Viswanathan Anand Standard-Simultan an 40 Brettern
Viswanathan Anand - Amtierender Weltmeister, Elo 2800
06. August 2010, 16:00 Uhr - Mainz, Goldsaal Hilton
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Großmeister unterliegt Landesligaspieler
„Schach ist (manchmal) ein Geschenk des Himmels.“

08.01.2013 - Vom 02. bis 06. Januar fand in Nordhessen das Bad Zwestener Schachfestival statt. Mit lediglich 48 Teilnehmern hätte dieses Open möglicherweise nicht den Weg auf diese Seite geschafft, hätte sich dort nicht Bemerkenswertes ereignet. Immerhin, an der Spitze der Startrangliste tummelten sich mit Andrey Orlov, Thomas Pähtz und Viesturs Meijers drei Großmeister, so dass einige Spannung um den Turniersieg in der Luft lag. Doch gleich zum Auftakt leistete sich Meijers einen Schnitzer besonderer Qualität. Er spielte mit den schwarzen Steinen gegen Andreas Weber (Bild) vom SC Flörsheim 1921 und wurde von diesem nach allen Regeln der Schachkunst in nur 24 Zügen im Smith Morra Gambit zerlegt! Der Ratingunterschied betrug 603 ELO-Punkte und sogar 725 DWZ-Punkte! Nein, Weber ist kein junger, unterbewerteter Nachwuchsspieler, sondern ein Anfangvierziger, der längst mehr Energie darauf verwendet, seinem Sohn zu einem guten Schachspieler zu machen. Und nun, mit dem GM-Skalp an seinem Gürtel, wird er beim Analysieren mit dem Filius und den Vereinskollegen stets die "Ich habe einen GM geschlagen, und Ihr?"-Karte ziehen können. Niemand wird ihm diesen Moment mehr nehmen, und sein Mitleid für Meijers sollte sich ebenfalls in Grenzen halten, denn dieser machte aus diesem Scheibenkleister tatsächlich noch Gold, indem er die nächsten 6 Partien und damit das Turnier gewann! Der deutsche Internationale Meister Christof Sielecki hat sich der besagten Partie in einer langen Video-Analyse angenommen, in welcher er auch nach Gründen für das meisterliche Versagen sucht. Wir haben uns zudem an den GM-Killer gewendet, ihn nach den Ereignissen in Bad Zwesten befragt und ein ausführliches und emotionales Statement erhalten.

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„Vielleicht war es ja gerade das Chess960, was mich so frei hat aufspielen lassen...“

Diese Aussage von Andreas Weber ist natürlich Wasser auf den Mühlen der Chess Tigers, bedarf jedoch einer kurzen Erklärung: Weber spielte bis kurz vor Weihnachten bei der 3. Frankfurter Chess960 Stadtmeisterschaft mit und gewann seine Ratinggruppe. Weber ist bekennender Angriffsspieler mit allerlei Gambits im Eröffnungsrepertoire. Wie er selbst freimütig zugibt, überzieht er im Bestreben, den gegnerischen König im Sturm zu erobern, oftmals, doch genau das hatte er in Bad Zwesten größtenteils im Griff.

„Ich bin mit allen Partien sehr zufrieden, weil ich, wie man auf der Homepage des Veranstalters nachspielen kann, sehr druckvoll und einfallsreich gespielt habe, ohne zu überziehen. Das ist ja sonst so mein Problem. Leider habe ich das in der letzten Runde gegen meine Mitkonkurrentin um den Ratingklassensieg doch wieder getan. Das wäre noch der krönende Abschluss gewesen und hätte mir etwa Platz 19 gebracht. So landete ich wieder mal nur irgendwo in der Mitte...“

Seelentröster war aber mein Sieg gegen den Kölner Zeitgenossen Kai-Uwe Schmidt (DWZ 1968), der mich, nachdem er aufgab, "Den schlimmsten Schmatzer, dem er je am Schachbrett begegnet ist" nannte...


Und so hält die Freude nach wie vor an:

„Man ist so dermaßen euphorisiert, dass ich heute noch - 5 Tage danach - grinsend rumrenne und heute sogar FM Sadeghi zum ersten Mal geschlagen habe - beim Chess960 (B9 Rally) in Bad Soden. Vielleicht war es ja gerade das Chess960, was mich so frei hat aufspielen lassen...“

Andreas Weber beim Chess960 im Chess Tigers Training Center

Und hier nun ungekürzt und noch voller Adrenalin die Ereignisse aus der Sicht des Siegers:

„Ich habe mit meiner Frau und meinem Sohn, der sehr gut abschloss mit seinen 11 Jahren, an Silvester bei unserem ersten Vorsitzenden Wolfgang Ruppert und seiner Familie gefeiert, und nach dem ein oder anderen „Bummstropfen“, einem Obstler von Claudia Ruppert, mit selbiger gescherzt: „Ha, und wenn ich jetzt gegen GM Viesturs Meijers komme, dann hole ich mir meinen ersten GM-SKalp..." Ich hatte ja noch nie so Recht.., Weil ich es ja so herauf beschwor, habe ich ihn auch gleich in der ersten Runde bekommen. Na prima...!

GM Viesturs Meijers beim...Chess960(!) in Waldbronn

Die Bummstropfen hatte ich wohl noch zwei Tage später im Blut, als ich ohne zu zögern und sehr schnell die ersten Züge gegen GM Meijers zog. Na klar spiele ich das Morra Gambit, wenn er schon 1…c5 spielt. Es kam zur gleichen Variante, die ich in total gewonnener Stellung im Mannschaftskampf der Landesklasse Süd gegen Frau Wolk aus Breuberg schockierend noch verloren hatte.

Meijers hatte zuletzt 6...Sf6?! gespielt, was in Fachkreisen wegen 7.e5! als zumindest fragwürdig angesehen wird. Man sollte meinen, ein Großmeister weiß das, aber der Lette ist eigentlich ein Russischspieler und hatte vermutlich nur zum Sizilianer gegriffen, weil er sich gegen den Amateur einen schnellen Sieg erhoffte.

Gut, dass ich damals verlor, denn ich glaube, ich habe mir eine Variante noch nie so genau angesehen wie diese Sf6-Variante. Es kommt zur kritischen Stellung nach e6.

Hier empfiehlt IM Marc Esserman, sofort Lf4 (Rybka 4) zu spielen, statt mit dem offensichtlichen Sc7+ den König rauszulocken.

Anmerkung der Redaktion: Besagtes Buch nennt sich „Mayhem in the Morra!“ und wurde beispielsweise in diesem Artikel auf Chessvibes.com vorgestellt.

Hier war ich aber schon so aufgeregt, dass mein Herz so stark gepocht hat, dass ich die ganze Zeit für mich Atemübungen machen musste, um nicht zu kollabieren. Denn ich wusste in dem Moment, als er auf Le3 mit der Mattdrohung auf c5 nicht Kd6 spielte, sondern b6: „Entweder, Andy, Du gewinnst jetzt gegen einen Großmeister oder nie mehr! Das kann nicht gut sein. Aber warum nur...??“

Es droht 13.Lc5#!

Die ganze Zeit im Kopf die gleiche Frage: „Warum ist b6 kein guter Zug? Du weißt er ist nicht gut, das hast Du doch schon x-mal durch...“

Ich hatte mich für die lange Rochade entschieden, anstatt - wie von IM Esserman empfohlen - kurz, denn der Turm steht da in meinen Augen halt sofort in der d-Linie. Ganz einfach. Außerdem habe ich das schon als Jugendlicher mit 15 mal bei den Schachfreunden Frankfurt in ähnlicher Stellung gesehen. Verrückterweise musste ich nach dem Zug b6 genau an Herrn Kasper denken, der damals im Mannschaftskampf der Schachfreunde ähnlich furchtbar untergehen musste. 27 Jahre später bekomme ich selbst die Stellung mit Weiß gegen einen Großmeister, irre...

Dann bekam ich kalte Füße. Soll ja bei so Patzern um die 1700 wie mir ja typisch sein. Ich machte ihm ein indirektes Remisangebot durch Zugwiederholung, war aber sehr entspannt, weil er das besser hätte annehmen sollen. Wäre er zurück nach d7 gegangen, so überlege ich halt noch mal, ob ich in ein besseres Endspiel überleite. Dann geht er plötzlich nach f6 raus!!

Kein Remis! Der Meister zog hier 18...Kf6?

Das habe ich nicht erwartet, und wieder die gleichen Gedanken: „Entweder, Andy, Du gewinnst jetzt gegen einen Großmeister oder nie mehr! Das kann nicht gut sein. Aber warum nur...??“

Erst mal Se8+ Schach, das ist doch prima! Nachdem ich seinen Springer mit Lb5 fesseln konnte, war mir sehr klar, dass er nicht mehr gewinnen kann. Auf einmal wurde ich plötzlich so richtig wach und selbstbewusst...

Dann ging es ganz schnell, a6 und Ld3+ Aufgabe!

The End

Ich glaube, ich war etwas zu laut nachdem der sympathische GM Meijers mir die Hand reichte...

Gratulation, Herr Meijers, dass Sie es dennoch zum Turniersieg geschafft haben. Sie sind ein erstaunlich guter Verlierer, selbst gegen einen 700 Punkte schwächeren Gegner blieben Sie ein Gentleman!

Ich habe gezittert am ganzen Körper, so etwas ist mir noch nie passiert. Es ist ein unglaubliches Gefühl gewesen, das ich so gar nicht mit irgendeinem Glücksgefühl vergleichen kann.

Schach ist (manchmal) ein Geschenk des Himmels.“

Partie nachspielen & downloaden


Und nun noch die gesamte Partie in der Videoanalyse von IM Christof Sielecki in Englisch:

Homepage Bad Zwestener Schachfestival



Mike Rosa

Published by Mike Rosa

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