Nachrichten Wachablösung bei der Schacholympiade Ukraine gewinnt sensationell die Goldmedaille vor Russland
30.10.2004 - Bei der 36. Schacholympiade in Calvià (Mallorca) gewann das Team aus der Ukraine sensationell den ersten Platz. Russland, ohne Kasparov und Kramnik, kam auf den zweiten Platz. Bei den Frauen gewann China erwartungsgemäß den ersten Platz.
Schacholympiade: Wachablösung im Weltschach
GM Vishy Anand (Indien) bei den
Chess Classic Mainz 2004
Abonnementssieger Rußland, als Nummer 1 der Setzliste und Favorit bei
der 36. Schacholympiade in Calvià (Mallorca) gestartet, musste sich der
Mannschaft aus der Ukraine geschlagen geben und belegte hinter dem Team
um GM Vassily Ivanchuk sensationell nur den zweiten Platz.
Die russische Mannschaft wurde von Morozevich an Brett 1 angeführt,
weiter spielten Svidler, Grischuk, Dreev, Khalifmann und Zvjaginsev für
das russische Team.
Fehlanzeige gab es bei den bekannteren Namen: So verzichtete Kasparov
auf einen Start und Judith Polgar (Ungarn) macht zur Zeit Baby-Pause.
Weltmeister Kramnik (Russland) und sein Herausforderer Peter Leko
(Ungarn) fehlten. Die FIDE, die Veranstalter der WM in Brissago und der
Schacholympiade in Calvià hatten wieder einmal mehr demonstriert, dass
interne organisatorische Schwierigkeiten durchaus konsequent fortgesetzt
werden: Die Terminüberschneidung der WM in Brissago mit dem
Weltschach-Ereignis in Calvia und damit das Fehlen von Kramnik und Leko war das Ergebnis dieser Bemühungen.
Hinter Russland schob sich das Team aus Armenien überraschenderweise
auf Platz 3 und sicherte sich somit die Bronzemedaille. Auf Platz 4 plazierte sich das Team USA, gemäß Setzliste nur auf Rang
10 bewertet. Das deutsche Team erreichte Platz 16.
Das Team aus Indien etablierte sich unter der Führung von GM und
Schnellschachweltmeister Vishy Anand in der Weltspitze auf Platz 6,
nachdem sie bei der letzten Teilnahme an einer Schacholympiade 1992 in
Manila noch auf Platz 22 der Welt rangierten (in der Besetzung Anand,
Barua, Thipsay, Ravi, Prasad und Babu). Doch bei der diesjährigen
Schacholympiade präsentierten sich das indische Team stark verbessert:
Vishy Anand hat sich mittlerweile mit 2781 ELO-Punkte auf Platz 2 der
FIDE-Weltrangliste vorgearbeitet, auf den weiteren Brettern spielten mit
Sasikiran, Harikrishna, Ganguly, Kunte und Sandipan stark verbesserte
Großmeister.
Aufsteiger und Absteiger
Viktorija Cmilyte aus Littauen (rechts) und
Antoaneta Stefanova aus Bulgarien (links) bei den Chess Classic Mainz
2004
Bei den Herren erzielten einige Mannschaften ein besseres Ergebnis
als ihre Papierform zu Anfang des Turniers erkennen ließ. Das Team der USA
verbesserte sich um 6 Ranglistenplätze (Differenz zwischen Setzliste und
Endplazierung), Kuba um +11, Griechenland um +13 und Usbekistan und die
Schweiz um +16. Grosse Freude herrschte bei der Mannschaft um GM Eugenio
Torre aus den Philippinen. Vor Beginn des Turniers waren sie auf Platz
40 gesetzt, am Ende landeten sie bravourös auf Rang 19, eine
Ergebnisverbesserung um 21 Ranglistenplätze. Bittere Erfahrungen mussten
England (-24), Schweden (-20), China (-18) und Frankreich (-11) machen:
Sie erreichten nicht ihre Normal-Form und landeten auf niedrigeren
Ranglistenplätzen als erwartet.
Bei den Damen gewann China in der Besetzung Jun Xie, Yuhua Xu, Xue Thao und
Qian Huang erwartungsgemäss die Goldmedaille. Das Team aus den USA konnte sich die Silbermedaille sichern,
Rußlands Frauen kamen auf den dritten Platz und gewannen Bronze.
In der Wertung der an Brett 1 startenden Spitzenspieler kam GM Vishy
Anand (Indien) mit einer Quote von 72,7% auf den 6. Platz, hinter
Evgenij Ermenkow (Palästina), Andres Rodriguez (Uruguay), Michael Adams
(England) Vassily Ivanchuk (Ukraine) und Oscar de la Riva Aguado
(Andorra). Beste Spielerin an Brett 1 war Viktorija Cmilyte aus Litauen, gefolgt
von der Ungarin Susan Polgar, die für das Team USA startete.