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SV Hofheim im Wilden Westen: Sieg in der 2. Bundesliga-Runde gegen Turm Bergheim
06.12.2005 - Aus den Aufstiegsträumen waren wir nach der deftigen Heimniederlage aus der Vorrunde unsanft erwacht, jetzt galt es gegen die etwa gleich starken Bergheimer ein Polster zu den Abstiegsrängen zu schaffen. Doch dazu musste man erst mal hinkommen nach Nordrheinwestfalen. Der Winter war mit Vehemenz eingebrochen und an dem Sonntagmorgen schneite es bedrohlich.

Ich hatte meine guten Eltern am Tag zuvor bei Düsseldorf besucht und war separat angereist. Dank des freundlichen Fahrdienstes des Vaters kam ich problemlos und eine halbe Stunde zu früh am Spielort an. Hier erlebte ich die erste Überraschung: In Bergheim gibt es richtige Häuser, Straßen und Infrastruktur. Glaubt man den Kölnern, (was ich als Düsseldorfer aus Prinzip nicht tue), hausen die Bergheimer nach auf Bäumen oder bestenfalls in Höhlen. Bergheim ist das Offenbach der Domstädter. Bei den früher gern erzählten Manta-Witzen setzten die Kölner stets Bergheimer ans Steuer, in dem in Richtung Aachen gelegenen Städtchen vermuten sie auch die größte Frisösinnenschule Deutschlands.

Jovanka Houska

Aber, selbst eine Feuerwehr gibt es dort, und in deren Jugendheim stieg unser Wettkampf. Ob der gefallenen weißen Pracht war ich sehr in Sorge, ob die Kameraden heil und pünktlich eintreffen würden, doch siehe da, bereits fünf Minuten nach meiner Ankunft rutschten Erik Zude, Georg Haubt und Jovanka Houska heran, kurz darauf schlitterte auch der Wagen von Arno Zude mit Stephan Buchal, Jörg Hickl und Gennadi Ginsburg ins Ziel.

Da auch der Schiedsrichter bald vor Ort war, konnte pünktlich um 11:00 Uhr angepfiffen werden. Dass einige Bergheimer Spieler noch fehlten, störte nicht weiter, sondern tat dem Sauerstoffgehalt des im Vergleich zum Bundesligastandard deutlich geschrumpften Spielsaales gut.

Meine Partie war als erste fertig, normalerweise ein schlechtes Zeichen, aber an diesem Tag lief es  rund. Sie ist ganz einfach erzählt, beide Opponenten führten ihren Mattangriff, und Weiß gewann, weil er wg. Räägel ein Tempo schneller war. Wenn mein Gegner wie weiland der enthauptete Störtebecker nur noch einen Schritt getan hätte, so wäre wegen Doppelmatts das Unentschieden gerettet gewesen, aber zum Glück fiel sein gematteter König sofort um.

1:0 also nach ca. drei Sunden. Als ich beim Post Mortem mit meinem Gegner gerade aus Unkenntnis die Theorie verließ (nach fünf Zügen), kam ein Bergheimer Jubelruf: „1:1“. Nachdem die entgegen gesetzten Rochaden ausgeführt waren, gar ein Freudenschrei: „2:1“. Wer 1:0 führt, der stets verliert? Stimmt die alte Fußballweisheit auch beim Schach? Jetzt musste ich doch mal nach dem Rechten sehen. Tatsächlich, Arno wollte seinen Spanier nicht verflachen, sondern „noch Luft drin lassen“ (O-Ton), was unserem alten Blasebalg souverän gelang. Leider wirbelte der entfachte Sturm statt seines Gegners ihn vom Brett, Ausgleich für die Bergheimer.

Unglaublich das Geschehen bei Gennadi. Nach nur 16 Zügen hypertaktischen  sizilianischem Gebolze war genug Analysematerial für eine ganze Schachzeitung produziert (bei Dr. Hübner für ein ganzes Buch). Der 16. Zug war ein spektakuläres Damenopfer des Bergheimer IMs Drenchev, der Gennadi zur Aufgabe zwang. Sieg für den Gegner, aber Applaus für beide (OK, Taktikmonster Fritz klatscht ein bisschen leiser).

Vor der Verlängerung in die die fünfte und sechste Spielstunde war der Ausgleich wichtig. Jovanka schoss ihn, oder sagen wir präziser, sie stolperte den Ball über die Linie. Gegner Udo Käser verschmähte zunächst gentlemanlike die von Jovanka eingestellte Figur und überzog auch noch ein remises Damenendspiel. 2:2.

Oliver Brendel
Foto: Renate Niebling

Aufregung dann bei Stephan. Eine recht solide Stellung mit Mehrbauern entglitt ihm in Zeitnot etwas, und als er knapp 10 Züge in 15 (!) Sekunden ausführen musste, schien die Partie gelaufen. Speedy Stephan aber schaffte die Zeitkontrolle, was einige Kleinmütige seiner Mannschaft nicht mehr für möglich gehalten hatten, als seine elektronische Uhr nach 39 Zügen ein Sekunde Restbedenkzeit anzeigte. Um vorzugreifen, leider, der große Kampf wurde nicht belohnt, Stephan musste letztendlich in der längsten Partie des Tages den König hinlegen.

Bevor dies passierte, holten Erik und Jörg mit sicheren Endspielsiegen die beruhigende 4:2 Führung heraus. Georg brauchte daher nicht mehr auf Gewinn zu spielen, und sicherte mit seinem Remis den Mannschaftssieg. Stephans Niederlage war nur noch Ergebniskorrektur.

Insgesamt ein schöner Erfolg, auch ohne Stanislav und Sergej errungen, gegen allerdings ebenfalls ersatzgeschwächte Bergheimer.

Oliver Brendel

Die Einzelergebnisse vom 27.11.2005:

Turm Bergheim    3½-4½ SV Hofheim      
 2 Bojkov,Dejan  0 : 1 Hickl,Joerg    1
 4 Drenchev,Peta 1 : 0 Ginsburg,Genn  3
 6 Skulener,Wlad 0 : 1 Zude,Erik Dr.  6
 7 Braslavskyy,O 1 : 0 Zude,Arno      7
 8 Kaeser,Udo Dr 0 : 1 Houska,Jovank  8
 9 Saiboulatov,D 1 : 0 Buchal,Stepha  9
10 Buscher,Micha 0 : 1 Brendel,Olive 10
12 Laurent,Bruno ½ : ½ Haubt,Georg   11

Oliver Brendel

Published by Gerhard Kenk

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