Nachrichten Carlsen erstmals bei 2826 & Anand wieder bei 2800 Die größten Gewinner und Verlierer der Weltklasse - Und was ist eigentlich mit Moro?
02.07.2010 - Insgesamt 37 Spieler mit einer Elo von 2700 oder höher - und damit exakt so viele wie in der Mai-Liste - gibt es in der jüngst erschienenen Juli-Liste der FIDE. Die Nummer 1 bleibt natürlich Magnus Carlsen, der zuletzt das Kings' Tournament gewann und dort weitere 13 Elopunkte einheimste. 2826 ist die bisher zweithöchste, offizielle Rating, die je ein Schachspieler erreichen konnte. Die Bestmarke hält (noch) Garry Kasparov mit 2851 aus dem Jahr 1999. Kaum ein Schachfreund, der daran zweifelt, dass Carlsen einst Weltmeister sein wird. Doch noch ist es ein Anderer und Viswanathan Anand will es auch noch so lange wie möglich bleiben! Der Inder verteidigte nicht nur seinen Titel erfolgreich gegen Veselin Topalov, er hievte sich so auch wieder auf exakt 2800 und nimmt damit in der neuen Weltrangliste mit nur noch drei Punkten Rückstand die dritte Position hinter dem Bulgaren ein. Wenn Sie wissen möchten, was sich sonst noch so Bemerkenswertes nach den vergangenen zwei Monaten in der Weltrangliste getan hat, haben wir für Sie in der Folge ein paar Highlights herausgegriffen und die aktuelle Top 100 aufgeführt. Und haben Sie sich auch schon gefragt, was mit der einstigen Nummer 2 der Welt, Alexander Morozevich, ist und ob man ihn bald mal wieder spielen sieht? Wir sagen es Ihnen!
Ohne in der zurückliegenden Wertungsperiode zu spielen, ist Vladimir Kramnik (2790) um einen Platz auf den vierten Rang zurückgefallen und Levon Aronian (2783) hat seinen fünften Rang so "verteidigt". Erstmals bei und auch über 2700 sind der amtierende Europameister Ian Nepomniachtchi (2706) und der weltmeisterliche Edelsekundant Peter Heine Nielsen (2700). Anands "Superhelfer Nr. 2", Rustam Kasimdzhanov (2699) verpasste nach 2001 die magische Grenze - damals hatte der Usbeke 2706 - um ein Pünktchen.
Schnellschach-Weltmeister Levon Aronian ließ es in den vergangenen zwei Monaten mal ruhiger angehen und schaute sich die Konkurrenz an. Bei der Chess Classic Mainz 2010 wird er seinen Titel in der Offenen Grenke Rapid World Championship verteidigen
Pünktlich zu seinem 20. Geburtstag am 14. Juli ist Ian Nepomniachtchi angekommen im Kreis der 2700er
Bemerkenswert auch der Aufstieg von Anish Giri. Vor wenigen Tagen wurde der russisch-nepalesische Niederländer 16 Jahre alt und liegt nun bei einer Elo von 2672 auf dem 62. Rang der Weltrangliste. Da es nicht wenige Experten gibt, die in Giri den nächsten Magnus Carlsen sehen, lohnt sich der Vergleich mit dem Norweger. Im etwa gleichen Alter hatte Carlsen 2698 und war 21. der Oktober-Liste 2006. Allerdings muss man feststellen, dass sich die Zahl der 2700er seitdem fast verdoppelt hat. Damals wäre Giri die Nummer 35 gewesen.
Der neue Carlsen 2.0? Ganz bstimmt nicht! Aber wer sagt, dass Giri 1.0 nicht auch in die absolute Weltspitze eindringen kann?
Größter Verlierer im Club der 2700er ist mit Abstand Wang Yue (2716). Er stellte in den vergangenen zwei Monaten insgesamt satte 36 Punkte ein und ist damit nicht mehr der beste Chinese. Landsmann und Namensvetter Wang Hao (2724) darf sich jetzt mit diesem inoffiziellen Titel schmücken.
Beinahe schon Sorgen bereitet vielen Schachfreunden Alexander Morozevich (2715). Mitte/Ende 2008 war Moro mit 2787 noch Zweiter der Weltrangliste und auf dem Sprung, die 2800 zu knacken. In der Live Rating List hatte er dies am 24. August 2008 sogar mal geschafft und war virtuell die Nummer 1. Doch dann stürzte der eigenwillige Russe immer weiter - auf jetzt 2715 - ab und nahm sich offenbar ab März dieses Jahres eine schöpferische Pause. Selbst das gut dotierte Melody Amber in Nizza sagte er ab, obwohl es dort nicht um Elopunkte gegangen wäre. Schaut man sich den Rating Chart von Moro an, dann sieht man, dass er derlei des Öfteren in seiner Karriere erlebt hat, nach einer mehrmonatigen Pause mit neuer Kraft wieder angriff und dann ausgezeichnete Ergebnisse erzielte.
Kurz nach seinem 33. Geburtstag am 18. Juli wird Alexander Morozevich wieder zu den Figuren greifen. Ob Moro 3.0 nochmals wird angreifen können?
Die ersten Anzeichen auf ein neuerliches "Comeback" von Moro gibt es auch schon. So soll er vom 24. Juli bis 01. August als Erster der Setzliste beim IV Torneo Internacional in Pamplona am Start sein. Und auch bei der Olympiade 2010 vom 19. September bis 04. Oktober in Khanty-Mansiysk soll er die Farben seines Landes vertreten, wie WGM Natalia Pogonina auf ihrer Homepage weiß. Allerdings wird er wohl nicht in der ersten sondern in der zweiten Mannschaft Russlands auflaufen.
Bester deutscher Spieler in der Welt ist auf Rang 51 nach wie vor Arkadij Naiditsch (2684). Auch ohne die schwarz-rot-goldene Brille ist das Weltklasse, aber wer mal die 2700 geknackt hat, will da natürlich auch wieder hin! Der bekannt ehrgeizige Naiditsch wird schon bald Gelegenheit haben, in einem Top Turnier auf Punktejagd zu gehen, wenn er im GM-Turnier beim Sparkassen Chess-Meeting in Dortmund antritt. Nach einem starken 2009 läuft 2010 für die deutsche Nummer 2, Georg Meier (2648), bisher etwas schleppend, aber mit seinem Bundesligawechsel von der Weser an die Oos zu Baden-Baden ist klar, dass nicht nur der gebürtige Trierer selbst sondern auch berufene Kenner glauben, dass der Deutsche den Sprung in die absolute Weltklasse schaffen kann. Im Augenblick ist Meier die Nummer 88 in der Welt.
Arkadij Naiditsch bleibt die deutsche Nummer 1, doch er will mehr!