Nachrichten Corsican Masters - Anand siegt souverän Keine Chance für Shak Attack
01.11.2011 - Viswanathan Anand hat mal wieder seine außergewöhnlichen Schnellschach-Fähigkeiten eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Im Knockout-Finale des Corsican Masters schlug der Weltmeister Shakhriyar Mamedyarov klar mit 2:0, nachdem er zuvor nacheinander Michael Massoni, Avetyk Grigoryan und Krishnan Sasikiran besiegt hatte. Letztere hatte zuvor das Qualifikationsturnier (mit langer Bedenkzeit!) mit 7,5/9 und einer Performance von 2792 für sich entschieden und war mit 13 weiteren Spielern in das Corsican Masters eingezogen. Leider wurde die Veranstaltung von einigen unschönen Ereignissen überschattet.
Achtelfinale - Surprise, surprise...
Mit 10 Minuten plus 3 Sekunden pro Zug wurde in den Finals des Corsican Masters ein recht knackiger Schnellschach-Modus gespielt. Für die Duelle waren jeweils 2 Partien angesetzt. Bei Gleichstand gab es zwei Blitzpartien (3'+2'') und zu guter Letzt eine Armageddon-Partie.
Zum Auftakt wurde dem französischen Fidemeister Michael Massoni die Ehre zuteil, gegen den Weltmeister zu spielen. In der ersten Partie hielt sich der Underdog als Schwarzer lange wacker, geriet im Endspiel aber zusehends in Nachteil. Diesem Druck war er nicht gewachsen und stellte schließlich einen glatten Springer ein. Seinerseits nun mit Schwarz spielend, war die zweite Partie eine vollends einseitige Angelegenheit für Anand. Er kassierte ersatzlos einen Bauern und wickelte trocken in ein gewonnenes Turmendspiel ab. Für die einzige echte Überraschung des Achtelfinals sorgte zwei andere Franzosen. Top-GM Laurent Fressinet unterlag sensationell Landsmann IM Gabriel Battaglini und schied aus.
Video Achtelfinale
Viertelfinale - Pas de surprise...
In der nächsten Runde wartete der Armenier Avetik Grigoryan auf Anand, stellte aber auch kein wirkliches Hindernis für den Inder dar. In der ersten Partie setzte dieser so fort, wie er das Achtelfinale beendet hatte. Erst schnappte er einen Bauern und gewann dann im Turmendspiel studienartig. Im Rückspiel erhielt Grigoryan als Weißer etwas Vorteil und letztlich auch einen Mehrbauern, aber Anand bewies, dass die weißen Siegchancen marginal waren. Zumindest zu gering für seinen armenischen Gegner, der letztlich ins Remis einwilligen musste. Auch Shakhriyar Mamedyarov benötigte gegen Gawain Jones keinen Tiebreak, sehr wohl jedoch Ivan Cheparinov und Krishnan Sasikiran. Ersterer hatte größte Mühe gegen Gabriel Battaglini und siegte erst im Blitzentscheid, wie auch Sasikiran gegen Rauf Mamedov.
Halbfinale - Glück gehabt...
Das Halbfinale sollte zum einzigen echten Prüfstein für den elffachen Schnellschach-Weltmeister werden. Landsmann Krishnan Sasikiran dachte nämlich überhaupt nicht daran, sich einfach umnieten zu lassen - ganz im Gegenteil! Nach einem gerechten Remis in der ersten Partie bot sich Sasikiran als Weißer nach 27 Zügen in der Diagrammstellung die erhoffte Chance zum Sieg.
Doch statt nun mit 28.Td4! +- den schwarzen Springer zu fesseln und unvermeidlich Le7 zu drohen, spielte Sasikiran 28.Lf2? und Anand entkam ins Remis. Im darauf folgenden Blitzentscheid setzte sich der Weltmeister dann klar mit 2:0 durch. Zuvor hatte sich Mamedyarov bereits sauber im Schnellschach mit 2:0 gegen Cheparinov ins Finale bugsiert.
Video Halbfinale
Finale - Klare Sache!
Bisher hatte sich alles in Bastia abgespielt, doch nach einem Ruhetag am Sonntag zog man zum Finale mit Sack und Pack nach Ajaccio in den Kongress-Palast um. Dort wurde den Finalisten eine große Bühne mit rund 500 Zuschauern geboten.
Volles Haus bei...
...Vishy gegen Shak
Gleich in der ersten Partie überraschte Anand seinen Gegner mit 3.f3 im Grünfeldinder und erzielte einen nie gefährdeten Sieg. Natürlich musste Shak nun alles auf eine Karte setzen. Der Aserbaidschaner mühte sich redlich und brach letztlich beim Versuch, den gegnerischen König zu erlegen, alle Brücken hinter sich ab und erreichte mit Schwarz am Zug die Diagrammstellung.
Das sieht nicht ungefährlich aus für Schwarz. Und als Anand nun zu 32...Db7! griff zuckten einige Kiebitze - nämlich die ohne GM-Titel oder Engine - zusammen, denn jetzt kam (natürlich) 33.Df8 und der schwarze König schwebte in höchster Gefahr, oder? Wie sollte Vishy Dxh6+ verhindern?
33...Ta8! -+ Gar nicht! Denn nach 34.Dxh6 Kg8 drohte Weiß ... gar nichts!
Nun entschieden der schwarze Freibauer und die marode weiße Stellung die Partie. Es folgten noch einige Züge ohne weiteren Belang, bevor Mamedyarov seinem Gegner zum deutlichen Sieg gratulierte.
Video Finale
Unschöne Ereignisse...
...warfen leider dunkle Schatten auf eine ansonsten gelungene Veranstaltung. Wie wir bereits berichteten, weigerte sich der iranische Großmeister Ehsan Ghaem Maghami in der vierten Runde des Corsican Circuit, gegen den Israeli FM Ehud Shachar zu spielen und wurde daraufhin von Turnierdirektor Léo Battesti auf die Heimreise geschickt. Ob dies zu hart war oder nicht, darüber haben bisher rund hundert Leser abgestimmt und rund Zweidrittel finden die getroffene Entscheidung richtig...
Eine Runde später griff Battesti erneut hart durch. Rauf Mamedov und Marc Arnold trennten sich nach nur 22 Zügen friedlich und verstießen damit gegen die Regeln, was ihnen möglicherweise aber gar nicht bewusst war. Kurzum wurde beiden Spielern eine Null verpasst. Dennoch schaffte Mamedov den Einzug in das K.O.-Finale.
Die unrühmliche Krönung war dann allerdings das, was sich am Samstag bei einem Nebenevent (einem Blitzturnier) zugetragen haben soll. Dort wurde ein bulgarischer Teilnehmer disqualifiziert und rausgeworfen, weil er seinem Gegner angeblich Geld für den Sieg angeboten haben soll.