Nachrichten Aktuelles vom Hessenschach - Boris Spassky kommt nach Mainz
21.07.2005 - +++ Halbfinale im Hessischen 4er Pokal komplett +++Wie Bobby Fischer den Kalten Krieg gewann +++ Chess Classic Mainz mit GM Boris Spassky +++ Wohin an den kommenden Wochenenden? +++
HESSISCHER VIERER POKAL
Eine schwere Hürde steht Titelverteidiger Sfr.Schöneck auf dem
Weg zum Titel- Hattrick im 4er Pokal im Weg!
Nachdem am vergangenen Wochenende TuS Dotzheim 2 zumindest dem
Ergebnis nach sicher mit 3 : 1 besiegt werden konnte, wartet nun
im Halbfinale mit den Freibauern aus Mörlenbach/Birkenau ein für
Schöneck nicht sehr angenehmer Gegner. Wer erinnert sich da nicht
an sensationell hohe Siege, aber vor allem auch an Niederlagen,
die insbesondere ein ums andere Mal den Weg in Liga 2
verschlossen?! Vielleicht revanchieren sich die Bergsträßer ja für
die knappe Finalniederlage, schließlich hat man ja auch
Zweitligist Oberursel soeben aus dem Wettbewerb gekegelt.... In
der zweiten Halbfinal- Paarung bekommt es der SV Wiesbaden daheim
mit dem SC Fulda zu tun. Wiesbaden holte sich die Quali in Kassel
bei Caissa, und Fulda siegte derweil in Offenbach. Während Fulda
und Schöneck innerhalb der letzten 20 Jahre sogar schon einmal
ihre Titel verteidigen konnten, waren im gleichen Zeitraum weder
die Wiesbadener noch die Mörlenbacher in den Siegerlisten zu
finden. Einmal mehr wird das auch in diesem Jahr für mindestens
einen der beiden der Fall sein müssen..... http://www.hessischer-schachverband.de/hsv/20042005/4pokal/50vp4_03.htm
WIE BOBBY FISCHER DEN KALTEN KRIEG GEWANN
Bobby Fischer
Foto: Forum
Während GM Gligoric durch seinen guten Freund Lothar Schmid
telefonisch aus Island die Nachricht vom Titelgewinn Bobby
Fischers erhielt, damit seine letzte noch fehlende Zeile für das
Buch zum damaligen Wettkampf einfügte und somit als aller,
allererster mit einem Manuskript bei seinem Verlag vor der Türe
mit den Druckmaschinen stand, können die beiden Buchautoren David
Edmonds und John Eidinow ähnliches für das Erscheinen ihres Werk
über den Schachwettkampf des Jahrhunderts in der
Free-Bobby-Fischer Phase unseres Lebens behaupten.
Die beiden Journalisten der BBC übertreiben es zwar mitunter
mit ihrer Unkenntnis vom Schachspiel, aber die vorliegende
Recherche und Dokumentation ist kein Lehrbuch und will es auch an
keiner Stelle sein! "...sie müssen nicht einmal Schach spielen, um
dieses Buch zu lieben", urteilt der Sunday Telegraph folgerichtig
und rechthabend.
Als jüngst die Schachvariante des Ungeheuers vom Loch Ness in
das Bild der Weltöffentlichkeit gezerrt wurde, gleichwohl endlich
befreit, erscheint just ein Buch über den wahrscheinlich
stärksten, aber auch rätselhaftesten Schachspieler aller Zeiten in
einer Übersetzung aus der englischen Originalversion.
Und Gott sei Dank wird nicht in einem weiteren Werk Zug um Zug
die große künstlerische Schaffenskraft des US Amerikaners
haarklein und wiederholt vorgeführt, sondern das Buch vermittelt
eindrucksvoll den Werdegang beider Kontrahenten bis in die heutige
Gegenwart. Im gesamten Buch findet sich gerade mal ein einziges
Diagramm, und auch das stört noch und behindert den sensiblen
Schächer am sofortigen Weiterlesen der spannend recherchierten
Geschichte!
Ein eigenes Kapitelchen ist dem Dank an die Helfer und
Auskunftgeber, Übersetzer und Schachprofis usw. gewidmet. Vor
allem finden sich aber auch Namen darunter wie der von Gerald
Ford, dem ehemaligen US Präsidenten.
Doch gleich nach diesem Absacker folgt der Hammer mit dem
letzten Abschnitt: Ich kann mir gut vorstellen was in den beiden
Autoren vorging, als sie diese Paketpost vom FBI bekamen und in
dieser Sendung die zwei angeforderten(!) dicken Ordner der Akte
"Fischer", natürlich versehen mit zahlreichen Schwärzungen
(Nationale Sicherheit!), enthalten waren. Den Abschluß bildet
somit ein Kapitel, das in seinem Höhepunkt auch für Bobby Fischer
etwas Neues in seinem Leben bietet!
Auszug aus FBI-Akte über Bobby Fischers Moskau-Reise: Es scheint, daß Robert Fischer mit den
Russen überhaupt nicht klar kam. Er berichtete seiner Mutter "Es war
überhaupt nicht gut dort". Nach Auskunft der Informanten führte sich
Fischer ziemlich schlecht auf in Moskau.
Einen für meinen Geschmack nicht zu breiten Raum nimmt zu
Anfang die Schilderung der frühen Lebenswege der beiden Gegner
ein. Es wird gerade genug verabreicht und mit Bildern
angereichert, damit ein doch recht guter Eindruck der ungleichen
Lebensumstände wahrgenommen werden kann.
Der zaudernde RJF schließlich auf dem Weg zum Flugplatz und
dann doch auf dem Absatz kehrtmachend kann einem mindestens ebenso
viel Kopfschütteln entlocken, wie die Schilderung der Umstände
direkt um den Wettkampf herum.
Würde man diese Story nicht zumindest oberflächlich kennen, so
kann man sich nicht im Traum vorstellen, daß der Wettkampf je
begonnen hatte, geschweige denn zu Ende gespielt wurde.
Während klar wird, daß Henry Kissingers Anspielungen an die
nationale Ehre Fischers dessen Blick auf Mammon und Titel nur
kurzfristig vernebelt und er sich selbst wieder auf die für ihn
richtige Spur setzt, so überrascht Spasskys Gier nach Kohle
doch schon mehr. Und als die Fleischtöpfe in Island erst mal
angerichtet sind, hat der eine sein Ziel schon erreicht, während
der andere den Titel noch holen will.
Wenn ich die letzten (Hör)Bücher heranziehe, die mir
einigermaßen im Gedächtnis haften geblieben sind, so schlägt
dieses Buch die Biografie zu Lasker natürlich um etliche Längen.
Es kommt zwar nicht ganz an die Spannung von Patricia Cornwalls
"Jack the Ripper" und den dortigen Enthüllungen heran, aber von
der Bettkante stößt man dieses Fischer-Buch mit Sicherheit nicht!
Nein, ich glaube nicht daran, daß Wolfgang Unzicker im August
während der Chess Classic in Mainz kurz vor dem Sieg gegen Anatoli
Karpow plötzlich aufsteht, seine Gummimaske vom Kopf zieht und den
leibhaftigen Bobby Fischer gibt; mit den staunenden Boris Spassky
und Victor Kortschnoi direkt am Nebentisch und dem nicht minder
überraschten Publikum im Zuschauerraum davor. So schön kann denn
Schach nun doch nicht sein! Obwohl, dieser Schmitt ....
Na ja, nehmen wir erst mal was wir kriegen können, und diese 4
Legenden des Schachs sind auch so das Eintrittsgeld wert; wer
nicht ohnehin an den offenen Turnieren teilnimmt. Während der 80-
jährige GM Unzicker, zu dessen Ehren dieses einmalige
"Turnierchen" veranstaltet wird, und auch Karpow und Kortschnoi
das eine ums andere Mal bei Wettkämpfen gesichtet werden, so
überrascht doch der Auftritt von Boris Spassky.
FC Spassky 04:
Stehend von links: Boris Spassky, Simon Triggs, Tony Miles, Guy Novik,
Larry Christiansen, Nigel Short, Jan Timman, Yasser Seirawan, Ulf
Andersson
Vorne von links: Simon Brown, Eddie Pen, Colin Clifton, Ljubomir
Ljubojevic
Man darf auf ihn
gespannt sein und sollte sicherlich etwas für ein Autogramm bereit
halten. Vielleicht ja obiges Buch? Neben den schon obligatorischen
Chess960-FiNet- und dem Ordix- Open gibt es natürlich auch
Simultans und die Top Duelle, in diesem Jahr mit Svidler und
Almasi sowie Anand und Grischuk. Außerdem eine ComputerWM mit
Programmen, die vom Chess960 Virus befallen sind, aber eher zu
alter Entwicklerblüte als zum Dahinsiechen neigen. Viel, viel mehr
zu diesem Schachevent gibt es auf der Internetseite zur
Veranstaltung zu sehen, und die noch verbleibenden 19 Tage werden
nicht nur stoisch dort vom Seitennzähler inkrementiert. Man sieht
sich....
UND WOHIN AM WOCHENENDE.....
Am besten bereitet man sich auf die Koryphäen in Mainz an der
frischen Luft beim Open Air Schnell Schach in Frankfurt-Niederrad
oder Vellmar bei Kassel vor. Am kommenden Sonntag wäre es dann
soweit, also noch schnell gecheckt, ob da
Teilnehmerlistenabschluß- mäßig noch was geht:
Oder man plant noch zusätzlich die lange Variante mit ein und
schwimmt, wenn man denn schon im Niederräder Licht- und Luftbad am
Turnier teilnimmt, einfach rüber auf die andere Mainseite und
landet direkt in Frankfurt-Griesheim beim Karl-Mala-Open.
Morgen in einer Woche geht das schon los, aber es sollte auch
für bleierne Enten reichen, um den Main in dieser Zeit zu
schaffen.
Und wer das alles nicht mag, der liest eben ein Buch. Ich will
jetzt aber keine Replys bekommen, mit der Frage: "Und welches?"
Also, packt die Badehosen ein, wir sehen uns in Niederrad,
Griesheim oder eben später noch weiter stromabwärts!