22.12.2005 - „Hilfe, Mein Kind spielt Schach!“ heißt ein neu bei Chessgate erschienenes Buch. Es ist die erste Koproduktion eines interessanten Autorenteams: Bernd Rosen trägt den Titel eines FIDE-Meisters, ist A-Trainer des Deutschen Schachbundes und Landestrainer von Nordrhein-Westfalen. 2005 wurde er zum „Trainer des Jahres“ ernannt - ein ausgewiesener Experte also in allen Fragen der Schachdidaktik. Sein Co-Autor Jörg Sommer ist ein populärer Sachbuchautor, der mit zwischenzeitlich über 150 Büchern auch im Ausland erfolgreich ist.
Jörg Sommer hat vier schachspielende Kinder und ist
ebenfalls ehrenamtlich als Leiter einer Schulschach AG tätig - für den
Schachbund schreibt er die wöchentliche Kolumne „IMPULSE“, in denen er
empfehlenswertes Material für Trainer und Jugendleiter vorstellt.
Mit ihrem Buch wollen die beiden Autoren
vor allem Eltern erreichen. Beide sind davon überzeugt, dass Schach
einen uneingeschränkt positiven Einfluss auf jedes Kind haben kann:
„Schach ist Kunst, Sport und Wissenschaft. Schach ist, wie der große
Deutsche Dichter Goethe so treffend formulierte: „Probierstein des
Gehirns“.
Deshalb bieten die Autoren den Eltern
ein komplettes Kompendium, eine Art Kompass, der sie und ihre Kinder
durch ein ganzes Schachleben begleiten soll.
Nichts wird ausgelassen:
Von der Frage, ab welchem Alter ein Kind den Zugang zum Schach finden
kann bis zur (sich vielleicht viele Jahre später für einige wenige
stellende) Frage, ob man sich auf eine Karriere als Schachprofi
einlassen soll.
Zu allen Fragen, die dazwischen liegen, bietet das Buch
klare, schnörkellose und kurzweilig präsentierte Antworten.
Überhaupt besticht es durch seine gut
verständliche Sprache und den hohen konkreten Nutzen. Selbst sehr
schachspezifische Kapitel sind so geschrieben, dass auch Laien damit
arbeiten können.
Umfangreich und besonders spannend ist
das Kapitel „Schach in der Schule“, dass Eltern eindringlich dazu
motivieren möchte, die Kinder an einem Schulschach-Angebot teilnehmen zu
lassen. Es gibt sogar Tipps, wie ggf. die Gründung einer Schulschach AG
initiiert werden kann.
Doch nicht nur dieses Kapitel ist für
alle interessant, die selbst mit dem Gedanken spielen, eine Schach AG an
der eigenen Schule anzubieten.
Gerade für diesen Fall ist das Buch ein
wahre Fundgrube: Im Kapitel „Vom Nutzen des Schachspiels“ werden die
positiven Wirkungen auf das Lernverhalten Jugendlicher detailliert
herausgearbeitet.
Interessant ist die Erfahrung der Autoren, dass Schach
nicht nur besonders begabte Kinder fördert, sondern sogar auf Kinder mit
ADS beinahe therapeutische Wirkungen entfalten kann. Viel Raum räumen
die Autoren der Vermittlung der schachlichen Grundlagen ein und
präsentieren so etwas wie ein kleines Curriculum für die Einführung in
das königliche Spiel.
Beim Thema Schulschach machen sie
konkrete Vorschläge für die Zusammenarbeit mit örtlichen Vereinen und
empfehlen auch eindringlich den Erwerb des „Schulschachpatents“, dessen
Inhalte sie vorstellen - ebenso wie Struktur des Schulschachs und der
Schulschachturniere.
Besonders instruktiv liest sich das
Kapitel über die „schachlichen Entwicklungsphasen“, die die Kinder erst
nacheinander durchleben: „Material“, „Raum“ und „Zeit“ sind die
Bausteine einer erfolgreichen Partie. Umfangreiche Tipps zum
intelligenten Einsatz vom Computern, zur Frage, wie man „Schachtalent“
entdeckt und fördert und natürlich konkrete Tipps für gutes Lern- und
Lehrmaterial runden das Buch ab.
Alles in allem ein konkurrenzloses Werk,
das längst überfällig war. Das geballte Expertenwissen des Autorenteams
ist für Lehrer genauso interessant wie für Eltern und beiden Gruppen
uneingeschränkt zu empfehlen.
Jörg Sommer / Bernd Rosen
Hilfe! Mein Kind spielt Schach.
Chessgate AG, 2005, 140 Seiten,