Nachrichten Kein Italiener stoppt Loek van Wely Niederländer setzt sich gegen Carabinieri und Riff durch / Hattrick beim Kuppenheimer 12-Stunden-Blitz
23.05.2006 - Beim 12-Stunden-Blitzturnier in Kuppenheim hat Loek van Wely erneut seine Klasse unter Beweis gestellt: Beim 18. Sparkassen-Cup lag der niederländische Meister sowohl nach den 49 Partien mit 43 Punkten vorne wie in den anschließenden Play-off-Duellen. Doch auf dem Weg zum Hattrick steckte van Wely häufiger in Schwierigkeiten, als ihm lieb sein konnte – aber weniger in den Partien. Seine schärfsten Widersacher waren einige Italiener, die den Tilburger um Mitternacht aus dem Internet-Raum des Olympischen Dorfes vertreiben wollten. Er nahm 489 Kilometer entfernt von Turin aus über den Server www.schach.de teil. Nichts Ungewöhnliches für ihn, hatte der ehemalige Top-Ten-Großmeister doch im Vorjahr in New York sitzend Platz eins beim Sparkassen-Cup verteidigt.
GM Loek van Wely
Foto: Eric van Reem
Die zunächst hartnäckigen
Gastgeber der Schach-Olympiade in Turin hielt der schlagfertige van Wely
bis 3.30 Uhr bei Laune. „Die Carabinieri wollten schon schießen“, ulkte
der Spaßvogel und setzte fort, „dann schauten mich die Polizisten
bedenklich an, ehe sie sich unter Katzenjammer verzogen.“ Eine kleine
Bestechung hilft im italienischen Sport immer: „Ich habe allen eine
Einladung in die Bar versprochen, wenn ich das Turnier gewinnen sollte“,
berichtete der 33-jährige Schelm. Die Einladung steht nun aus, obwohl
der Mannschafts-Europameister nach zehn Stunden eine weitere kritische
Situation zu überstehen hatte. Just als sich der Topfavorit mit dem
Franzosen Jean-Noel Riff ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferte, brachen die
Leitungen in der Wörtelhalle zusammen. Rund 45 Minuten dauerte es, bis
van Wely wieder online spielen konnte. Dank einer längeren Pause verlor
der Führende nur zwei Partien kampflos gegen Karl Muranyi und
ausgerechnet Riff.
Weil der Titelverteidiger
zu diesem Zeitpunkt aber schon eine Hand voll Punkte mehr als der Fünfte
auf seinem Konto verbucht hatte, fiel dies kaum ins Gewicht. Schließlich
qualifizierten sich vier der 74 Teilnehmer für die Play-offs. Nach der
Vorrunde (24:1 Punkte) wie nach weiteren 23 Partien in der A-Gruppe lag
van Wely mit insgesamt 43:5 Zählern in Front. Riff kam auf 41,5 Punkte,
dahinter folgten Yannick Gozzoli (39) aus Marseille und der Eppinger
Bundesligaspieler Maximilian Meinhardt (38,5) vor den Franzosen Cyril
Marzolo und Patrice Lerch (je 37,5). Überraschend chancenlos blieben die
beiden Großmeister Wladimir Gurewitsch (Bochum/35) als Neunter und
Michail Iwanow (Bad Mergentheim/30,5) auf Rang zwölf.
Im Halbfinale schaltete
van Wely nach einem Remis Meinhardt mit 1,5:0,5 aus. Im Endspiel
unterlag Riff trotz einer Führung mit 1:2. Zuvor hatte der französische
IM gegen IM Yannick Gozzoli dreimal remisiert. Weil Riff in der Gruppe A
Platz zwei vor seinem Freund und Trainingspartner belegt hatte, reichte
ihm das dritte Unentschieden. In der dritten Final-Partie musste dann
aber Riff unbedingt ein Remis vermeiden, weil ansonsten die 1.000 Euro
(inklusive eines Chessbase-Softwarepakets) an den Vorrundensieger
gefallen wären. Die dritte Partie verlief jedoch einseitig zugunsten van
Welys. Erfrischt durch den Hattrick nahm er all die Aufregung mit Humor:
„Etwas mehr Spannung war gut für das Kuppenheimer Blitzturnier!“
Das Lächeln der Sieger:
Jean-Noel Riff, Yannick Gozzoli, Maximilian Meinhardt (von links
nach rechts). Foto: Hartmut Metz
Mit der Teilnehmerzahl
zeigte sich Rochade-Präsident Alexander Hatz unzufrieden. Einst
pilgerten bis zu 159 Spieler nach Kuppenheim. Der Negativrekord von 72
Startern in der Geschichte des Sparkassen-Cups wurde am Freitagabend nur
dank zweier Akteure mehr vermieden. Dennoch lag der Preisfonds wieder
bei fast 3.000 Euro. Ein Drittel davon verleibte sich van Wely ein, der
sich am Sonntag gut erholt von dem zwölfstündigen Marathon-Kampf am
Brett und gegen die Carabinieri zeigte. Zum Auftakt der Schach-Olympiade
in Turin verfolgte der niederländische Spitzenspieler das 4:0 des
Europameisters über die Färöer-Inseln. Ein Italiener hatte ihn aber doch
während der Blitz-Nacht ausgebremst. Der befand sich aber
glücklicherweise in Kuppenheim: Pedro Pace aus Mailand schlug im fünften
Durchgang als einziger in der Vorrunde den Weltranglisten-52. Danach
wusste allerdings van Wely, wie man sich aller Attacken der Mannen vom
Stiefel erwehrt...
Hartmut Metz
Endstand nach 48
Runden, Gruppe A:
1. Loek van Wely
(Niederlande) 43 Punkte,
2. Jean-Noel Riff 41,5,
3. Yannick Gozzoli (beide Frankreich) 39,
4. Maximilian Meinhardt (Eppingen) 38,5,
5. Cyril Marzolo, Patrice Lerch (beide Frankreich) je 37,5,
7. Karl Muranyi, Ahmed Wahedi (beide Nied) je 37,
9. Angelo Damia (Italien), Wladimir Gurewitsch (Bochum) je 35,
11. Josef Gheng (Böblingen) 33,5,
12. Michail Iwanow (Bad Mergentheim), Anatoli Dontschenko (Sömmerda)
30,5
14. Jochen Wege (Nied), David Ortmann (Böblingen) je 30,
16. Vladimiro Paleologu (Schweiz) 28,5,
17. Frank Bellers (Rhede) 25,5,
18. Alain Genzling (Frankreich), Eric Lutz (Gernsbach) je 25,
20. Pedro Pace (Italien) 24,
21. Thomas Ahner (Lindenberg), Arnaud Helstroffer (Frankreich), Frank
Drill (Raunheim) je 22,
24. Efim Brants (Karlsruhe) 21,5.