Nachrichten Dreev und Grischuk nach 5 Runden in Führung Haben Kasparov und Morozevich das Gewinnen verlernt?
21.11.2004 - Die Schachwelt staunt nicht schlecht. Außer Grischuk und Dreev scheinen die meisten Favoriten nicht so recht in Fahrt zu kommen. Oft erspielen sich die Koryphäen des Schachsports tatsächlich auch gewinnträchtige Positionen, aber dann wird der entscheidende Zug ausgelassen.
Nur eine Partie der 5. Runde endete unausgekämpft. Svidler hatte mit Weiß gegen Grischuk nach 22 Zügen in der sizilianischen Rossolimo-Variante genug und Letzterem kam das Remis natürlich nicht ungelegen.
Beinahe hatte man es schon geahnt, dass Dreev sich gegen Korotylev etwas mehr ins Zeug legen würde. Gegen den Slawen von Korotylev ging er energisch am Damenflügel vor und im 39. Zug streckte Schwarz die Waffen. So sah sich Dreev in seiner bisherigen Turniertaktik natürlich bestätigt.
(Dreev, A. - Korotylev, A.)
Keine wirkliche Mühe hatte auch Bareev mit den schwarzen Steinen gegen Tsehkovsky. Nach 29 Zügen zeigte sich, dass der Angriff des Weißen zu kraftlos und das Gegenspiel des Nachziehenden dafür um so heftiger werden würde.
Tragisch schon beinahe das Auftreten der Eloriesen, Kasparov und Morozevich. Fast wünscht man ihnen schon den lang ersehnten Sieg, damit das risikofreudige Spiel belohnt wird. Während Kasparov auf Platz 3 sicher noch alle Chancen hat, das Turnier für sich zu entscheiden, muss Morozevich bereits um Schadensbegrenzung bemüht sein. Und er ist es auch wirklich, aber Caissa ist den beiden Helden momentan nicht hold. Zunächst sah es so aus, als würde der Nimzo-Inder von Kasparov durchschlagen. Zumindest war "Fritzchen" nach Ld8! sehr angetan von der schwarzen Position, aber dann wählte der 13. Weltmeister eine ungewöhnliche Springerroute, anstatt den einfachen Weg zu gehen. Epishin beging jedoch immer wieder kleine Ungenauigkeiten, die Schwarz ansatzweise aber dann doch nicht mit letzter Konsequenz ahndete. Am Ende konnte Weiß das Remis forcieren. Noch klarer schien die Gewinnstellung von Morozevich in seiner Schwarzpartie gegen Timofeev. Die Bauernstruktur des Weißen im Turmendspiel sah so desolat aus, dass nur ein harter Kern auf ihn wettete. Zug um Zug näherte sich Schwarz den ersehnten Zielen: eigenen Bauer auf die gegnerische Grundreihe treiben, Partie gewinnen und eine Aufholjagd starten. Doch wieder griff der 27-jährige fehl und beugte sich zähneknirschend in das unvermeidliche Remis.
Die Ergebnisse der 5. Runde im Überblick:
Svidler, P. (1.5/3) - Grischuk, A. (3/4) 1/2
Epishin, V. (2/4) - Kasparov, G. (2/3) 1/2
Timofeev, A. (2/3) - Morozevich, A. (1/4) 1/2
Tseshkovsky, V. (1.5/4) - Bareev, E. (1.5/4) 0-1
Dreev, A. (2.5/4) - Korotylev, A. (2/3) 1-0
Motylev, A. (1/4) - spielfrei
Stand nach der 5. Runde:
1. Dreev, A. (2698) 3.5/5
2. Grischuk, A. (2704) 3.5/5
3. Kasparov, G. (2813) 2.5/4
4. Epishin, V. (2599) 2.5/5
5. Bareev, E. (2715) 2.5/5
6. Timofeev, A. (2611) 2.0/3
7. Svidler, P. (2735) 2.0/4
8. Korotylev, A. (2596) 2.0/4
9. Morozevich, A. (2758) 1.5/5
10. Tseshkovsky, V. (2577) 1.5/5
11. Motylev, A. (2651) 1.0/4
Paarungen der 6. Runde:
Grischuk, A. - Timofeev, A.
Kasparov, G. - Dreev, A.
Korotylev, A. - Tseshkovsky, V.
Bareev, E. - Svidler, P.
Motylev, A. - Epishin, V.
Morozevich, A. - spielfrei
Zum Abschluß zwei Bilder, die zeigen, welchen Unterschied es zwischen einem Weltmeister und einem "einfachen" Top-GM gibt. Der eine analysiert seine Gewinnpartie aktiv, der andere deligiert die Analyse:
(Grischuk bei der Analyse seiner Gewinnpartie der 1. Runde)
(Kasparov bei der Analyse seiner Gewinnpartie der 1. Runde)