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Jürgen Wienecke wird 75!
Das Schwergewicht in Sachen Schach & Zahlen feiert heute seinen 75. Geburtstag im Kreise seiner Familie und Freunde. Mit dem Chess Tigers Training Center wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen.
20.10.2012 - Der Wahl-Unterliederbacher Jürgen Wienecke aus dem Frankfurter-Westen kann auf eine bewegte Schachkarriere zurückschauen und darf richtig stolz sein auf das für das Schach Geleistete, besonders wenn es um Organisation, Verwaltung und kaufmännische Angelegenheiten geht. Er war immer mit vollem Engagement und hoher Zuverlässigkeit dabei, wenn es um regionale, nationale oder gar globale Angelegenheiten ging. Mit Herz und Verstand erschien kein Gipfel zu hoch, um ihn mit Freunden und Kollegen zu erklimmen und so soll es auch noch ein bisschen bleiben. Den Chess Tigers ist es an dieser Stelle eine ganz besondere Freude und Ehre, ihrem Ehrenmitglied auf das herzlichste zum 75. Geburtstag zu gratulieren! Mike Rosa sprach aus diesem Anlass mit Wegbegleiter und Freund Hans-Walter Schmitt über den Jubilar und die gemeinsame Zeit.

Mike Rosa: Herr Schmitt, Sie äußerten kürzlich ihr Bedauern, dass es heute im modernen Schach bei Vereinen nicht mehr die Typen gibt, wie Jürgen Wienecke sie verkörpert.

Hans-Walter Schmitt: Die Aussage hörte sich ein bisschen desillusionierend und gar resignierend an, aber es steckt auch ein Körnchen Wahrheit darin. In meiner Zusammenarbeit mit Jürgen habe ich als höchste Fähigkeit neben vielen anderen mehr, bei ihm schätzen gelernt, dass er „nie“ bei Projekten davonlief, wenn es knüppelhart wurde, wenn sich die Arbeit auftürmte, wenn wir in Zeitnot gerieten oder wenn keiner von uns genau wusste, wie es weiter gehen sollte. Wir beide hatten dann die Nerven und die Zeit zu Schweigen, um nachzudenken und dann zu entscheiden. Und es ging fast immer gut, was sage ich da, sehr gut ging es und wir kamen immer ans Ziel!

Hans-Walter Schmitt und Jürgen Wienecke können sich stets auf einander verlassen

Was ist der Unterschied zu den „Jetzttypen“?

Schmitt: Ich begegne immer mehr Menschen, die in der „Internet“- und „Wiki“-Welt auf jede Frage und Thema sofort eine Antwort wissen. Hinterfragt man ihre Projekte und eigene Taten, stellt man oft etwas anderes fest. Es ist ja fast wie bei Kindern, von denen namhafte deutsche Pädagogen behaupten, „dass Sie unglaublich viel wissen, aber im Verhältnis sehr wenig können“. Die moderne Form von: „Man müsste mal, man sollte mal, man könnte mal, wenn ich, hätt‘ ich, und wär‘ ich“. Mich macht diese Art von Zusammenwirken zunehmend nachdenklich.

Es ist so wohltuend, mit Leuten wie Jürgen zu arbeiten, die einfach sagen: „Gib’s her, das erledige ich!“ und Dir nicht in minutenlangen Erklärungen und gedrechselten Worten versichern, warum Du es selber im Team machen musst. Ich denke, dass viele Leute heute die Angst in sich tragen, irgendetwas zu verpassen und sich dabei zu „Getriebenen“ machen.

Jürgen Wienecke und die Liebe seines Lebens namens Brigitte

Wo sind Sie sich zum ersten Mal begegnet?

Schmitt: Jürgen Wienecke kam im Jahre 1977 zum SK Unterliederbach in die Sport- und Kulturhalle und spielte in der Saison 77/78 in den Vereinsturnieren mit. Wir begegneten uns in den ersten zwei Jahren im Club 4-mal am Brett, wobei ich in allen vier Partien in der Vereinsmeisterschaft, im Pokal und in zwei Thematurnierpartien Schwarz hatte! Die erste Partie spielten wir miteinander am 17.März 1978 – Modernes Benoni.

Wie ging es dann weiter…?

Schmitt: Jürgen hatte sich schnell integriert und sich kompetent und zupackend in praktischen Dingen gezeigt. Wir alle trauten ihm die Führung des Vereins zu, folgerichtig wurde er dann 1980 Vorsitzender beim SK Unterliederbach und blieb es 8 Jahre lang. Während seiner Amtszeit wurde im Jahre 1984 der 60. Geburtstag des Vereins gefeiert und wir beide veranstalteten zusammen in der Ludwig-Ehrhard-Schule in Unterliederbach am 3. Juni ein vielbeachtetes Simultan mit Großmeister Vlastimil Hort. 35 Teilnehmer aus Fleisch und Blut und ein Schachcomputer (schon damals!) spielten mit. Organisatorisch schließt sich jetzt der Kreis mit seiner Geburtstagfeier im Gasthaus „Zum Löwen“ in Unterliederbach, wo wir schon da-mals einen erlebnisreichen Schachtag mit GM Vlastimil Hort „zünftig“ ausklingen ließen.

Jürgen Wienecke mit seinen "Westlern" (v.l.n.r.) Hans Mokry,
Christa Mokry, Peter Kutschera und Ferdinand Niebling

Danach trennten sich aber Ihre Wege, er blieb in Unterliederbach und Sie gingen nach Königstein?

Schmitt: Eigentlich trennten wir uns ja nicht, sondern ich wollte lediglich ein paar Klassen höher spielen, um schachlich auszuloten, wie weit es sportlich nach oben gehen kann - wir traten da in Unterliederbach mehr auf der Stelle. Zu dieser Zeit stand beim SK Unterlieder-bach mehr der familiäre, gesellige Anspruch im Mittelpunkt mit Wandern, Kegeln, Doppelkopf, Ausflügen, Weihnachtsfeiern usw… Jürgen Wienecke war damals verständnisvoll für mein Anliegen, mehr Schach, mehr Jugendarbeit, einfach mehr Sport zu machen, aber die Zeit war noch nicht reif. Jürgen war für mich damals schon so wichtig, dass ich ihm einen handgeschriebenen Brief mit meinen Beweggründen überreichte. Natürlich blieb ich Mitglied beim SKU.

Stets hatte Jürgen Wienecke - nicht nur wie hier bei der
Chess Classic Mainz 2008 - den Überblick über die Zahlen

In der Zwischenzeit wurde der SC Sindlingen und SK Unterliederbach zum SC Frankfurt-West fusioniert mit der Zustimmung aller Mitgliedsvereine der Main-Taunus-Schachvereinigung…

Schmitt: Mit den damaligen Vorsitzenden Claus Henrici und Markus Busche gelang die Fusion 1989 sehr gut, aber es drohten nach 2 Jahren, sich schon wieder die alten Verhältnisse einzustellen, ehe dann Ferdinand Niebling aus Wiesbaden und ich aus Königstein zurückkamen. Im Januar 2002 wurde mir den Vorsitz beim SC West angetragen. Mit einem breiten Konsens der organisatorischen Leistungsträger im Verein und der Zusicherung, dass wir die nächsten 5-6 Jahre an einem Strang ziehen wollten, entstand ein neues Selbstverständnis beim SC Frankfurt-West.

Nachdem wir den Vereinsabend mit dem Spielbetrieb und die Jugendarbeit modernisiert hatten und die sportlichen Ziele in den Ligen gefixt hatten, stand das Projekt des 70-jährigen Bestehens des SC West 1994 auf dem Aufgabenplan. Wir suchten einen kompetenten, kaufmännischen Projektleiter für die später sogenannte „Chess Classic“. Ich hoffte auf meinen Wunschkandidaten und Jürgen Wienecke sagte zu. Von 1994 bis 2012 war er dann an vorderster Position im Vorstand als Schatzmeister erfolgreich tätig.

Jürgen Wienecke und Hans-Walter Schmitt mit
Garry Kasparov bei der Frankfurt Chess Classic 1999

Quasi aus dem „Nichts“ heraus wurde dann das Turnierprojekt Chess Classic auf den Weg gebracht. Erzählen Sie uns von den Schlüsselstellen in der Zusammenarbeit mit Jürgen Wienecke in diesem Projekt!

Schmitt: Dies von meiner Seite her aufzuzählen würde sicher den Rahmen dieses Interviews sprengen, aber vielleicht können Sie ja mal mit Jürgen ein Interview machen, wie er die kritischsten Punkte und die schönsten Momente bewertet. Ich kann ihm nur „Danke“ sagen, dass er uns allen so viel Arbeitswillen, Kompetenz, Zuverlässigkeit und Durchhaltevermögen schenkte.

Sollte ich wieder ein neues Projekt angehen, ich würde ihn wieder zuerst fragen ob er einsteigt – obwohl er schon 75 Jahre alt ist -. Im Frühjahr diesen Jahres haben wir ihn bei der Jahreshauptversammlung ausgezeichnet als „Ehrenmitglied“ des Chess Tigers Schach-Förderverein 1999 e.V., damit steht er für uns mit den Weltmeistern Viswanathan Anand und Vladimir Kramnik und dem Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel auf einer Ebene.

2012 wurde Jürgen Wienecke die Ehrenmitgliedschaft bei den Chess Tigers verliehen


Weitere Fakten und Bilder von Jürgen Wienecke und der Chess Classic erhalten Sie unter den folgenden Links:

Jürgen Wienecke - 70 Jahre

Chess Classic bei Wikipedia



Hans-Walter Schmitt / Mike Rosa

Published by Mike Rosa

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