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Bundesliga: OSC Baden-Baden marschiert
Solingen und Wattenscheid in Heidelberg-Kirchheim ohne echte Chance
29.01.2006 - Das reduzierte A-Team aus Baden-Baden hatte keine große Mühe die neu erstarkten Solinger und das spielstarke Wattenscheider Team auch ohne die in Wijk aan Zee tätigen Viswanathan Anand und Etienne Bacrot, bzw. dem in Gibraltar spielenden Alexej Shirov in Schach zu halten. Allerdings war der Auftakt gegen das von GM Artur Jussupow angeführte Solinger Ensemble ein bisschen holprig, hatte doch Dr. Robert Hübner gegen Christian Gabriel nach 12 Zügen aufgeben müssen. Im Sonntagsspiel überrollten dann die Ooser die Wattenscheider und bleiben weiter an der Tabellenspitze der 1.Bundesliga.
OSC Baden-Baden - SG Aljechin Solingen 5 - 3

8.Spieltag

Am Spitzenbrett: Peter Svidler gegen Artur Jussupow, SG Solingen - OSC Baden-Baden

Kaum angekommen im Gemeindehaus des Veranstalters Kirchheim zum 8.Bundesligaspieltag gab es den ersten großen Aufreger für die Fans des Baden-Badener OSC. Dr.Robert Hübner und Christian Gabriel diskutierten über ihre zwölfzügige Partie. "Frechheit" hörte man die Zuschauer schimpfen. "Diese kurzzügigen Remis machen das ganze Schach kaputt", wurde weiter lamentiert. Bis dann der Schiri die verdutzten Zuschauer aufklärte, dass der große deutsche Vorkämpfer Doc Hübner mit einem "Variantendreher" die Qualität eingestellt hatte und unverzüglich sich gezwungen sah, aufzugeben! Ach so, murmelten die Zuschauer, dann ist ja alles okay und das Baden-Badener Starensemble lag 0:1 hinten - solch schöne Geschenke kann man nicht ablehnen kommentierten die Solinger den schnellen unverhofften Punktgewinn.

Christian Bossert & Sven Noppes vom OSC Baden-Baden

Der Mannschaftsführer der Ooser Sven Noppes schaute schon ein wenig verlegen, so als wüsste er nicht ganz genau, wie stark sein Team heute sein würde. Hinzu kam, dass an keinem Brett sich auch nur ein glitze kleiner Vorteil abzeichnen sollte, nur Peter Heine Nielsen hatte die Kopie der Partie Karjakin - Anand von Wijk aan Zee auf dem Brett, die wirklich zur Hoffnung Anlass gab. In den Baden-Badener Weißpartien Movsesian gegen Naumann und Vallejo Pons gegen Nikolic sah es recht früh remislich aus - Movsesian und Naumann einigten sich gütlich remis und Peter Heine Nielsen gwann seine Superpartie. Alle anderen Partien standen leicht besser, bis auf die Partie des Chess960-Weltmeisters Peter Svidler gegen den Chess Tigers Universität Professor Artur Jussupow. Hier gaben die Experten dem Solinger Spitzenbrett in der Bewertung den Vorzug und selbst Peter Svidler schien richtig unzufrieden über das Erreichte in seinem Königsinder.

GM Artur Jussupow

Als dann in der vierten Stunde sich an fast allen Brettern Zeitnotschlachten abzeichneten, verfinsterten sich die Mienen der Baden-Badener Verantwortlichen zusehends, als Pako in eigener horrender Zeitnot gerade noch rechtzeitig sein Remisangebot abfeuerte und Predrag Nikolic wohlwollend akzeptieren musste. Der unglückliche Fabian Döttling musste nach Rekonstruktion der Partie feststellen, dass durch einen doppelt aufgeschriebenen Zug nur 39 Züge gespielt waren, also 2:3 gegen Baden-Baden. Es roch schon wieder einmal nach Sensation in dieser Bundesligasaison. Gegen Eppingen, Tegernsee, Mühlheim und Katernberg hatte man auch ein wenig zittern müssen und die angefressenen Gegner sprachen oft von "Glück", aber wenn man solche Spiele in der Saison mehrmals erfolgreich besteht, kann man nicht nur von Glück sprechen, sondern man muss dem Team eher Wettkampfhärte und Nervenstärke konstatieren - der Berichterstatter sah auf jeden Fall keinen Anlass seinen Tipp von 5:3 für die Ooser zu korrigieren.

Der Weltranglistendritte Peter Svidler ELO 2765

Mittlerweile hatte sich die Partie am Spitzenbrett zu Gunsten von Peter Svidler entwickelt, die er dann auch technich brillant abwickelte mit Läufer und Springer gegen Artur Jussupows Turm bei jeweils 5 Bauern. Der freie e-Bauer des Schwarzen war unstoppbar und sein Pendant auf der h-Linie nichts wert, bon. Nachdem dann auch noch der Top-Scorer der Badener Phillipp Schlosser (7 aus 8 Partien, kein Remis!) seine Partie souverän nach Hause gebracht hatte, stand es erstmal 4:3 und der in Westerburg im Westerwald lebende Rustem Dautov blieb die Aufgabe gegen IM Michael Hoffmann zu vollenden. Nach weiteren 30 Minuten stellte der Solinger IM Hoffmann in hoffnungsloser Stellung seine Bemühungen ein. Fazit: Auf die Jungs von der Oos kann sich der OSC-Chef Helmut Zanner voll verlassen, sehr zur Freude des engagierten CEO Wolfgang Grenke vom Sponsor GRENKELEASING AG. Mit dem Restprogramm Wattenscheid, Bremen, Hamburg, Kreuzberg und Porz warten natürlich noch dicke Brocken, aber bei der spielerischen Power und dem in den letzten Jahren etwas vermissten Quentchen Glück, sollte der Meistertitel nach zwei knapp gescheiterten Anläufen dieses Jahr doch wohl gelingen.

SV Wattenscheid - OSC Baden-Baden 3 - 5

9.Spieltag

Top-Scorer aus Baden-Baden GM Philipp Schlosser mit 8 aus 9 - kein Remis! Im HIntergrund: GM David Baramidze & Fabian Döttling

Gegen den SV Wattenscheid gingen die Baden-Badener konzentriert zur Sache. Wie wenn sie ihrem Mannschaftsführer Sven Noppes einen zitterfreien Sonntag zur Entschädigung bescheren wollten, ließen sie von Anfang an keinen Zweifel am Ausgang der Begegnung aufkommen. Ausgerechnet der Ex-Wattenscheider Peter Heine Nielsen eröffnete den Reigen mit einem fullminanten Sieg gegen Frank Holzke. Auf dem Fuße folgend ließ der Top-Scorer im Ooser Team, GM Philipp Schlosser mit einem Kurzsieg seinem Gegner IM Timo Straeter keine Chance. Mit dem Weißremis von Peter Svidler und dem Schwarzremis von Movsesian war dann die halbe Ernte in der Scheuer. Einen weiteren Unfall in seiner Partie leistete sich der Doktor im Team Robert Hübner, mit einem vermeidbaren Weißverlust gegen IM Ralf Appel. Das rabenschwarze Wochenende wird aber sicher für den deutschen Vordenker in Sachen Schach einmalig bleiben. Immer wieder Aufstehen heisst da die einzige Devise. Gilt für Weltmeister und Großmeister, wie für Kreismeister gleichermassen. Mit zwei ungefährdeten Remis sorgten danach die beiden Schwarzbretter Dautov und Döttling für die beruhigende 4:3 Führung, wobei es klar war, dass (Pako) Francisco Vallejo Pons gegen den Wattenscheider GM Alexander Rustemov nur noch die Frage zu beantworten hatte, wie hoch das Ergebnis ausfällt. Letztendlich gab es dann das zweite 5:3 im schönen Ort Kirchheim bei Heidelberg.

GM Rustem Dautov

Damit bleibt der Baden-Badener Supertanker weiterhin auf strammem Meisterkurs. Ohoi, möchte man den Badener zurufen, wenn sie an den Spieltagen 10 & 11 die Nordlichter Bremen und Hamburg in stürmischer See vor den Bug bekommen. Noch ein wichtiges Wort in der Sache der Zuschauer: die Kirchheimer hatten den Event super organisiert und die Live-Übertragung lief reibungslos, ein vorbildliches Verhalten zeigen auch die Verantwortlichen bei den Reisepartnern Kirchheim und Baden-Baden, indem man sich gegenseitig hilft bei der Live-Übertragung. GRENKE LEASING stellt das Material und die Kirchheimer geben ihr excellentes Know How dazu und schon hat man vier Live-Übertragungen in der Saison gesichert. Offensichtlich ist aber die Schach-Bundesliga nicht in der Lage von allen vier Spielorten Live-Übertragungen zu organisieren, geschweige denn einen Bundesliga-Sponsor zu finden, der die Kosten für die technischen Dinge abzudecken versteht und dazu noch einen Batzen Geld dazu geben würde für die fläschendeckende weltweite Promotion der stärksten Schachliga der Welt. Wir bitten alle Verantwortlichen einmal nachzudenken, ob es nicht doch möglich ist an vier Veranstaltungsorten jeweils 16 Bretter zu übertragen. Wenn den Verantwortlichen überhaupt nichts einfällt, fragt doch mal nach bei den Chess Tigers!

OSC Baden-Baden 5 - 3 SG Aljechin Solingen
Svidler, Peter 1 - 0 Jussupow, Artur
Vallejo Pons, Francisco 0,5 - 0,5 Nikolic, Predrag
Nielsen, Peter Heine 1 - 0 Baramidze, David
Movsesian, Sergey 0,5 - 0,5 Naumann, Alexander
Dr.Hübner, Robert 0 - 1 Gabriel, Christoph
Dautov, Rustem 1 - 0 Hoffmann, Michael
Schlosser, Philipp 1 - 0 Ernst, Sipke
Döttling, Fabian 0 - 1 Zysk, Robert
OSC Baden-Baden 5 - 3 SV Wattenscheid
Svidler, Peter 0,5 - 0,5 Eljanov, Pavel
Vallejo Pons, Francisco 1 - 0 Rustemov, Alexander
Nielsen, Peter Heine 1 - 0 Holzke, Frank
Movsesian, Sergej 0.5 - 0,5 Handke, Florian
Hübner, Dr.Robert 0 - 1 Appel, Ralf
Dautov, Rustem 0,5 - 0,5 Lemmers, Oscar
Schlosser Philipp 1 - 0 Straeter, Timo
Döttling, Fabian 0,5 - 0,5 Thiel, Thomas


Tabelle:

Rang Verein Mannschafts-Punke Brett-Punkte
1. OSC Baden-Baden 17 50
2. Werder Bremen 16 44
3. SG Köln-Porz 14 49
4. SG Aljechin Solingen 13 41
5. TV Tegernsee 13 41
6. SF Katernberg 11 42,5
7. SV Mühlheim-Nord 11 42
8. sC Kreuzberg 10 37,5
9. SV Wattenscheid 8 34
10. Hamburger SK 7 37
11. Godesberger SK 7 33
12. SF Berlin 1903 7 32
13. SC Eppingen 4 31,5
14. SG Kirchheim 4 26
15. SC Leipzig-Gohlig 2 19,5
16. SK Zehlendorf 0 16

Kein Grund zur Traurigkeit haben die beiden Verantwortlichen der SG Solingen verspürt, denn die Niederlage gegen die Baden-Badener war einkalkuliert und nicht überraschend. Vielmehr freut man sich, dass mit dem deutschen Spitzenspieler Jussupow und einem ausgeglichenen Team nicht der letztjährige Horrortrip gegen den Abstieg ansteht, sondern man sich im vorderen Tabellendrittel festgesetzt hat.

MF Herbert Scheid & GM Artur Jussupow

Hans-Walter Schmitt

Published by Hans-Walter Schmitt

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