TopTurniere WM 2012 - Gelfand geht in Führung Der Weltmeister im Zugzwang
20.05.2012 - Als glühender Fan von Viswanathan Anand fällt es naturgemäß schwer, objektiv zu berichten, aber man muss Boris Gelfand zweifellos zugestehen, dass er in der heutigen siebten Partie der Schach-WM in Moskau der bessere Spieler war. Zum ersten Mal holte der Israeli gegen die Slawische Verteidigung seines Gegners einen klaren Vorteil heraus und gewann verdient. Entscheidend war, dass Anand seinen weißfeldrigen Läufer nicht ins Spiel bekam und diesen letztlich sogar verlor. Damit hat der Champion keine Wahl mehr, er muss eine der verbleibenden fünf Partien gewinnen. Dabei wird er noch drei Mal die weißen Steine führen, aber wir wissen ja nicht zuletzt seit Sofia, dass er jederzeit auch mit Schwarz siegen kann. Wer weiß, vielleicht kann Vishy ja schon morgen - als Weißer - zurückschlagen. Wir drücken ihm völlig subjektiv die Daumen!
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Name
NAT
ELO
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
Total
Perf.
+/-
V. Anand
IND
2791
½
½
½
½
½
½
0
-
-
-
-
-
3.0
2678
-11
B. Gelfand
ISR
2727
½
½
½
½
½
½
1
-
-
-
-
-
4.0
2840
+11
Boris Gelfand (2727) vs. V. Anand (2791) WM 2012, Moskau - Partie 7 (D45 - Slawisch)
1.d4 d5 2.c4 c6 3.Sc3 Sf6 4.e3 e6 5.Sf3 a6 6.c5 Ein neuer Zug in diesem Match. Bisher spielte Gelfand 6.b3 und 6.Dc2. Aufgrund der Struktur tippte Co-Kommentator GM Peter Leko auf eine lange Positionspartie.
6...Sbd7 7.Dc2 b6 Auf Top-Niveau wurde dieser Zug bisher noch nicht versucht.
In den wenigen Vorgängerpartien wurde nur 8...Dxb6 oder 8...c5 versucht.
9.Ld2 c5 10.Tc1 Vielleicht nicht nur für Leko eine Überraschung.
Der ungarische Top-GM hatte eher mit 10.dxc5 Lxc5 gerechnet. 11.Sb5 könnte mal eine Idee sein, wobei hier wohl 11...Se4! folgen würde, wonach der Läufer gedeckt wäre. Will Weiß seinen letzten Zug nicht zurücknehmen, muss er wohl 12.b4!? versuchen. z. B. 12...axb5 13.bxc5 (13.Lxb5+ Ld7 14.Lxd7+ Sxd7 15.bxc5 Sdxc5 sieht gut aus für Schwarz.) 13...Sc4 14.Lb4 mit sehr komplizierter Lage.
10...cxd4 Schwarz musste eine Entscheidung mit dem c-Bauer treffen.
Falls 10...Le7?, folgt nämlich 11.dxc5 Lxc5 12.Sxd5, und schwupps da ist der Bauer weg.
11.exd4 Ld6 Hatte Anand bisher etwas mehr Zeit als sonst in die Eröffnung investiert, war es nun an Gelfand, in längeres Nachdenken zu versinken.
12.Lg5 0–0 13.Ld3 h6 14.Lh4
14.h4?! sieht nett aus, bringt aber nichts, weil Schwarz natürlich nicht auf g5 schlagen wird und dann die weiße Struktur am Königsflügel geschwächt ist.
14...Lb7 15.0–0 Der Punkt e5 könnte eine entscheidende Rolle spielen. Gelingt es Weiß, dort (dauerhaft) einen Springer zu postieren, steht er gut.
15.Lxf6?! Dxf6 16.Db3 gewinnt mitnichten eine Figur. 16...Dd8, und Schwarz erfreut sich am Läuferpaar.
15.De2!? mit der "Einnistung" Se5 gefiel Klaus Bischoff gut. Eventuell könnte man so auch die "Matt-Batterie" auf der Diagonalen b1–h7 aufbauen.
15.Db3 mit der Idee 15...Tb8 16.Lxf6 gxf6 17.Lb1? nebst Dc2 ist nicht sehr zu empfehlen. Schwarz spielt wohl 17...e5 und kann so nicht nur aller Mattdrohungen Herr werden, sondern seinerseits einen starken Angriff aufbauen.
15...Db8!? Der Weltmeister gießt Öl ins Feuer! Die Dame schielt nicht nur nach h2, sondern will auch e5 überdecken. Dafür erlaubt es natürlich das Schlagen auf f6...
Eine andere Idee war, mit 15...Lf4 den Turm von der c-Linie zu vertreiben.
16.Lg3 Gelfand traut dem Braten nicht und spielt lieber prinzipiell auf den Abtausch des schwarzfeldrigen Läufers.
16.Lxf6!? gxf6 17.Se2 Tc8 18.Dd2 Lf8 hätte Weiß möglicherweise gute Angriffschancen versprochen. Zumindest gefiel das den emotionslosen Engines und damit dem Gros der Kiebitze. Die Großmeister Leko und Bischoff waren sich indes gar nicht so sicher, ob Weiß viel gehabt hätte.
16...Tc8 17.De2
17.Se5 Se4 18.Lxe4 dxe4 19.De2 f5 ist nicht sonderlich gefährlich für Schwarz.
17...Lxg3 18.hxg3
Auch 18.fxg3!?, um die f-Linie für den Turm zu öffnen, hatte seine Berechtigung gehabt.
18...Dd6 19.Tc2 Sbd7 20.Tfc1 Ohne Zweifel steht Weiß hier besser. Der "unechte" Isolanie auf d4 kontrolliert mit e5 und c5 wichtige Felder, während der schwarze Läufer auf b7 nicht gerade eine Pracht ist. Letztlich wird genau diese Tatsache dem Schwarzen die Partie kosten.
20...Tab8
Gelfand schlug in der Pressekonferenz 20...Te8 vor, um eventuell mit e5 Linien zu öffnen.
21.Sa4
Erst 21.a3 war der Favorit von Bischoff, in der Hoffnung, mit Sa4 und b4 einen Springer auf c5 zementieren zu können.
21.Se5 Db4 22.De3 Sxe5 23.Dxe5 Sd7 hätte die Stellung zu sehr vereinfacht.
21...Se4 Hier war unser deutscher Kommentator sehr überrascht, dass Anand auf den Tausch eines Turmes verzichtete.
21...Txc2 22.Txc2 (22.Dxc2!? leitet ein "witziges" Damenopfer ein, welches nach 22...Tc8 23.Dxc8+!? Lxc8 24.Txc8+ Sf8 25.Sc5 halbwegs funktioniert für Weiß, aber Vorteil dürfte Weiß hier kaum haben.) 22...Lc6 23.Sc5 Lb5 24.Lxb5 axb5 sollte halbwegs ausgeglichen sein.
22.Txc8+ Lxc8 23.Dc2 g5?! Dieser Vorstoß wurde allenthalben getadelt und dürfte auch dem Weltmeister nicht leicht von der Hand gegangen sein. 24.Dc7! Jetzt ist Schwarz in ernsthaften Schwierigkeiten, da er dem Damentausch kaum ausweichen kann und dann die weißen Figuren den Damenflügel dominieren.
24...Dxc7 25.Txc7 f6? Das führt wohl endgültig in eine Verluststellung für Schwarz.
25...Sef6 war wohl eine bessere Möglichkeit, wenngleich Weiß nach 26.Sc5 auch sehr gut steht.
26...dxe4 27.Sd2 f5 28.Sc4 Sf6 29.Sc5+– Der Läufer auf c8 ist nicht mehr zu halten.
29...Sd5 30.Ta7 Sb4 31.Se5 Sc2 32.Sc6 Txb2 Schwarz versucht noch einen letzten Gegenangriff. 33.Tc7 Tb1+ 34.Kh2 e3 35.Txc8+ Kh7 Der blanke König hat natürlich keine Chance gegen den Turm und die Springer.
36.Tc7+ Kh8 37.Se5 Weiß kann sich sogar erlauben, den e-Bauer laufen zu lassen. 37...e2
37...exf2 38.Sxe6 f1S+ 39.Kh3 g4+ 40.Kh4+–
38.Sxe6 Gegen Sg6+ nebst Tg7# gibt es keine vernünftige Rettung. Schwarz gab auf. 1-0