Nachrichten Rybka - Der neue Stern am Schachenginehimmel
25.02.2006 - Rybka ist das Beste, was die Schachwelt auf diesem Planeten bis heute jemals auf ihren PCs gesehen hat. Mit 2891 ELO besser als Kasparov und Topalov(*), zeugt Rybkas Spiel von tiefgründigem positionellem Verständnis.
Kleiner Exkurs in die Schachprogrammhistorie
Börries Wendling
Die Anfangszeit der Schachprogrammierung war stark materiell geprägt,
die Evaluierungsfunktionen klein. Die Programme nahmen begierig jeden
geopferten Bauern, und bemerkten die Misere meist erst, wenn es zu spät
war. Ebenso konnten sie geschlossene Stellungen nie richtig verstehen,
und begannen irgendwann, mangels eines schachlichen Plans, aus
Langeweile ihren König hin- und herzuschubsen. Wären sie nicht wahre
Taktikmonster gewesen, hätte sie niemand ernst genommen. So konnten sie
gegen Menschen wenigstens die ein oder andere Partie gewinnen.
Im Computerschach Computer gegen Computer ging es in vielen Jahren
hauptsächlich darum, den Programmablauf zu optimieren und auf immer
schnellerer Hardware zu spielen. Nur wenige Programmierer verfolgten den
"Botwinnik-Ansatz", Schach zu allererst als eine Kunst anzusehen. Einer
davon war
Ed
Schröder mit dem spielstarken Rebel (jetzt Freeware als
Pro Deo).
Schöner Schach spielen mit Rybka
Hier kommt Rybka
ins Spiel, programmiert von dem Ungarn Vaclav Rajlich. Für ihn gibt es
nur einen Weg zu einem erfolgreichen Schachprogramm: Es muß eine
Stellung positionell verstehen, d.h. alle Schachkonzepte wie
Bauernformationen, offene Linien, Initiative, Königsangriff etc.
differenziert abwägen und bewerten können. Im positionellen Spiel gibt
es so gut wie keine materiell meßbaren Unterschiede, und in der genauen
Bewertung dieser feinen Unterschiede brilliert Rybka.
Sehen wir uns als Beispiel Rybka gegen Gandalf an, gespielt Ende
Dezember 2005 während der 15. International Paderborn Computer Chess
Championship (IPCCC).
Das Weltmeisterprogramm
Shredder
sieht die abgebildete Stellung (nach dem 9. Zug von Schwarz) übrigens
als ausgeglichen an.
FEN: r2qk2r/pp1nbppp/2p1p3/3pPn2/P2P4/2NQ1N2/1PP2PPP/R1B2RK1 w kq a3
1 10
10. g4!
Momentan ist es in der Schachcomputerszene sehr
langweilig geworden.
Rybka, Rybka, Rybka und nochmals Rybka. - Ja, man sollte diesen Herrn Rajlich
bestrafen, weil er sich einfach erdreistet hat, solch ein starkes
Schachprogramm zu schreiben, ohne die anderen Programmierer vorher um
Erlaubnis zu bitten. ;-)
Kommentar aus dem Diskussionsforum "Schachwerkstatt"
Während andere Schachprogramme in den letzten 10 Jahren gelernt
hatten, die eigenen Bauern vor dem rochierten König möglichst nicht zu
bewegen (Thema Königssicherheit), entfacht Rybka aus heiterem Himmel mit
seinen f- und g-Bauern einen Bauernsturm und erdrückt Schwarz innerhalb
weniger Züge:
Wer mit Rybka auf seinem Rechner spielen will, benötigt zusätzlich eine
Benutzeroberfläche (GUI). Eine bekannte Freeware-Chess-GUI ist
Arena.
Aber auch viele kommerzielle Schachprogramme können andere Engines
laden. So steht dem heimischen Spielspaß nichts mehr im Wege.
(*): 2891 ELO laut
CEGT, +40, -39 Elo Abweichung nach 275 Partien auf 64-Bit PCs.
Kasparov hatte in Bestzeiten eine Elo von 2851. Es wird vermutet, daß
einzig Hydra (Supercomputer, 64 Xeons) eine ELO über 3000 hat, jedoch
ist dies bisher nicht bestätigt.
Peter Svidler (rechts) spielt gegen "The Baron"
von Richard Pijl (links)