TopTurniere Gashimov Memorial R5 - Rochade an der Spitze Ruhetag am Mittwoch
21.04.2015 - Es war das erste Mal, dass Viswanathan Anand und Wesley So in ihrer Karriere die Klingen kreuzten, und die 5. Runde des Gashimov Memorials wird der junge Wahl-Ami bestimmt nicht vergessen. Der indische Superstar bot seinem Gegner überraschend einen Springer zum Fraß an, den dieser schließlich auch nahm. Dies war bestimmt nicht der Grund der Niederlage, denn So erreichte immerhin ein Damenendspiel, welches zunächst haltbar schien. Doch Vishy, dem man jüngst seitens einiger "Experten" Schwächen im Endspiel attestiert hatte, zeigte, wie man ein Damenendspiel mit gleicher Bauernzahl dennoch gewinnen kann. Parallel ereignete sich zwischen Magnus Carlsen und Maxime Vachier-Lagrave auch Historisches. Unglaublich, aber wahr, der Norweger hatte zuletzt vor zehn(!) Jahren gegen den Franzosen eine klassische Partie gewonnen, heute jedoch ließ er diesem nach kuriosem Eröffnungsverlauf keine Chance. Den dritten Sieg des Tages errang Shakhriyar Mamedyarov gegen Vladimir Kramnik. Er zwang den Russen in ein schlechtes Endspiel, und nach mehrmaligem Nachfassen erzielte der Aserbaidschaner den ersten, erlösenden Heimsieg. Eine wundersame Rettung erfuhr Anish Giri, der gegen Fabiano Caruana eigentlich schon in der Eröffnung überspielt wurde, doch dieses Mal schaffte der Niederländer das Remis. Die geringste Aufregung kam zwischen Rauf Mamedov und Michael Adams auf. Das Gleichgewicht wurde nicht wesentlich gestört und der Punkt folgerichtig geteilt. Damit führt nun Magnus Carlsen, der mit Wesley So an der Spitze rochierte. Mit +1 folgt Vishy auf Rang 3 vor Kramnik und Mamedyarov mit jeweils 50 Prozent. O-Töne zur 5. Runde liefert das aktuelle Video von Vijay Kumar am Ende des Berichts. Morgen dürfen sich alle Spieler von den bisherigen Strapazen erholen, bevor am Donnerstag ab 12 Uhr Runde 6 ansteht.
Vugar Gashimov (* 24. Juli 1986 in Baku, † 11. Januar 2014 in Heidelberg) bei der Chess Classic Mainz 2010
Allgemeine Informationen
Das Shamkir Chess 2015 findet vom 16. bis 26. April im Haydar Aliev Centre in Shamkir statt. Veranstalter sind der Aserbaidschanische Schachverband und die Synergy Group
Der Turnierschnitt beträgt 2773, was der Turnierkategorie 21 entspricht.
Gespielt wird ein einrundiges Turnier mit zehn Spielern, und die Bedenkzeit ist 120 Minuten für 40 Züge plus 60 Minuten für weitere 20 Züge. Ab Zug 61 haben die Spieler 15 Minuten plus 30 Sekunden pro Zug für den Rest der Partie.
Rundenstart ist täglich um 12 Uhr, lediglich die letzte Runde beginnt eine Stunde früher. Der einzige Ruhetag wird am 22. April eingelegt.
Sollten am Ende zwei Spieler punktgleich den ersten Platz belegen, wird ein Tiebreak gespielt. Zunächst werden zwei Schnellpartien mit 10'+3'' ausgetragen. Gibt es noch keinen Sieger, wird das Ganze mit 5'+3'' wiederholt. Endet auch das Match unentschieden, muss der "Sudden Death" entscheiden, in welchem Weiß 6 Minuten erhält und dafür gewinnen muss, während Schwarz nur 5 Minuten bekommt, ihm aber ein Remis zum Turniersieg reicht.
Sollten mehr als zwei Spieler punktgleich den ersten Platz belegen, entscheiden in der Reihenfolge die höhere Zahl der Siege, dann der direkte Vergleich und schlussendlich die Sonneborn-Berger-Wertung.
Der Preisfonds beläuft sich auf 100.000,- Euro, die sich wie folgt verteilen:
Im Fokus von Vijay Kumars Kamera (Video folgt weiter unten!) besiegte Viswanathan Anand in ihrer allerersten Turnierpartie den bisherigen Tabellenführer Wesley So
Mit 10.Sg5!? hatte Vishy einen besonders giftigen Pfeil im Köcher. Nach späterem h7-h6 blieb der Schimmel einfach stehen!
So sieht jemand aus, der unbedingt die erste Partie gewinnen will!
Äußerlich gefasst konnte So die Anandsche Idee am Brett nicht endgültig entkräften
Hier wirkte Maxime Vachier-Lagrave gegen Magnus Carlsen noch recht optimistisch, hatte er doch 2...b5!? als Überraschung im Vorbereitungsköfferchen...
Ganze 11 Minuten brauchte der Weltmeister, um sich eine möglichst ungewöhnliche, aber spielbare Gegenstrategie zu überlegen. Da erklärt man den Kindern mit Engelszunge, dass am Anfang die Bauern ins Zentrum gehören und Springer nicht an den Rand sollen, und dann baut der stärkste Spieler der Welt so eine Stellung auf...
"DER darf das, denn DER weiß (meistens), was er tut!"
Selbst die alten Haudegen GM Vladimir Tukmakov (Coach von Giri) und GM Alexander "Big Al" Beliavsky (Coach von MVL) staunten nicht schlecht
An besonders guten Tagen schlägt Shakhriyar Mamedyarov auch mal einen Vladimir Kramnik - heute war so ein besonders guter Tag
Hauptsache eine Partie gewonnen im eigenen Land!
Das tat weh!
Anish Giri hatte heute gegen Fabiano Caruana die holde Caissa ganz auf seiner Seite
Es ist noch immer Sand im italienischen Getriebe!
"Irgendwas muss ich ändern..."
Rauf Mamedov musste sich das Remis gegen Michael Adams zwar schwer verdienen, aber ernste Verlustgefahr kam nie auf