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SV Hofheim begann mit einer Krise...
23.11.2005 - Es konnte nichts Gutes bedeuten, was ich da sah, als ich 40 Minuten vor Spielbeginn am Hofheimer Vereinshaus ankam: Stephan und Sergey standen draußen vor der Tür. Hatten sie etwa schon alles aufgebaut und gönnten sich eine Ruhepause? Mitnichten.

Vielmehr war der Schlüsselbund nicht im Schlüsselkästchen gewesen, und wir kamen nicht ins Haus rein! Hektische Telefoniererei mit Gott und der Welt brach los (Bitte um Entschuldigung an die Ruhegestörten), und aus einem der vielen Gespräche ergab sich der Hinweis, dass an diesem Sonntagmorgen auch in Lorsbach Schach gespielt wurde und der Schlüssel ganz vielleicht möglicherweise eventuell dort sein könnte. Erik, inzwischen hinzugekommen, machte sich gleich dorthin auf, während wir weiter telefonierten, bis auf Sergeys Handy der Akku leer war, sowie dem Schiedsrichter und den angereisten Emsdettenern erklärten, dass wir noch nicht wüssten, ob wir überhaupt antreten könnten.

Fünfzehn Minuten vor Spielbeginn kam Erik mit dem Schlüsselbund aus Lorsbach zurück.

Wir verzichteten auf den Umbau in unserem üblichen Spielraum, bauten im anderen Raum schnell auf und waren zwei Minuten vor zehn startklar. Damit war zumindest das kampflose 0:8 aus der Welt, aber es war nicht zu übersehen, dass unsere Gäste aus Emsdetten mit vier GMs und drei IMs ganz stark aufgestellt und an fast allen Brettern zwischen 60 und 160 Elo-Punkte stärker besetzt waren (lediglich Sergey und sein Gegner waren gleichauf). So konnte es denn nicht überraschen, dass wir an mehreren Brettern unter Druck gerieten und viel Zeit verbrauchten.

Nicht mehr allein unter Männern:
Pia Cramling (links) und Zhao Qin Peng (rechts)

Das erste Opfer war Stanislav, der gegen Sergei Tiviakov in schlechter Stellung die Zeit überschritt. Dieses Schicksal blieb mir gegen Pia Cramling knapp erspart, aber nur, weil ich beim Versuch, Figurenverlust zu verhindern, ein Matt übersah und rechtzeitig aufgab. Gerade stand ich auf und sah mich um, als ich Erik den Kopf schütteln sah. Nachdem Mihail Feygin den Weg zu Ausgleich verpasst hatte, erreichte Erik eine Gewinnstellung, übersah dann aber eine Springergabel, die ihn eine Figur gekostet hätte. Ebenfalls in der Zeitnotphase ging Georgs Partie gegen Zhao Qin Peng verloren, nachdem er aus einer schlechteren Stellung heraus Ausgleich erreicht hatte. Unsere Verlustserie komplett machte Patrick, der gegen Alexandr Kabatianski die schlechtere Seite einer Igelstellung erwischte und dann keine Chance mehr hatte.

Bleiben auf der Plusseite Gennadi, der seinen Vorteil von generischem Isolani über Läuferpaar zu erst einem, dann zwei Mehrbauern vergrößerte und mit Alexander Berelovich den zweiten Großmeister in dieser Saison überzeugend schlug; Sergey, der das zeitweise zu passive Spiel von Ruud Jansen zu Bauerngewinn bei bleibendem Vorteil (und schließlich dem vollen Punkt) nutzte; sowie Jovanka, die über die volle Distanz ging und einen eigentlich schon verlorenen halben Punkt erkämpfte. Sie hatte im 40. Zug remis angeboten, aber wie so oft war der damit verbundene Zug nicht so gut, sondern stellte einen Bauern ein. Am Schluss stand sie bei nur noch 24 gegen 119 Sekunden (für den ganzen Rest der Partie!) kurz davor, eine klare Remisstellung zu erreichen, und Christian Richter verzichtete fairerweise auf den Versuch, sie über die Zeit zu heben.

Insgesamt also ein verdienter Sieg der Emsdettener, der angesichts der Elo-Unterschiede auch nicht überraschte. Aber so ganz sicher standen sie nicht, und mit ein bisschen mehr Glück und weniger Zeitnot auf unserer Seite hätte es eng werden können. Wir wollen jetzt zunächst mal gegen Bergheim und Oberursel erfolgreicher spielen, bevor dann im Januar mit Remagen der zweite Aufstiegsanwärter auf uns wartet.

Arno Zude

Published by Mark Vogelgesang

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