TopTurniere WM 2012 - Entscheidet erneut die letzte Partie? Sicheres Schwarzremis für Anand in Partie 11 Weiterer Ruhetag am Sonntag
26.05.2012 - Es war wahrlich nicht einfach für den amtierenden Weltmeister, seinen Herausforderer bei dieser WM in der Eröffnung zu überraschen - zu gut war die Vorbereitung von Boris Gelfand. Doch in der heutigen elften Partie gelang Viswanathan Anand mit 8...Ld7 im Nimzoinder zumindest ein psychologischer Sieg, denn sein Gegner versank daraufhin in extrem langes Nachdenken auf der Suche nach Erinnerungen und einem Plan. Dass Gelfand letztlich trotz bedrohlich knapp werdender Zeit ordentlich spielte, unterstreicht nicht zuletzt die besondere Qualität des Israeli und seine Legitimation als Herausforderer. Zwar holte er keinen nennenswerten Vorteil mit den weißen Steinen, aber das von vielen Kiebitzen prognostizierte Fiasko blieb aus. Unter dem Strich steht ein 24-zügiges Remis, welches natürlich eher Anand gefallen dürfte, darf er doch am Montag die letzte Weißpartie eröffnen. Das Szenario kennen wir bereits von 2010, als der Champion in der letzten Partie gegen Veselin Topalov siegte, doch damals hatte Vishy Schwarz. Mal schauen, ob auch Gelfand die Sorge vor einem Schnellschach-Tiebreak zu einer Verzweiflungstat verleitet...
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Name
NAT
ELO
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
Total
Perf.
+/-
V. Anand
IND
2791
½
½
½
½
½
½
0
1
½
½
½
-
5.5
2727
-10
B. Gelfand
ISR
2727
½
½
½
½
½
½
1
0
½
½
½
-
5.5
2791
+10
Boris Gelfand (2727) vs. V. Anand (2791) WM 2012, Moskau - Partie 11 (E54 - Nimzoindisch)
1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.e3 0–0 5.Ld3 d5 6.Sf3 c5 7.0–0 dxc4 8.Lxc4 Soweit folgten die Spieler der neunten WM-Partie, doch mit 8...Ld7 schlug der Weltmeister einen anderen Weg ein.
Dieser Zug wird deutlich seltener gespielt, gehört aber definitiv zu den zahlreichen Hauptvarianten des Nimzoinders. Ein Freund dieses Läuferzuges ist beispielsweise der legendäre Viktor Korchnoi. Gelfand jedenfalls schien zumindest leicht überrascht, denn er nahm sich schon in diesem frühen Stadium der Partie sehr viel Zeit.
11...Lxc3!?N Das kam durchaus überraschend, denn Schwarz hätte ja schließlich schon nach 9.a3 auf c3 schlagen können. Aber offenbar wollte Anand erst den weißen Turm auf d1 sehen, bevor sich am Springer schadlos hält.
12.bxc3 Sbd7 Die schwarze Strategie zielt auf die Kontrolle von d5 und e4 ab und den zunächst schlecht postierten schwarzfeldrigen Läufer von Weiß.
13.Ld3 Weiß seinerseits möchte eventuell e4 spielen und mit 13...Da5 gestattet es der Weltmeister sogar.
13...Le4, um den weißen e-Bauer zu blockieren, war auch eine mögliche Idee. z. B. 14.Sd2 Lxd3 15.Dxd3 Dc7=
14.c4 Gelfand wählt eine ruhigere Herangehensweise.
14.e4 bot sich natürlich an und hätte zu allerlei Verwicklungen geführt. Besonders dann, wenn Schwarz das Bauernopfer annimmt: 14...Dxc3 15.Ld2 Db3 (15...Db2?? 16.Tdb1+–) 16.a4!? Db6 mit unklarer Lage. Weiß hat für den Bauern das Läuferpaar und die bessere Entwicklung.
14...cxd4 15.exd4 Dh5 Der Schwenk auf den Königsflügel war also der eigentliche Plan von Da5. 16.Lf4 Der natürliche Zug mit der Idee Se5.
16...Tac8
16...Lxf3!? wollte Anand offenkundig nicht, denn dann hätte er erneut mit zwei Springern gegen das Läuferpaar spielen müssen.
17.Se5 Dxe2 18.Lxe2 Sxe5 19.Lxe5 Schlecht ist die Eröffnung für Weiß nicht gelaufen, er steht mit dem Läuferpaar leicht besser. Aber dafür hatte Gelfand hier fast eine Stunde weniger auf der Uhr als Anand!
19...Tfd8 20.a4 Laut Bischoff die schärfste Herangehensweise an die Stellung.
20.f3, um dem schwarzen Springer das Feld e4 zu nehmen kam auch in Betracht.
20...Se4 Anand wählt seinerseits die prinzipiellste Fortsetzung. Es "droht" Sc3, was Gelfand mit 21.Td3 bedient. 21...f6 22.Lf4 Le8! Nun übt Schwarz maximalen Druck auf das weiße Zentrum aus. 23.Tb3
23.c5 lautet der Vorschlag der meisten Computer, allerdings schwächt dieser Zug das Feld d5 empfindlich.
23...Txd4 24.Le3 Td7 Mit Remisangebot gespielt, welches akzeptiert wurde. ½-½
Doch 8...Ld7 warf den Herausforderer offensichtlich aus der Vorbereitung
"Bisher war es doch meistens an mir, Überraschungen zu bringen!"
Solche Grimassen kannte man eigentlich nur von Garry Kasparov...
Lange, lange saß Gelfand alleine auf der Bühne und grübelte
Das wunderte auch Dirk Jan ten Geuzendam und Peter Svidler im englischen Kommentar
50 Minuten weniger für Gelfand...
Die weltmeisterliche Überraschung war zumindest auf der Uhr ein voller Erfolg
Bei der Pressekonferenz gab Gelfand zu, in der Eröffnung überrascht worden zu sein
Auf die Frage, ob es nicht gefährlich sei, gegen Anand in den Schnellschach-Tiebreak zu gehen, weil dieser zu den besten Spielern in dieser Disziplin zähle, antwortete Gelfand, dass Anand einer der Besten - wenn nicht DER Beste in allen Zeitkontrollen sei. Sonst wäre er nicht über Jahre der Weltmeister.
Um vorbereitet zu sein, gab Anand an, auch die eine oder andere Blitzpartie mit seinem Team zu spielen, legte aber Wert darauf, dass vorher noch eine "normale" Partie und ggf. ein Schnellschach-Tiebreak zu spielen sei.