11.11.2006 - In seltener Einigkeit präsentierten sich heute die Elitespieler in Moskau. Wie abgestimmt wirkten die überaus scharf aussehenden Eröffnungen, die später in das unvermeidliche Remis durch Stellungswiederholungen oder Unergiebigkeit der übriggebliebenen Positionen führten. Keiner kann etwas gegen die 30-zügigen Scharmützel haben, aber ein fader Beigeschmack bleibt, wenn man den Vortag als Maßstab nehmen möchte und es gar schön ist, am freien Samstagnachmittag einmal dem Zuschauen im Internet zu frönen. Zweckdienlichkeit hatte sicher Ponomariov im Sinn und verteidigte die Spitze in der Tabelle mit 3,5 Punkten aus 5 Partien. Es ist gute Halbzeit!
Die wichtigsten Kämpfe des 8. Weltmeisters - Mikhail Tal - Michail Botwinnik
Weltmeister Mikhail Tal - Hier im Kampf mit Weltmeister Michail Botwinnik
Die Ausgeglichenheit des Teilnehmerfeldes lässt natürlich auch den Anteil von vielen Remisen wahrscheinlich werden. Die Hauptlast scheinen aber die Spieler im Vorfeld mit ihren Sekundanten aus Fleisch und Blut erledigt zu haben. Heute trat besonders stark in den Vordergrund, wie die präparierten, scharfen Varianten der Bewertung durch die Silikon-Monster - sprich Fritz10, Rybka, Shredder10, usw. - stand hielten. Soll dies wirklich das Schach der Zukunft sein und wo endet dies in 500 Jahren?
Ruslan Ponomariov - Peter Svidler ½
Der Fide-Weltmeister von 2003, Ruslan Ponomariov aus der Ukraine - in Moskau damals gekrönt nach bestandenem dramatischen Zweikampf gegen seinen Landsmann Vasily Ivanchuk - sprang wieder den St. Petersburger Peter Svidler mit aller Kraft an. Er ließ lange seinen König gegen die Hauptvariante des passionierten Grünfeld-Architekten Svidler in der Mitte und generierte einige Drohungen. Doch letztendlich parierte der Schwarze die Attacken am Damenflügel und stellte mit dem 30. Zug das klar verdiente Remis sicher.
Levon Aronian - Peter Leko ½
Im Duell der Top 10-Spieler Aronian und Leko stand die Hauptfortsetzung der Damenindischen Verteidigung auf dem Plan. Der Armenier generierte durch ein frühes Bauernopfer einige Gefahren für den schwarzen König - ohne durchschlagenden Erfolg. Folglich konnte der Schwarz spielende Ungar Peter Leko mit einem unausweichlichen Dauerschach seiner Dame auf g4 und h3 nach 24 Zügen ein frühes und friedliches Partieende forcieren.
Boris Gelfand - Alexander Morozevich ½
Zwischen dem Israeli Boris Gelfand und dem Russen Alexander Morozevich wurde der Anti-Meraner-Variante des Damengambits ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Nach kompliziertem Kampf erreichte keine der Parteien bis zur Zeitkonrolle gravierende Vorteile, so dass im 43. Zuge die Friedenspfeife geraucht wurde.
Alexander Grischuk - Shakhriyar Mamedyarov ½
"Ultrasuperscharf" wurde die Breyer-Variante der Spanischen Partie von Alexander Grischuk vorgetragen. Sein Gegner Shakhriyar Mamedyarov hielt aber allen Zudringlichkeiten des die "rote Laterne tragenden" Moskauer stand und zeigte sich wieder einmal glänzend vorbereitet. Grischuk hatte im 29. Zug noch mal über 50 Minuten an Lxe4 gebrütet, aber nichts Besseres gefunden, als das Remis zu forcieren.
Magnus Carlsen - Alexei Shirov ½
Die Baden-Badener Klubkameraden Magnus Carlsen und Alexei Shirov waren offensichtlich beide mit einem Remis zufrieden. Gestern hatte ja Shirov eine schwere Niederlage gegen die Marshall-Attacke des Armeniers Aronian erlitten, wobei der Enthusiasmus der Schachjünger über die brillant vorgetragene Endspielstudie von Levon richtig große Wellen schlug. Heute wählte Alexei deshalb die grundsolide Russische Verteidigung und ließ dem Norwegischen Jungstar sich die (Milch)zähne ausbeißen. Gerechtes Remis.
Die ELO-Gewinne und ELO-Verluste
sind nur ungefähre Werte und können von der offiziellen Auswertung
abweichen. ELO-Zahlen Stand: Oktober 2006 /
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