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Corus Chess Tournament - da werden Sie geholfen!
Vassily Ivanchuk übernimmt alleinige Führung
15.01.2006 - Sie verabscheuen Kurzremisen und möchten viel lieber spannende Partien sehen, in denen die besten Spieler der Welt auch mal etwas riskieren? Dann bedient sie Wijk aan Zee mit seinem Corus Chess Tournament bis jetzt mit beinahe ungewohnter Großzügigkeit. Nach zwei gespielten Runden liegt die Remisquote bei schlanken 50% und viele Unentschieden entstanden erst nach ausgiebigem Kampf. Lediglich Peter Leko droht wieder in alte Muster zu verfallen und scheut noch das allerletzte Risiko. Will er ein Wörtchen um die vorderen Plätze mitreden, wird er sich noch steigern müssen. Allen anderen Teilnehmern sei ein gesundes Maß an Aggressivität beschienen, was uns den nächsten Partien entgegenfiebern lässt. Doch zuvor wollen wir den heutigen Tag im Detail Revue passieren lassen.

zum Corus Chess Turnier

Vassily Ivanchuk

Spätestens mit dieser 2. Runde des Corus Chess Tournaments meldet der Ukrainer Vassily Ivanchuk Ambitionen auf den Turniersieg an. Zumindest nimmt er nach dem heutigen Kampfsieg mit den schwarzen Steinen gegen den bosnischen Niederländer Ivan Sokolov den alleinigen Platz an der Sonne ein. Zunächst schien es, als hätte Weiß in dem Nimzoinder die besseren Karten, machte die schwarze Königsstellung nicht gerade den gesündesten Eindruck. Doch Ivanchuk erarbeitete sich nach und nach und mittels kräftiger Mithilfe seines Gegners ein vorteilhaftes Endspiel mit Läuferpaar, welches ihm einen Mehrbauer einbrachte. Die technische Verwertung allerdings bedurfte noch viel Arbeit, die der manchmal etwas abwesend wirkende Ukrainer jedoch mit Fleiß und Beharrlichkeit verrichtete. Sokolov mühte sich redlich, doch er vermochte den einzigen Schwarzsieg des Tages im A-Turnier nicht zu verhindern.

In früheren Jahren galt er als typisches Beispiel eines faulen Genies, doch mit der Zeit hat sich der Brite Michael Adams einen Stammplatz im elitären Kreis der 2700er erarbeitet. Den ganz großen Wurf konnte er trotz mehrfacher Anläufe bis dato zwar noch nicht landen, doch den amtierenden Weltmeister in einer Turnierpartie schlagen, ja, dafür ist er immer mal wieder zu haben. Heute heftete sich "Mickey" den Skalp von keinem Geringeren als Veselin Topalov an den Gürtel und holt den Weltmeister damit zumindest temporär vom 2800er-Olymp. Aus der Scheveninger-Variante der Sizilianischen Verteidigung heraus entwickelte sich früh ein erbitterter Kampf ums Zentrum, den Adams mit 22.f5! schließlich gewann und Topalov erstmals nicht gut aussehen ließ. Als Letzterer dann mit 28...Te6?? einen schweren Bock schoß, donnerte der Brite auf f7 einen Turm rein und hatte plötzlich die Chance auf einen schnellen Gewinn. Dieser entging ihm dann zwar, doch die Stellung war bereits so gut, dass der Bulgare sich nicht mehr erholte und sich alsbald in einem hoffnungslosen Endspiel seinem Schicksal ergab. Eine tolle Leistung von Michael Adams.

Michael "Mickey" Adams

Bereits seit einiger Zeit können die Franzosen stolz darauf sein, einen der ihren in der Weltspitze des Schachs zu wissen. Etienne Bacrot hat sich kontinuierlich verbessert und erhält nun immer öfter die Chance, sich mit den Besten zu messen. Somit war klar, dass er heute der Favorit in seiner Weißparte gegen Sergey Tiviakov sein würde und er wurde dieser Rolle vollauf gerecht. Tiviakov verteidigte sich sizilianisch und es entstand ein Marozcy-Aufbau, den der Franzose besser verstand. Zunächst schwächte er die gegnerische Bauernstruktur und wickelte schrittweise in ein besseres Endspiel ab, in dem Tiviakov letztlich die Nerven verlor und eine Qualität opferte, um die weiße Initiative zu bremsen. Beide Seiten pochten auf einen Freibauer, doch nach einer weiteren Ungenauigkeit des Schwarzen, packte Bacrot die Gelegenheit beim Schopf und wickelte in eine technische Gewinnstellung ab, die sich der Russe mit niederländischer Staatsbürgerschaft nicht mehr zeigen ließ. Somit muss Etienne Bacrot auch weiterhin zum Kreis der Favoriten gezählt werden.

Einige Experten sahen die Teilnahme von Gata Kamsky bei diesem Top Turnier mit gemischten Gefühlen. In letzter Zeit hat der emigrierte Amerikaner wieder viele Partien gespielt, doch ein Turnier in der Königsklasse ist dann doch noch etwas anderes. Und so staunten zahlreiche Schachfans nicht schlecht darüber, dass er am heutigen Tag mit Boris Gelfand relativ wenig Mühe hatte. Mit Weiß in der Slawischen Verteidigung des Damengambits jagte Kamsky seinen a-Bauer bis nach a6 und bereitete dem scheinbar überraschten Gelfand heftige Probleme, die dieser nicht nachhaltig zu lösen wusste. Mehr und mehr verschlechterte sich seine Stellung, bis er sich schließlich nicht anders zu helfen wusste und eine Qualität investierte. Aber das half ihm auch nicht wirklich und so suchte er sein Heil in einem schwierigen Endspiel, in welchem sich er auf die Errichtung einer Festung hoffte. Doch im rechten Augenblick wusste Kamsky, seinen Läufer in die Königsstellung einschlagen zu lassen und wenig später gab Boris Gelfand auf. Ob dies nur ein Glückstreffer oder der Beginn eines sehenswerten Comebacks war, werden die nächsten Tage zeigen. Kamsky spielt jedenfalls einen erfrischenden Stil und genießt den kleinen Vorteil, dass seine Eröffnungswahl momentan schwer zu antizipieren ist, da es kaum Spitzenpartien jüngeren Datums von ihm gibt.

Ausgezeichnet lief es zunächst für Vishy Anand mit den weißen Steinen gegen den Shooting Star Levon Aronian. In einem geschlossenen Spanier erspielte sich der Inder eine aussichtsreiche Position, die ihm einen Mehrbauer eintrug. Doch irgendwie wurde Anand nicht glücklich mit seinem Materialvorteil und Aronian postierte Turm und Läufer im Endspiel optimal. Im 55. Zug überraschte der Tiger von Madras mit einem glatten Bauerneinsteller. Fortan musste er bemüht sein, das entstandene Turmendspiel in remisliche Gewässer zu leiten, was ihm aber auch problemlos gelang.

Peter Leko scheint sich vorgenommen zu haben, mit seinen Kräfte zu Beginn des Turniers zu haushalten. Zwar zeigte der Ungar gegen den Najdorf-Sizi von Sergey Karjakin in einer zweischneidigen Variante ein interessantes Damenopfer, welches laut Kasparov letztlich in eine Stellung mit ungefähr gleichen Chancen mündet und bei ihm bereits vor zwei Jahren auf dem heimischen Analysebrett gestanden habe. Noch während der Partie prognostizierte die zurückgetretene Nr. 1 der Weltrangliste ein Remis. Kurz darauf schlossen sich die beiden Spieler seiner Meinung an und reichten sich die Hände zum unausgekämpften Friedensschluss.

Generell scheinen die niederländischen Vertreter im eigenen Land nur schwer in Fahrt zu kommen. Loek van Wely mühte sich gegen den klassischen Königsinder des amtierenden Jugendweltmeisters Shakhriyar Mamedyarov redlich, doch mehr als ein remisliches Schwerfigurenendspiel wollte ihm nicht gelingen und so wird er als Letzter der Setzliste mit dem Remis nach 49 Zügen zufrieden gewesen sein.

Mit einer noch unbestimmbaren ELO-Performance führt Vassily Ivanchuk vor dem Trio Anand, Adams und Bacrot. Das morgige Duell Ivanchuk - Anand ist also nicht nur von den ELO-Zahlen her ein Spitzenduell. Wird Vishy die Tabellenführung gegen den offensichtlich bestens aufgelegten Ukrainer erobern können?

Tabelle nach der 2. Runde

Rang

Name Punkte Performance Differenz
1. Ivanchuk (2729) 2,0 +10
2. Anand (2792) 1,5 2897 +3
Adams (2707) 1,5 2926 +5
Bacrot (2717) 1,5 2880 +4
5. van Wely (2647) 1,0 2699 +1
Mamedyarov (2709) 1,0 2682 -1
Leko (2740) 1,0 2692 -1
Topalov (2801)

1,0

2697 -3
Kamsky (2686) 1,0 2762 +2
10. Tiviakov (2669) 0,5 2521 -4
Gelfand (2723) 0,5 2522 -5
Karjakin (2660) 0,5 2575 -2
Aronian (2752) 0,5 2570 -5
Sokolov (2689) 0,5 2497 -5

Bedenken Sie bei den Performances, dass sich diese nur bestimmen lassen, sobald ein Spieler nicht mehr 100% oder 0% der erreichbaren Punkte hat.

Remis-Statistik

Runde Weiß-Siege Schwarz-Siege Remis Remis in %
1 1 2 4 57
2 3 1 3 43
Total: 4 3 7 50

Paarungen

Runde 1 - Samstag, 14. Januar 2006

L. van Wely - I. Sokolov 1/2
S. Mamedyarov - E. Bacrot 1/2
S. Tiviakov - M. Adams 1/2
V. Topalov - G. Kamsky 1-0
B. Gelfand - P. Leko 1/2
S. Karjakin - V. Anand 0-1
L. Aronian - V. Ivanchuk 0-1

Runde 2 - Sonntag, 15. Januar 2006

I. Sokolov - V. Ivanchuk 0-1
V. Anand - L. Aronian 1/2
P. Leko - S. Karjakin 1/2
G. Kamsky - B. Gelfand 1-0
M. Adams - V. Topalov 1-0
E. Bacrot - S. Tiviakov 1-0
L. van Wely - S. Mamedyarov 1/2

Runde 3 - Montag, 16. Januar 2006

S. Mamedyarov - I. Sokolov
S. Tiviakov - L. van Wely
V. Topalov - E. Bacrot
B. Gelfand - M. Adams
S. Karjakin - G. Kamsky
L. Aronian - P. Leko
V. Ivanchuk - V. Anand

Runde 4 - Dienstag, 17. Januar 2006

I. Sokolov - V. Anand
P. Leko - V. Ivanchuk
G. Kamsky - L. Aronian
M. Adams - S. Karjakin
E. Bacrot - B. Gelfand
L. van Wely - V. Topalov
S. Mamedyarov - S. Tiviakov

Runde 5 - Mittwoch, 18. Januar 2006

S. Tiviakov - I. Sokolov
V. Topalov - S. Mamedyarov
B. Gelfand - L. van Wely
S. Karjakin - E. Bacrot
L. Aronian - M. Adams
V. Ivanchuk - G. Kamsky
V. Anand - P. Leko

Runde 6 - Freitag, 20. Januar 2006

I. Sokolov - P. Leko
G. Kamsky - V. Anand
M. Adams - V. Ivanchuk
E. Bacrot - L. Aronian
L. van Wely - S. Karjakin
S. Mamedyarov - B. Gelfand
S. Tiviakov - V. Topalov

Runde 7 - Samstag, 21. Januar 2006

V. Topalov - I. Sokolov
B. Gelfand - S. Tiviakov
S. Karjakin - S. Mamedyarov
L. Aronian - L. van Wely
V. Ivanchuk - E. Bacrot
V. Anand - M. Adams
P. Leko - G. Kamsky

Runde 8 - Sonntag, 22. Januar 2006

I. Sokolov - G. Kamsky
M. Adams - P. Leko
E. Bacrot - V. Anand
L. van Wely - V. Ivanchuk
S. Mamedyarov - L. Aronian
S. Tiviakov - S. Karjakin
V. Topalov - B. Gelfand

Runde 9 - Dienstag, 24. Januar 2006

B. Gelfand - I. Sokolov
S. Karjakin - V. Topalov
L. Aronian - S. Tiviakov
V. Ivanchuk - S. Mamedyarov
V. Anand - L. van Wely
P. Leko - E. Bacrot
G. Kamsky - M. Adams

Runde 10 - Mittwoch, 25. Januar 2006

I. Sokolov - M. Adams
E. Bacrot - G. Kamsky
L. van Wely - P. Leko
S. Mamedyarov - V. Anand
S. Tiviakov - V. Ivanchuk
V. Topalov - L. Aronian
B. Gelfand - S. Karjakin

Runde 11 - Freitag, 27. Januar 2006

S. Karjakin - I. Sokolov
L. Aronian - B. Gelfand
V. Ivanchuk - V. Topalov
V. Anand - S. Tiviakov
P. Leko - S. Mamedyarov
G. Kamsky - L. van Wely
M. Adams - E. Bacrot

Runde 12 - Samstag, 28. Januar 2006

I. Sokolov - E. Bacrot
L. van Wely - M. Adams
S. Mamedyarov - G. Kamsky
S. Tiviakov - P. Leko
V. Topalov - V. Anand
B. Gelfand - V. Ivanchuk
S. Karjakin - L. Aronian

Runde 13 - Sonntag, 29. Januar 2006

L. Aronian - I. Sokolov
V. Ivanchuk - S. Karjakin
V. Anand - B. Gelfand
P. Leko - V. Topalov
G. Kamsky - S. Tiviakov
M. Adams - S. Mamedyarov
E. Bacrot - L. van Wely

Mike Rosa

Published by Mike Rosa

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