuzt

Dabei konnte sich ihr eigener Fuhrpark...

...durchaus sehen lassen

Auf rasante Fahrt im Kreis ging es bei der jüngeren Generation mit der Bimmelbahn

Derweil lenkten dieser junge Naturbursche mit
seiner Oma die vom Rummel verwirrten Enten ab

Rasch war er der Star in Entenhausen


Alle Ergebnisse, Tabellen, Partien etc. vom 23. Schloßpark-Open finden Sie hier:

Offizielle Turnierseite


Weitere Berichte und Bilder vom Schloßpark-Open 2011:

"Phönix aus der Asche in Wiesbaden"

"Fünf Spieler an der Spitze beim Schloßpark-Open"



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Mike Rosa

Published by Mike Rosa

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