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Kasparov bläst zum Angriff!
Und wer ist Raffael??
22.11.2004 - Kasparov wollte endlich gewinnen! Daran ließ er von Beginn an keinen Zweifel aufkommen. Sicher, Dreev hätte auf 6...dxc4 verzichten und stattdessen passiver agieren können. Aber das Anti-Meran Gambit gilt als nicht übermässig gefährlich für den Nachziehenden. Oder hatte Dreev gar etwas Neues vorbereitet?
Als er mit 15...Sd7 zur Entlastung eine Qualität hergab, war schlagartig klar, dass es für ihn fortan ein langer und beschwerlicher Weg zum Remis werden würde. Lange verteidigte er sich mit einzigen Zügen und es schien tatsächlich so, als sollte auch in dieser Partie für Kasparov nicht mehr als ein halber Punkt rausspringen, als ein Endspiel entstand, welches Weiß zwar mit einer Figur in Front sah, aber die drei Bauern, die Dreev dafür hatte, bürgten deutlich für Remischancen. Sicher, die mitlaufenden Engines weltweit sprachen von einem deutlichen Plus für Weiß, aber einen konstruktiven Vorschlag, wie genau dieser umzusetzen ist, konnten sie nicht liefern. Doch während Frederic Friedel (Chess Base) auf dem schach.de-Server den Anwesenden Kiebitzen bereits "horrende Summen" für einen Gewinnplan bot, wurde Dreev ungenau und die Nr. 1 der Weltrangliste ließ sich nicht lange bitten. Was nun folgte, glich einem Triumphzug des russischen Schachgenies. Geschickt tempierte Kasparov seinen Gegner aus und nötigte diesen so, im 59. Zug den Widerstand einzustellen. Damit schiebt er sich auf den 2. Rang vor.

(Kasparov, G. - Dreev, A.)

Die kürzeste Partie der 6. Runde lautete Bareev - Svidler. 22 Züge dauerte ihr ereignisloser Grünfeldinder. Dafür hatten es die beiden weiteren Remisen weitaus mehr in sich. Obwohl auch "nur" 27 Züge lang, bot das Unentschieden zwischen Grischuk und Timofeev ausreichend Grund für Analysen und Diskussionen. Aus einem Grünfeldinder ohne (bzw. mit verzögertem) Sc3 heraus spielte Ersterer auf die Schwächen der gegnerischen Königsstellung. Die zwangsläufigen weißen Einbußen am Damenflügel bürgten dafür, dass diese Attacke spielentscheidend sein musste. Nach 20.Se6 muß Timofeev's Puls in die Höhe geschnellt sein, denn nun nahm der weiße Angriff so konkrete Formen an, dass er sich genötigt sah, mit 20...g5 das Remis zu forcieren. Grischuk blieb keine andere Wahl, als sich unter Turm- und Springeropfer mit der Dame bis zum gegnererischen Monarchen vorzuarbeiten, und das Dauerschach zu akzeptieren. Die dritte Punkteteilung des Tages vereinbarten Korotylev und Tseshkovsky nach 55 Zügen. Lange Zeit schien es so, als hätte der Schwarze Probleme, den Wolga-Bauern zu kompensieren. Doch Korotylev übersah eine hübsche, taktische Wendung und hatte noch Glück, nur in einem Damenendspiel mit Minusbauern gelandet zu sein und dieses Remis halten zu können. Aber Kasparov's Sieg sollte nicht der einzige gewesen sein. Auch Motylev konnte seine Partie gegen Epishin schon aus der Eröffnung heraus vorteilhaft für sich gestalten. Er verpasste seinem Gegner in der sizilianischen Paulsen-Variante einen Doppelbauern auf der a-Linie und im Weiteren bemächtigte er sich einer Qualität. Trickreich entkorkte Epishin zwar noch einen Zentrumsfreibauer, der nochmal für Spannung zu sorgen schien, doch Motylev ließ nichts mehr anbrennen und gewann routiniert.Hilflos musste hingegen Morozevich zuschauen, wie nun alle in der Gesamtwertung an ihm vorbeigezogen sind. Eine ungewohnte Situation für "Moro". Sicher ist nur, dass er sich damit unmöglich abfinden wird und in den folgenden Partien sicher auf Wiedergutmachung aus ist.

Ergebnisse der 6. Runde im Überblick:

Grischuk, A. (3.5/5) - Timofeev, A. (2.5/4) 1/2

Kasparov, G. (2.5/4) - Dreev, A. (3.5/5) 1-0

Korotylev, A. (2/4) - Tseshkovsky, V. (1.5/4) 1/2

Bareev, E. (2.5/5) - Svidler, P. (2/4) 1/2

Motylev, A. (1/4) - Epishin, V. (2.5/5) 1-0

Morozevich, A. - spielfrei

Stand nach der 6. Runde:

1. Grischuk, A. (2704) 4.0/6

2. Kasparov, G. (2813) 3.5/5

3. Dreev, A. (2698) 3.5/6

4. Timofeev, A. (2611) 3.0/5

5. Bareev, E. (2715) 3.0/6

6. Svidler, P. (2735) 2.5/5

7. Korotylev, A. (2596) 2.5/5

8. Epishin, V. (2599) 2.5/6

9. Motylev, A. (2651) 2.0/5

10. Tseshkovsky, V. (2577) 2.0/6

11. Morozevich, A. (2758) 1.5/5

Paarungen der 7. Runde:

Svidler, P. - Korotylev, A.

Dreev, A. - Motylev, A.

Timofeev, A. - Bareev, E.

Morozevich, A. - Grischuk, A.

Tseshkovsky, V. - Kasparov, G.

Epishin - spielfrei

Bleibt nur noch eines zu klären:

Wer ist Raffael??

Diese Frage stellt sich eine Vielzahl von Schachbegeisterten, welche nicht nur die Partien der 57. Russischen Meisterschaft LIVE auf dem schach.de-Server verfolgen, sondern sich auch gerne - wie der Autor dieser Zeilen selbst - im Spielsaal des Servers tummeln, um die eigenen Fähigkeiten mit anderen Menschen weltweit zu messen. Groß ist die Begeisterung immer dann, wenn Koryphäen wie Nigel Short, Michael Adams, Darmen Sadvakasov oder auch "Blitzmonster" wie TigerTAD (noch kein Chess Tiger) ihr Können für alle sichtbar demonstrieren. Doch wer ist dieser Raffael?? Mit einer Rating +3000 schlägt er regelmäßig die Blitz-Elite, ist stets (auf Englisch) freundlich und mitunter etwas deprimiert, wenn es für ihn keine Gegner gibt. Mehr als seine sehenswerten Siege lieben viele auf dem Server jedoch das Detektivspiel. Wer ist dieser Unbekannte, der es "wagt", seine Identität zu verbergen? Einige vermuten, es könne nur Alexander Morozevich sein. Passend zu dieser These auch, dass Raffael relativ kurz nach der Niederlage "Moro's" gegen Tseshkovsky erschien und rasch ein paar Partien blitzen wollte. Wieder verschwand er dann mit einem Gruß an die Allgemeinheit und hinterließ heftig diskutierende Detektive. Werden wir bald erfahren, wer der Mr. X des Blitzschachs ist? To be continued...

Mike Rosa

Published by Mike Rosa

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