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OSC Baden-Baden punktet wieder voll
Porz und Bremen trennen sich friedlich 4:4 und helfen dem Tabellenführer
13.03.2006 - "Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss": heisst es in der Reitersprache und "Barren" kommt beim Bundesligateam von der Oos nicht in Frage. Trotzdem gewinnt der fortgeschrittene Kenner der Bundesligaszene den Eindruck, dass die Maxime des OSC Baden-Baden ähnlich ökonomisch wie bei den berühmten Fussballclubs von AC Mailand, FC Barcelona oder FC Bayern München gestaltet ist. Nicht immer schön anzuschauen, aber absolut effektiv, ein Qualitätsmerkmal, das zum Erfolgsfaktor Nr.1 werden kann. Unter den Augen des Vorstandsvorsitzenden des Sponsors GRENKELEASING AG, Wolfgang Grenke, löste das Team um Mannschaftsführer Sven Noppes seine Aufgabe letztendlich sicher und keineswegs "nur" glücklich, wie es meist von den Gegnern kolportiert wird. Ein profunder Kenner der Schach- und Sportszene umschrieb das fortgesetzte Jammern und Gezeter der geschlagenen Gegner zutreffend mit folgendem Satz:"Wichtig bei einer Schachpartie oder Wettkampf ist nur, dass am Schluss die Null für den Gegner steht". Alles andere sind billige Ausreden oder hilflose Erklärungen die im Sport nichts zu suchen haben, auch nicht beim Schach".

Die Schachfreunde aus Heidelberg-Kirchheim waren zum zweiten Mal hervorragender Ausrichter eines spannenden Bundesliga Wochenendes, an dem es die Reisepartner aus Baden-Würtemberg mit den Berliner Vereinen von Kreuzberg und dem vormaligen Neuköln, jetzt Schachfreunde Berlin von 1903 zu tun bekamen. Die Rollenverteilung war klar, die Baden-Badener kämpften um die Meisterschaft und die Kirchheimer um das nackte Überleben in der Liga. Für die Berliner Clubs ging es mehr oder weniger nur noch um den "Spaß an der Freud" - einmal konnte man den Großkopferten aus Baden-Baden ein Bein stellen auf dem Weg zum Schachhimmel und zum zweiten konnte man das Zünglein an der Waage spielen, wenn es darum ging den Weg den Kirchheimern in die Hölle der 2.Bundesliga zu bahnen.

Gesagt, getan, die Schachfreunde aus Berlin zeigten gegen das klar favorisierte Team aus Baden-Baden "Steherqualitäten" und verlangten dem Titelanwärter alles ab, besonders nach der sehr überraschenden Niederlage von Peter Heine Nielsen gegen IM Stephan Berndt nach einem deutlichen Memoryfehler. Der mit Elo 2803 ab dem 1.April in der Fide-Liste stehende Inder Viswanathan Anand hatte seine liebe Mühe gegen den "brutal" mit Weiß auf Remis spielenden Berliner Spitzenmann Miroshnichenko im Spiel zu bleiben und nicht gar noch letztendlich zu überziehen oder ausgekontert zu werden. Nachdem starken Auftritt von Sergej Movsesian gegen Dr. Martin Borriss mit einem glatten Start-Ziel-Sieg - im Vorjahr gab es zwischen den beiden Spielern schon eine spektakuläre Partie, die eigentlich der Berliner hätte gewinnen müssen - hellten sich die Mienen der Ooser Verantwortlichen auf. Unspektakuläre Remis zwischen Dautov und Poldauf, beziehungsweise Buhmann und Thinius wurden durch die gewinnträchtigen Positionen von Shirov gegen Polzin sowie Döttling gegen Rudolf deutlich aufgewertet. Schließlich gingen beide Partien verdient an die Ooser und es blieb "Mr.Bundesliga himself" Philipp Schlosser vorbehalten beim Stande von 4,5:2,5 seine Gewinnversuche bis zum Allerletzten auszureizen - mit nur noch 35 zu 41 Sekunden auf der Uhr einigte man sich auf remis, wobei der Berliner Lars Thiede nur noch die blanke Dame hatte und Philipp Schlosser einen Turm gepaart mit einem einzugsbereiten Bauern auf der 6.Reihe. 5:3 lautet schließlich das Endergebnis.

Auf der anderen Seite hatte Kreuzberg ziemlich humorlos die tapfer kämpfenden Kirchheimer mit 6:2 abgeledert. Nur dem in Kirchheimer Diensten stehende Ungar Janos Tompa gelang es den vollen Punkt gegen Jens-Uwe Maiwald zu machen, Wintzer und Zuse machten noch je zwei halbe Punkte gegen Lau und Löffler. Dem gegenüber standen die vollen Erfolge der Kreuzberger Spitzenbretter Almasi, Socko und Romanishin ergänzt durch die Siege von Kalinitschev und IM Karsten Volke. Erfreulicher Höhepunkt des Spieltags bildete bereits im Spielsaal, beziehungsweise beim Abendessen dann die Kunde über das Unentschieden der Verfolger aus Porz und Bremen, die damit das Wunschergebnis der Baden-Badener unabsichtlich fabriziert hatten. Jetzt galt es erst recht, besonders aufmerksam und engagiert gegen die Kreuzberger zu agieren.

Die Hauptakteure Viswanathan Anand gegen Zoltan Almasi (Brett 1) und Alexej Shirov gegen Bartosz Socko (verdeckt, Brett 2) im Einsatz, als interessierter Zuschauer im Hintergrund Wolfgang Grenke (Dritter von rechts)

Am Sonntagmorgen stand die 13.Runde auf der Tagesordnung und für die Baden-Badener stand mit Kreuzberg ein unangenehmer Gegner der nichts mehr zu verlieren hatte auf der Liste. Einfach und unspektakulär 4,5 Punkte machen war die Aufgabe. Insgesamt war nach zwei Stunden alles bestens im Plan. Mit gut stehenden Partien an Brett 1 Anand gegen Almasi - die Berliner Verteidigung der Spanischen Partie stand wieder einmal auf der Tagesordnung - und an Brett 5 Dautov gegen Kalinitschev gab es einen deutlichen Vorteil zu Gunsten der Ooser. Alle anderen Partien waren in der Remisbreite außer dem Tatbestand, dass Fabian Döttling nach seinem 12.Zug nur noch 17 Minuten und 51 Sekunden auf der Uhr hatte. "Ja, spinnt denn der" kreideten die Ooser Fans diese Konstelletion als puren Leichtsinn dem angehenden Lehrer an. Insgesamt überwog aber die Zuversicht bei Sponsor Wolfgang Grenke und Mannschaftsführer Sven Noppes und das Vertrauen in die Spielstärke des eigenen Teams, vor allem, wenn es in der vierten und sechsten Stunde so richtig zur Sache geht. Tatsächlich bezwang nach wechselhaften Verlauf dann der mutige Sergej Movsesian den unglücklich agierenden Jens-Uwe Maiwald und brachte den Meisterkandidaten Baden-Baden in Führung. Alle anderen Partien endeten Remis, wobei das Spitzenbrett Anand sichtlich unzufrieden mit dem Ergebnis wirkte und auch der gutstehende Rustem Dautov ein bisschen dem verpassten Gewinn nachtrauerte. Doch die 4,5 Brettpunkte und die zwei Mannschaftspunkte ließen die persönliche Enttäuschung bei den Beiden schnell vorüber gehen. Der Baden-Badener Express ist auf dem richtigen Weg und wird sich sicher am Schlußtag den verdienten Lohn nicht mehr entreißen lassen, zumal die in Linares tätigen Topspieler Svidler, Bacrot und Vallejo Pons nach dem Turnier in Monaco wahrscheinlich wieder zur Verfügung stehen werden.

Die Kirchheimer bäumten sich im Parallelkampf gegen die Schachfreunde aus Berlin noch einmal gewaltig auf, standen aber nach der unglücklichen 3,5:4,5 Niederlage mit leeren Händen da und müssen wohl wieder in die 2.Liga. Der Gewinnpartie von Dr.Adler gegen Rudolf standen die Verlustpartien von Wippermann gegen Mirosnichenko und Zuse gegen Thinius gegenüber. Alle anderen Partien endeten nach zähem Kampf remis. Schade ist der Abstieg vor allem für die aufopfernd arbeitenden Organisatoren und die wirklich hervorragende Präsentation im Kirchheimer Gemeindehaus. Mit einem herzliches Dankeschön verbunden mit dem Zuruf: "Kommt bald wieder" sehen wir uns auf jeden Fall beim finalen Wochenende am 1. und 2.April im Internationalen Club in Baden-Baden, Lichtenthaler Allee Nr.8.

Brett 1 & 2 = Die unbesiegbaren Elo-Riesen


GM V. Anand, Elo 2792 (+2 / =4 / -0) & GM A. Shirov, Elo 2709 (+5 / =3 / -0)

Brett 3 & 4 = Die lächelnden furchtlosen Kämpfer


GM P. H. Nielsen, Elo 2644 (+3 / =4 / -1) & GM S. Movsesian, Elo 2632 (+6 / = 3 / -0)

Brett 5 & 6 = Die solide deutsche Mittelachse


GM R. Dautov, Elo 2581 (+3 / =8 / -2) & GM P. Schlosser, Elo 2560 (+10 / = 2 / -1)

Brett 7 & 8 = Die jungen Wilden aus Baden-Würtemberg


IM R. Buhmann, Elo 2546 (+4 / =2 / -3) & GM F. Döttling, Elo 2542 (+4 / = 4 / -2)

Frauen Power in Heidelberg-Kirchheim


Kirchheimer Mannschaftsführerin Beate Krum & Annette Busch

Verantwortlicher Ooser Mannschaftsführer und der genießende Ruheständler - am 1.April 2006 wird er wieder in die Schacharena Bundesliga zurückkehren beim Finale des OSC in Baden-Baden!


Sven Noppes & Thilo Gubler / Chess Tigers par Excellence

Der Anfang des vorabendlichen Stategiemeetings - Alles was stark und erfolgreich macht ist angesagt!

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte... .

Das traditionelle Abendmahl - ein Ritual mit meisterhafter Wirkung?

Hans-Walter Schmitt

Published by Hans-Walter Schmitt

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