28.12.2004 - In den angelsächsischen Ländern gilt der zweite Weihnachtsfeiertag
als "Boxing Day" - der Tag, an dem Weihnachtsgeschenke infolge
Nichtgefallens wieder umgetauscht werden. Als Alexander Morozevich beim
Corus-Turnier 2001 in Wijk aan Zee am 17. Januar 2001 gegen Michael Adams antrat, war der "Boxing
Day" zwar schon lange vorbei, doch Geschenke konnten immer noch gemacht
werden.
Michael Adams
So entschloss sich Morozevich mit Weiß das Evans Gambit zu spielen,
wie es in der romantischen Phase des Schachs in den Tagen von Morphy,
Andersen und Blackburne öfters zelebriert wurde.
Anhänger des modernen Schachs behaupten, dass das Evans Gambit
heutzutage nicht mehr auf Top-Turnier-Niveau gespielt würde. Alexander
Morozevich entschloss sich, diese These zu widerlegen, und Michal Adams
entschloss sich, den Gambit-Bauern im Sinne eines Geschenkes anzunehmen.
So entwickelte sich ein abwechslungsreiches taktisches Spiel.
Als Morozevich mit Weiß dann 26. Lc3 (siehe Diagramm) zog und damit den drohenden
Materialgewinn (Te1) abzuwenden gedachte, wurde er iin den
Augen von Adams plötzlich zu einem sympathischen Menschen - genau wie es
von Francois de La Rochefoucaulds treffend postuliert wurde: "Wir finden
im Umgang mit den Menschen öfter Anklang durch unsere Fehler, als durch
unsere guten Eigenschaften".
Alexander Morozevich - Michael
Adams, Corus 2001. Position nach 26. Lc3
Michael Adams (Schwarz) nahm dieses Geschenk an (wie?) und stellte im nächsten
Zug den verdutzten Morozevich vor die Wahl, entweder die Dame zu
verlieren oder Matt zu werden. Morozevich konnte sich mit keiner der Alternativen so richtig
anfreunden und gab konsequenter Weise vorher auf.