TopTurniere Topalov vergibt Elfmeter... ...und schießt danach ins eigene Tor!
24.09.2006 - Das hatte sich Vladimir Kramnik selbst sicherlich nicht träumen lassen, dass er den Führenden der Weltrangliste nach zwei Runden beinahe schon abgehängt haben würde. Objektiv hätte es dazu auch gar nicht kommen dürfen, wenn Veselin Topalov das Geschenk des Russen angenommen hätte. Doch beide übersahen die tödliche Kombination und zu allem Überfluss verlor Bulgariens Schachgenie danach vollends den Durchblick und schließlich sogar die Partie. Natürlich sollte man Topalov noch längst nicht abschreiben, doch wenn er dieses Match wirklich noch umbiegen will, muss er unbedingt versuchen, sein Gefühl für Taktiken wiederzufinden!
Aus der Hauptvariante der
Slawischen Verteidigung heraus setzte Topalov auf einen
Königsangriff, der auch beinahe sein Ziel erreicht hätte. Nach
seinem gestrigen Aussetzer setzte er jedoch heute noch eins drauf
und ließ den glasklaren Gewinn aus. Mit einem Mal hätte seine
Schachwelt wieder in Ordnung sein können, doch es sollte sogar
noch schlimmer kommen. Zielsicher tauschte Kramnik mit
Mehrqualität des Gegners Schwerfiguren ab und schickte sich an,
den a-Bauer durchzudrücken. Nur mit größter Mühe behielt Topalov
eine halbwegs spielbare Stellung auf dem Brett. Doch obwohl
Kramnik an einer Stelle den deutlich schnelleren Gewinn ausließ,
hatte der Bulgare letzten Endes offenbar nicht mehr die Kraft,
genau genug zu rechnen. Möglich, dass es noch Chancen auf ein
Remis gab für ihn, doch Kramnik sah in der Folge schlicht früher,
worum es in dem vorliegenden Endspiel ging und bescherte sich
selbst die komfortable Führung.
Topalov,Veselin (2813)Kramnik,Vladimir (2743)
Fide-Weltmeisterschaft in Elista (2), 24.09.2006 D19
- Slawisch
31...Lxf8??
Dieser schwere Fehler hätte Kramnik umgehend die
Partie kosten müssen. Erzwungen war 31...Kxf8, und nach 32.Dh7 De2
33.Dh8+ Kf7 hätte Schwarz die Wahl gehabt, das Dauerschach zu geben oder
mit 34.Dh5+ Kf8 35.Dxg4 noch etwas zu versuchen. Die einzige Rettung für
Schwarz wäre 35...Lg5 gewesen und nach 36.Te1! Dc2 37.fxg5 oder (37.Dxg5)
ist für Schwarz noch nicht alles ausgestanden, aber aus dem Gröbsten ist
er raus und ein Remis wäre wahrscheinlich gewesen. So allerdings hätte
Topalov leicht gewinnen können, wenn er nicht 32.Dg6+?? sondern
mit noch gut einer halben Stunde auf der Uhr das tödliche 32.Txg4+ Lg7
33.Dc7+- gesehen hätte.
Möglicherweise war ihm
entgangen, dass er nach 33...Df1+ einfach 34.Sg1 nebst glatter
Gewinnstellung spielen konnte. So jedoch wendete sich das Blatt
innerhalb kürzester Zeit, denn Topalov konnte nicht aus seiner Haut und
geriet bei der Suche nach Gewinnoptionen wie schon in der ersten Partie
vom rechten Weg ab... 32...Lg7 33.f5 Te7 34.f6 De2 35.Dxg4 Tf7
36.Tc1?! 36.Dh5! mit der Idee Lh6 und andauerndem Königsangriff
hätte Schwarz tatsächlich nochmals gefordert. 36...Tc2
Schwarz hatte es relativ
einfach. Das Remis war ihm nun gewiß und er konnte risikolos nach mehr
streben. Er brauchte nur zu tauschen, um danach auf seine verbundenen
Freibauern zu setzen. Vielleicht war Weiß hier noch nicht zwingend
verloren, aber bedenklich war seine Lage nun allemal. In der Folge
spielte Kramnik stark, während Topalov die eine oder andere unglückliche
Entscheidung fällte und sich nach und nach den Ball selbst reinmachte...
37.Txc2 Dd1+ 38.Kg2 Dxc2+ 39.Kg3 De4 40.Lf4 Df5 41.Dxf5 exf5 42.Lg5
a5 43.Kf4 a4 44.Kxf5 a3 45.Lc1 Lf8 46.e6 Tc7 47.Lxa3 Lxa3 48.Ke5 Tc1
49.Sg5? Tf1?! Schnell gewinnt 49...Tg1 50.Sf7 b5–+. 50.e7 Te1+ 51.Kxd5 Lxe7 52.fxe7 Txe7 53.Kd6 Te1
54.d5 Kf8 55.Se6+ Ke8 56.Sc7+ Kd8 57.Se6+ Kc8 58.Ke7 Th1 59.Sg5??
Vladimir Kramnik wird den
morgigen Ruhetag völlig entspannt angehen können, während Veselin Topalov
grübeln wird, wie er diese unforced Errors abstellen und an seiner
Konzentration arbeiten kann. An seinen Eröffnungen hat es sicherlich
nicht gelegen, dass er sich mit 0:2 im Hintertreffen befindet.