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In Zeitnot: Hofheim I muss Aufstiegschancen zur ersten Bundesliga begraben
03.02.2006 - Der Tabellenerste Remagen war in Runde 5 unser Gegner. 8:0 Punkte gegenüber unseren 6:2! Unsere Siege hatten wir zwar bis dahin ziemlich sicher eingefahren. Und auch beim bisher einzigen Verlust gegen Emsdetten war eigentlich mehr drin gewesen. Angesichts der Brettpunkte konnte allerdings nur ein Sieg gegen Remagen unsere Wiederaufstiegs-Ambitionen aufrecht erhalten.

Remagen trat ohne die beiden Spitzenbretter Ivanchuk (Wijk aan Zee) und Fressinet an, spielte aber ab Brett 3 mit der sehr starken Stammbesetzung, während wir leider auf Jörg Hickl verzichten mussten.

Gennadi Ginsburg (links) - Alexei Shirov (rechts)

Die ansonsten eher ruhig und nichtssagende erste Spielstunde brachte gleich ein Problem bzw. eine Herausforderung: In Gennadi's Drachen nach Najdorf-Art, also mit a6 und Sbd7, war irgend etwas schief gegangen.

Sein Gegner GM Goloshschapov gewann mit einem Zwischenzug einen Bauern und eine Qualität, ohne dass Gennadi ersichtliche Kompensation vorweisen konnte.

Ein Glück, dass es ihm gerade noch gelang, dem Damentausch auszuweichen.

An den anderen Brettern war bis dahin nichts wesentliches passiert. Einigen vorteilhaften Partien, z.B. Dennis' oder Stanislav's klaren Endspielvorteilen gegen GM Degraeve, standen ein paar nachteilige Stellungen gegenüber, z.B musste Stephan im frühen Mittelspiel mit seiner modernen Verteidigung um Ausgleich kämpfen, während bei Patrick eine Abwicklung misslang und ihm einen hässlichen Doppelbauern einbrachte. Arno hatte in einem Scheveninger Sizilianier deutliche Vorteile gegen GM Mainka zu verzeichnen.

Die Stellung von Sergey war dagegen schon aus der Eröffnung heraus völlig unklar, nachdem GM Popovic eine seltene Fortsetzung gewählt hatte. In der hoch theoretischen Abtauschvariante im Grünfeld-Inder war nicht klar, ob die Kompensation für den geopferten Bauern ausreichend war, oder vielleicht sogar vielversprechend. Ich selbst wurde in einer eher harmlos anmutenden italienischen Partie mit einem drohenden Königsangriff konfrontiert. Ob mein Gegenspiel im Zentrum das Gleichgewicht aufrecht erhielt oder nicht, war mir aber nicht klar.

Bis dahin also ein völlig offener Mannschaftskampf. In der Zeitnotphase lief dann aber (fast) alles gegen uns.

Fast alles, denn zunächst konnte Gennadi nachweisen, dass Leichtfiguren auch ihre Vorteile haben, wohl mit etwas Hilfestellung seines Gegners. In seinem Drachen gab es nur eine offene Linie, die a-Linie, die er mit Turm und Dame besetzte. Die weißen Schwerfiguren wurden nicht so effektiv eingesetzt, so dass Gennadi die Partie in Zeitnot durch einen Königsangriff gewann.

IM Arno Zude

In Sergey's Partie war immer noch nichts klar, hier einigte man sich auf Remis, bevor es hektisch wurde. In meiner Partie entschied ich mich schon bei 30 Minuten Restzeit, etwas schneller zu spielen, allerdings konnte ich trotzdem den einen oder anderen Fehler nicht vermeiden. GM Belkhodja retournierte jedoch jeweils, so dass das letztendliche Remis wohl in Ordnung geht. Dass ich zwischenzeitlich sehr aussichtsreich gestanden hatte, begriff ich erst zuhause.

Durch "Zeitnot-Vermeidungspolitik" also 2 halbe Punkte.

Dort, wo es dann hektisch wurde, lief es dann aber uneingeschränkt schlecht für uns. Dennis hatte zwischenzeitlich eine klare Gewinnstellung gegen IM Schulz, verpasste aber im inzwischen allgemein einsetzenden Zeitnotgetrommel die richtige Fortsetzung und musste sich mit Remis begnügen.

IM Yuri Boidmann

Stephan hatte inzwischen für das Linsengericht eines Bauern den starken Druck von IM Grund abgeschüttelt und selbst Initiative am Königsflügel entwickelt.

Leider waren in der kritischen Stellung 10 Minuten zu wenig Zeit um herauszufinden, dass trotz schwacher gegnerischer Königsstellung die Damen getauscht werden mussten, mit gewinnverheissendem Vorteil im Endspiel. Wie es lief, ist der IM noch einmal ins Remis entwischt.

Ebenfalls schlecht lief es bei Patrick. IM Boidman hielt seinen Vorteil fest, bis Patrick den Damentausch auf dem falschen Feld zuließ. Im Endspiel war dann nichts mehr zu machen. Noch schlimmer erwischte es Arno. Er hatte seinen Vorteil konsequent ausgebaut und hätte mit etwas (mehr) Zeit auf der Uhr bestimmt gewonnen. Stattdessen entschied im 39. Zug das Plättchen. Auch Stanislav bekam die Uhr nicht unter seine Kontrolle und verspielte ein aussichtsreiches Endspiel letzlich zum Remis.

Das Ergebnis von 3,5 : 4,5 spiegelt auch den Spielverlauf wider. Alles war möglich! Das nächste Mal sollten wir aber in Zeitnot wieder glücklicher agieren. Oder am besten gar nicht erst in Zeitnot kommen! Gut Zug braucht Weile!

Für diese Saison ist damit das Thema Wiederaufstieg leider abgehakt. Es geht jetzt zunächst um den Klassenerhalt.

Da wir aber schachlich bisher eher souverän agiert haben und auch im direkten Vergleich mit der Tabellenspitze gut mithalten konnten, können wir die restlichen Mannschaftskämpfe aus einer Position der Stärke angehen.

SC 1950 Remagen

4½- 3½ SV Hofheim
GM Degraeve,Jean 0,5 - 0,5 GM Savchenko,Stanislav
GM Goloshchapov 0 - 1 IM Ginsburg,Gennadi
GM Popovic,Petar 0,5 - 0,5 IM Krivoshey,Sergej
GM Belkhodja,Sli 0,5 - 0,5 FM Zude,Erik
GM Mainka,Romual 1 - 0 IM Zude,Arno
Grund,Holger 0,5 - 0,5 FM Buchal,Stephan
IM Boidman,Yuri 1 - 0 FM Burkart,Patrik
IM Schulz,Klaus-J. 0,5 - 0,5 Drollinger,Dennis

Erik Zude

Published by Gerhard Kenk

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