TopTurniere Chess-Meeting erwacht zum Leben Endlich tolles Schach in Dortmund
04.08.2006 - So hatten wir uns das im Vorfeld gedacht! Eine elitäre Auswahl der Weltspitze trifft sich und spielt gegeneinander bis zum bitteren Ende. In der heutigen fünften Runde beim Dortmunder Sparkassen Chess-Meeting erwachten einige Spieler aus ihrem Sommerschlaf und deuteten endlich mal an, warum wir sie so bewundern. Selbst die Remisen waren von hoher Qualität und die beiden Gewinnpartien ein Augenschmaus. Peter Leko lavierte Levon Aronian mit Meisterhand aus und Boris Gelfand knetete Baadur Jobava in einem schier nicht enden wollenden Damenendspiel weich. Bleibt nur noch, für die beiden letzten Runden zu hoffen, dass die Meister morgen wieder in ähnlicher Manier auftreten und ihren Kritikern endgültig den Wind aus den Segeln nehmen.
Ja, das war heute der Peter Leko, den sich die Fans wünschen! Und
dabei fing alles so scheinbar harmlos an. Überraschend griff Leko mit
Weiß zur Abtauschvariante im Spanier, was nicht gerade dafür bekannt
ist, die schärfsten Stellung aufs Brett zu zaubern, aber das ist ja
sowieso nicht die Vorliebe des Ungarn. Doch was er liebt sind komplizierte
Stellungen, in denen er nach Herzenslust lavieren und tüfteln kann und
genau diesen Gefallen tat ihm heute Levon Aronian. Lange Zeit wirkte es
so, als würden beide nur relativ planlos die Klötzchen hin und her
schieben, dich tatsächlich lauerte Leko nur auf den besten Moment, für
einen Zentrumsvorstoß. Dann ging alles ganz schnell. Aronian versuchte
sich mit einem Bauernopfer im Turmendspiel zu entlasten, doch das
verschlimmerte seine ohnehin prekäre Lage so sehr, dass er bald darauf
das Handtuch warf. Damit übernimmt Peter Leko nun die alleinige
Tabellenführung in Dortmund, während Levon Aronian eher schon um
Schadensbegrenzung bemüht sein muss. Morgen wird es zum Duell mit Peter
Svidler kommen, dem er danach in Mainz herzlich gerne den Chess960
WM-Titel abspenstig machen möchte. Und da morgen mit der Startposition
Nr. 518 schließlich auch eine Chess960 Stellung gespielt werden wird,
sind wir natürlich besonders gespannt auf den Ausgang.
Boris Gelfand - Baadur Jobava 1-0
Die längste Schicht fuhren heute Boris Gelfand und Baadur Jobava.
Ganze 113 Züge lang dauerte die Partie, bis der Israeli russischer
Herkunft seinen georgischen Gegner geschlagen hatte. Dabei hatte es
lange nach einem Remis ausgesehen, bis Jobava im Bauernendspiel
Schwächen offenbarte, die Gelfand eiskalt nutze, um sich in ein
gewonnenes Damenendspiel mit Mehrbauer zu bringen. Doch die Verwertung
war alles andere als trivial und so benötigte er mehrere Anläufe, bis er
zu guter Letzt das gewinnende Manöver fand. Während Jobava nun alleine
das Tabellenende schmückt, zieht Gelfand mit Kramnik gleich auf den 4.
Platz mit minimalen Chancen, sogar noch um den Gesamtsieg zu fighten.
Vladimir Kramnik - Michael Adams 1/2
Vladimir Kramnik eröffnete heute mal mit dem Königsbauer gegen
Michael Adams und als sich dieser Russisch verteidigte, wählte er das
etwas seltener angewandte 5.Sc3. In der Folge behielt der Weltmeister
von 2005 immer einen leichten Vorteil, doch mehr ließ sein britischer
Gegner nicht zu. Nach 41 Zügen einigten sich dann beide auf das Remis.
Mit seinem fünften Remis und zwei Runden vor Ultimo hat Kramnik einen
vollen Zähler Rückstand auf Leko, doch in der letzten Runde wird er
selbst noch auf den Ungarn treffen. Doch momentan scheint es fraglich,
ob er ausgerechnet gegen den besten Verteidiger der Welt gewinnen kann.
Zu harmlos wirkt sein Spiel in Dortmund. Besser sind da noch die
Aussichten für Michael Adams, der mit Naiditsch und Jobava angesichts
seiner Klasse das vergleichsweise einfachste Restprogramm hat.
Arkadij Naiditsch - Peter Svidler 1/2
Zum heutigen Kampfschach-Tag in Dortmund wollte scheinbar besonders
auch Arkadij Naiditsch sein Scherflein beitragen und es gelang ihm.
Zwar blieb ihm der ersehnte erste Sieg im Turnier auch gegen Peter
Svidler verwehrt, doch Arkadij erkämpfte sich immerhin ein Damenendspiel
mit Mehrbauer gegen den Chess960 Weltmeister, in welchem er bis zum 59.
Zug versuchte seinen Gegner auszumanövrieren. Svidler ließ sich jedoch
nicht ins Bockshorn jagen und hatte sich den halben Zähler am Ende des
Tages schwer erarbeitet. Wenn Naiditsch weiter so engagiert zu Werke
geht, müsste sich Caissa bestimmt in den letzten beiden Runden erweichen
lassen und unserem deutschen Vertreter auch mal den vollen Zähler
gönnen.