Nachrichten Jürgen Wienecke - 70 Jahre Chess Tigers Schatzmeister feiert runden Geburtstag
20.10.2007 - Seit Ende Januar 1994 ist er Schatzmeister, zuerst beim SC Frankfurt-West und seit dem 9.9.1999 zusätzlich bei dem neugeründeten Schach-Förderverein 1999 e.V. - einfach Chess Tigers genannt. Bewegende und große Momente hat Jürgen Wienecke im geschäftsführenden Vorstand als Schatzmeister verantwortet - ein selten mutiger Kaufmann, dem nie die Hände zitterten, selbst dann nicht, wenn die zehn besten Spieler der Welt ihr Salär empfingen. Arbeitswille, Kontinuität, Zähigkeit, Leidenschaft, Mut und Treue zeichneten ihn aus, aber auch - und das ist sehr selten bei Kaufleuten - Flexibilität, Fortschrittsdenken und Geschäftstüchtigkeit. Lieber Jürgen, wir anderen Tiger im Freigehege danken Dir herzlich für das Geleistete und wünschen Dir zum runden 70.Geburtstag alles erdenklich Gute.
70 Euro Schein für Jürgen Wienecke bei der EZB beantragt
Die Gratulanten von 5 - 500 (Chess Tigers Graphiker Fränk Stiefel)
Der Start: Spieler oder Funktionär
"70 Jahre und kein bisschen leise", wird Jürgen Rudolf Albert Walter Wienecke am 20.Oktober 2007. Seit dem 1.Juli 1977, von Hannover kommend fand er in Gelnhausen eine Arbeitsstelle, ist er der Rhein-Main-Taunus Region verbunden als Vereins- und Mannschaftsspieler beim am 9.Mai 1924 gegründeten SK Unterliederbach, der dann 1989 mit dem Schwesterverein SC Sindlingen 1925 fusionierte und ab diesem Zeitpunkt SC Frankfurt-West sich nennen lässt. Der zur Klasse der Super-Schwergewichtler gehörende Schatzmeister ist nicht nur Spieler, sondern auch aufopferungsvoller Organisator und cleverer Funktionär. Schon 1980, also drei Jahre nach Eintritt in den SK U. wählte man ihn nach zweijährigem kurzen Intermezzo von Karlheinz Arnold als Vorsitzenden zum Lenker der Geschicke, der dem großen Vorsitzenden Herrmann Leipe - heute Ehrenvorsitzender beim SC West - folgte und schon sehr bald passten die Schuhe. Acht Jahre bis 1988 erfüllte er diese Aufgabe und musste erkennen, dass die Freizeitgestaltung sich wesentlich in der Gesellschaft änderte. Die gelebte Familienstruktur musste mehr und mehr den individuellen Spielerbedürfnissen angepasst werden, sodass die Mitgliederzahl es erforderte, dass die Fusion der von Paul Kern mitgegründeten Vereine SK Unterliederbach und SC Sindlingen unabdingbar sich erwies - klugerweise überließ er dies der neuen Generation von Funktionären, die von viel weniger Berührungsängste als die "Alten" geplagt wurden. Dem Vorstand blieb er natürlich verbunden und übernahm forthin die Schnittstelle zu den diversen Vereinsringen.
Ein Chess Tiger aus Leidenschaft (Bild 2006)
Verschnaufpause 1988 - 1994
Nachdem Ferdinand Niebling vom SV Wiesbaden und Hans-Walter Schmitt von den Schachfreunden Königsten nach der erfolgreichen Fusion das spielerische Potenzial anreicherten und der Letztgenannte im Januar 2002 den Vorsitz und der Erstgenannte den Posten des Turnierleiters übernahm, konnte der gelernte Kaufmann beim Anblick des Aufgabenvolumen der ersten Frankfurt-West Chess Classic 2004 der Herausforderung nicht widerstehen, er stieg zuerst für die Chess Classic als kaufmännischer Projektleiter ein und wurde 1996 in die entscheidende Funktion des Schatzmeisters bei Frankfurt-West gewählt.
verantwortlich für 14 mal Chess Classic die Schwergewichtszwillinge im jährlich weltweiten Turnierzirkus Schatzmeister Jürgen Wienecke und Vorsitzender Hans-Walter Schmitt immer Flagge zeigend - unermüdlich im Einsatz (Bild 2007)
Aufbruch zu neuen Ufern - Ziel: Weltklasseturnier
Bei der Vorstellung des Zehn-Jahres-Turnierkonzeptes 1996, verbunden mit der parallelen Jugendentwicklung, den Programmen "Weißer Tiger" und "Schwarzer Bär", erkannte er als Erster neben dem Macher Schmitt das riesige Potenzial, dass sich chancenreich vor dem SC Frankfurt-West ausbreitete. Seit diesem Zeitpunkt wurde West eine "Marke": 1996 bereits Verein des Jahres in Deutschland, mehrmalig hessischer U10 und U12 Einzel- und Mannschaftsmeister und die 1.Mannschaft kam aus den Niederungen der Bezirksliga in die drei Stufen höhere Landesklasse. Die Internetseite wurde als einer der ersten in der MTS gestartet und das Requirieren von Sponsoringgelder zur Normalität. Mit Vishy Anand 1994, Vladimir Kramnik, Alexei Shirov, Dr.Robert Hübner und Peter Leko 1996 begann dann der unaufhaltsame Aufstieg in die Phalanx der Weltklasse-Schachturniere, der 1998 in das stärkste Schnellschachturnier aller Zeiten einmündete. Garry Kasparov, Vishy Anand, Vladimir Kramnik und Vassily Ivanchuk stellten mit dem bisher unerreichten Elo-Schnitt von 2781 alle Turnierrekorde in den Schatten. Im Umgang als Schatzmeister mit Weltklassespielern und Sponsoren mauserte sich der Club im Frankfurter Westen zur "Premium Marke" und es floss auch ein bisschen Kleingeld durch Jürgens Hände - wie auf der Graphik skizziert. Die Ehrenmitgliedschaft des Schachclubs Frankfurt-West hatte er sich redlich verdient. Nachdem aber die "Vorstandszwillinge" Schmitt und Wienecke immer mehr Gas gaben und im Jahre 1999 - 75 Jahre Frankfurt-West - mit 12 Veranstaltungen vom Familienturnier über die Main-Taunus-Schach-Meisterschaft, Hessische Blitzschachmeisterschaft, Deutsche Schnellschachmeisterschaft bis hin zur Frankfurt Chess Classic 1999 in der Ballsporthalle - Empfang im Römer - die feindlichen russischen Weltmeister Kasparov und Karpov nach langer Zeit wieder, sowie die zukünftigen Weltmeister Anand und Kramnik, zusammenbrachten, wurde klar, dass der mit sechs 8er-Mannschaften in den unterschiedlichsten Ligen agierende SC West mit seinem Anspruch dies nicht mehr alles leisten konnte und wollte - das Korsett wurde zu eng und die Manpower reichte nicht aus. Das Zitat der Ehrenvorsitzenden: Für Kasparov tun sie alles, aber was bekommen wir?", war das klare Signal zu handeln. Eine neue Organisationsstruktur musste her.
Jürgen Wienecke überreicht dem "Größten" das Kuvert... (Bild 1999)
Gründung der Frankfurt Chess Tigers
Am 9.9.99 wurde mit 9 Mitgliedern der Frankfurt Chess Tigers Schach-Förderverein 1999 e.V. gegründet, der sich fortan um die Chess Classic kümmerte - Jürgen Wienecke war nun in beiden Vereinen Schatzmeister. Im Jahr 2000 stand dann der vorläufige Höhepunkt mit der "Premiere der Top Ten" an. Zum ersten Mal in der nunmehr 156-jährigen Geschichte des Turnierschachs trafen sich im Parkhotel in Bad Soden am Taunus die 10 führenden Spieler der damaligen Weltrangliste: Kasparov, Anand, Kramnik, Shirov, Morozevich, Adams, Ivanchuk, Bareev und Topalov. Der "Tiger von Madras", unser Ehrenmitglied Viswanathan Anand, gewann souverän mit +5/=5/-0 vor Kasparov und Kramnik mit +3/=6/-1 und hat seither den Chess Classic Schnellschach-Weltmeister-Titel zum siebten Mal in Mainz verteidigt. Auch hier kümmerte sich Wienecke um die Finanzen und war zusätzlich verantwortlich für die logistische Anmeldung und finanzielle Abwicklung des weltweit größten Schnellschach Open. Die Aufgaben wuchsen an, Jürgen war mittlerweile beruflich in Rente gegangen und wir waren uns sicher, dass wir auch die Frankfurter Chess Classic Krise nach dem Weggang unserer Mentorin, der Frankfurter Sport- und Kulturdezernentin Sylvia Schenk zum Bund deutscher Radfahrer, meistern würden. Der Sponsor Siemens hatte aus strategischen Gründen keine Ambitionen mehr weiter zu machen, weil Kasparov uns die zwei Schnellpartien mit "Fritz on Primergy" versagte, aber stattdessen ein 40er Simultan offerierte. Und hier gelang der größte Zu- und Glücksfall der Rhein-Main-Schachgeschichte - oder war es Stratigie, wie das Spiel selbst uns lehrt.
... immer ein bisschen unwillig ist der Schatzmeister beim bezahlen (Bild 1999)
Duell der Grazien - Elisabeth Pähtz und Alexandra Kosteniuk (Bild 2002)
Der Chess Classic Wechsel nach Mainz
Der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel nahm den im angebotenen Platz im Simultan - es wurden bis zu 1.000,- DM geboten - gegen Weltmeister Garry Kasparov an und trotzte dem besten "Schachspieler aller Zeiten" - Elo 2851 - neben dem Chess Tigers Vorsitzenden Schmitt sitzend ein Remis in einer aufregenden "Schottischen Partie" ab. Im Nachhinein muss man sagen, dass die Beiden es waren, die den Rekord ihres Vereinskollegen Vishy mit +36/=4/-0 aus 1995 gegen Garrys Superleistung mit +35/=5/-0 absicherten. Als sein Nachbar Schmitt ebenfalls ein Remis mit der Damenindischen Verteidigung erreichte, war es Jürgen Wienecke, der die Frage des Mainzer OB Jens Beutel: "Wie wäre es, wenn ihr die Chess Classic in Mainz abhalten würdet", spontan heraus beantwortete mit "Warum nicht, habt ihr genug Sponsoren mit Munition, Spiellokal und Hotel?" Das Ding ging klar: Hilton Mainz, Congress Centrum Mainz mit Rheingoldhalle, Mainzer Sponsoren und die Chess Tigers - eine neue Ära begann. Seither hat Mainz sieben Mal die Chess Classic erlebt, genauso oft wie Frankfurt, deren Türme so hoch und zahlreich sind, aber Weltklasseschach nicht als förderungswürdigen Sport ansieht.
Der schwergewichtige Turm mit seinen flinken Bäuerlein Opa Jürgen und die Enkel ganz in Weiß (Bild 1996)
Chess960 - eine Innovation mit riesigen Chancen
Neben vielen weiteren Aktivitäten wurde in Mainz das Chess960 - eine Idee von Robert James "Bobby" Fischer - mit einem Prominententurnier gestartet, wo Minister und Staatssekretäre, Oberbürgermeister und Unternehmer teilnahmen und sich begeisterten daran. Zitat des Staatsekretärs: "Da merkt wenigstens keiner, dass ich keine Theorie mehr drauf habe".. Darüberhinaus wurde ein Profi-Testwettkampf zwischen GM Peter Leko und GM Michael Adams - Nr.4 und Nr.6 in der Weltrangliste - veranstaltet. Die Akzeptanz war da und die Turnierserie startete ein Jahr später mit dem ersten FiNet-Open-Qualifikationsturnier, später folgten die jährlichen Chess960-Weltmeisterschaften.
Opa Jürgen, Oma Brigitte, Enkelin Ann-Katrin und Enkel Andreas Inkognito der Springer und diesmal das Ganze in Schwarz (Bild 1996)
Die Gründung der Chess Tigers Universität
Ein weiterer Meilenstein, den er kaufmänisch und logistisch begleitete war die Gründung der Chess Tigers Universität mit Deutschlands führendem Trainer und Großmeister Artur Jussupow. Nach gut drei Jahren Laufzeit trainieren mit 960 Lektionen in 24 Leistungsstufen insgesamt knapp 2000 Studenten aus 43 Vereinen, Familien und privat Interessierten. Natürlich musste das auch kaufmännisch bewältigt werden, genauso wie die Betreuung der Primepartner ChessBase, Niggemann und dgt projects. Der eigene Shop mit mittlerweile über 100 Produkten erfordert auch den ganzen Mann und das macht der 70-Jährige mit Engagement und Unternehmergeist - wohl der Organisation, die einen Jürgen Wienecke hat, der sich auch nicht scheut, die ganze Familie in den Dienst seiner Chess Tigers zu ziehen.
Schatzmeister SC Frankfurt-West bei der Jubiläumsrede zum 75.jährigen Bestehen im Hotel Lindner (Bild 1999)
Wir danken Dir, wünschen Gesundheit und Glück
Danke Jürgen, irgendwann wirst Du neben Vishy Anand, Vladimir Kramnik und Jens Beutel zum Ehrenmitglied ernannt, vielleicht 2009, verdient hättest Du es schon früher, aber Du musst zuerst noch einen Nachfolger ausbilden, der Dir baldmöglichst bei der vielen Arbeit zur Seite steht. Mit Deiner Frau Brigitte habe ich gesprochen, ob eine junge Sekretärin mit kaufmännischer Erfahrung das Richtige wäre? Mit einem Lächeln schaute Sie mich ungläubig skeptisch an. Fast 15 Jahre haben wir nacheinander Fortune und die richtige Nase bewiesen - Können und Glück, Zusammenhalt, wenn es knüppeldick kam sowie zündende Ideen und Kreativität angewendet, wenn wir mal nicht richtig weiter wussten, war auf die "Alten" immer Verlass. Wenn manch Junger schon jappste und stöhnte wendeten wir unseren Leitspruch an: "Projekte stark anfangen, Tempo kontinuierlich steigern und dann zum Endspurt übergehen". Ich danke Dir aufrichtig und jeder Chess Tiger sollte es auch tun.
Weggefährten Hans Mokry und Jürgen Wienecke (Bild 1997)
Würdigung durch die Presse
Seine Welt sind die 64 Kästchen (Höchster Kreisblatt 20.10.2007)