Nachrichten SC König Nied wurde 50 Krönender Abschluss des Jubiläumsjahres (Ein Bericht von Walter Gräbner)
23.01.2012 - Der Schachclub 1961 König Nied e.V. (in Frankfurt am Main) feierte im vergangenen Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Die sportlichen Erfolge konnten sich im Lichte des Jubiläums durchaus sehen lassen, schafften doch alle vier Mannschaften den Sprung in die nächsthöhere Klasse. Das Flaggschiff des Vereins, die erste Mannschaft, spielt in der laufenden Saison wieder in der Hessenliga und darf als Sieger der hessischen Pokal-Mannschaftsmeisterschaften in diesem Jahr an der deutschen Pokalmeisterschaft für Mannschaften teilnehmen. Als geselliger krönender Abschluss fand am 03.12.2011 im Haus Nied die Jubiläumsfeier des Vereins statt. Die Organisatoren hatten einen Termin gewählt, der zeitnah am Gründungstag (01.12.) vor 50 Jahren lag. Die Renovierungsarbeiten im Haus Nied waren rechtzeitig abgeschlossen, sodass uns zwei Clubräume zur Verfügung standen, die den annähernd 50 Anwesenden eine heimelige Atmosphäre boten.
Die besten Seminare Deutschlands
Auch 2012 bietet das Chess Tigers Training Center in Bad Soden wieder für Jedermann hochwertige Seminare mit den besten Trainern und den größten Experten Deutschlands an. Am 18. & 19. Februar wird der FIDE-Trainer GM Michael Prusikin ein Seminar zum Thema Französische Verteidigung halten. Den 10. & 11. März haben wir für Sie und André Schulz reserviert. Lernen Sie von dem Chef-Redakteur aus dem Hause ChessBase persönlich den souveränen Umgang mit Chessbase & Fritz! Am 05. & 06. Mai haben wir für Sie erneut den Guru der Endspiele, GM Karsten Müller, zum Thema Endspielstrategie verpflichtet. Nach diesen beiden Tagen werden Sie Endspiele lieben!
Die Schachfreunde Oliver Uwira und Walter Gräbner hatten einen abwechslungsreichen Programmablauf vorbereitet. Fürs leibliche Wohl zeichneten Wolfgang Pitzke und Thomas Zöller federführend verantwortlich, neben zahlreichen weiteren Spendern, denen an dieser Stelle nochmals ausdrücklich gedankt sei.
Werner Hölzenbein
Fast pünktlich um 16 Uhr wurde die Feier mit einem Sektempfang nebst Imbiss für Mitglieder, Angehörige und Gäste aus benachbarten Schachvereinen eröffnet. Anschließend begrüßte der 1. Vorsitzende Werner Hölzenbein die Anwesenden und referierte über die 50-jährige Geschichte des Vereins. MTS-Vorsitzender Philipp Herzberger überbrachte Grüße der Main-Taunus-Schachvereinigung. Sfr. Wolfgang Kossack, das mit 83 Jahren älteste Vereinsmitglied, wurde für 50-jährige Mitgliedschaft geehrt und mit der goldenen Ehrennadel des Vereins ausgezeichnet, die ihm Oliver Uwira überreichte.
Philipp Herzberger
Oliver Uwira steckt Wolfgang Kossack die Ehrennadel an
Die goldene Ehrennadel des SC 1961 König Nied
Der Vorsitzende mit seinem ältesten Mitglied
Sodann konnte sich das Publikum an einem Stummfilm aus den Anfangszeiten des Vereins vergnügen, den der verstorbene Schachfreund. Erich Heilig 1963 mit Laiendarstellern des Clubs gedreht hatte. Es handelt sich um einen in Super-8 aufgenommenen Kurzspielfilm, den man im vergangenen Jahr digitalisiert hatte. Der Film handelt von Besuch eines arabischen Scheichs, der als Superblitzweltmeister vom Nieder Lokalmatador herausgefordert wird. Der Wettkampf endet – Überraschung! - mit einem friedlichen Remis.
Stummfilmzeit
Der Käfer des Nieder Helden hat eine Panne
Oh Schreck, der Scheich ist schon da!
Anschließend kündigte Moderator Oliver Uwira den kulturellen Teil der Feier an. Walter Gräbner gab eine selbst verfasste amüsante Schach-Version von Goethes Erlkönig zum Besten, für die er begeisterten Beifall erntete. Sodann führte Thomas Zöller die Zuhörer in die Thematik Schach und Literatur ein und hielt einen interessanten Vortrag über Vladimir Nabokovs Roman „Lushins Verteidigung“.
Erlkönig - die Schachversion von Walter Gräbner (frei nach Johann Wolfgang von Goethe)
Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Nicht Vater, nicht Kind, ich erklär es geschwind:
Es reitet so forsch heraus aus dem Schloss
der schachliche König mitsamt seinem Tross.
Er ist, ich glaub, aus Erlenholz geschnitzt,
heißt deshalb wohl Erlkönig, das wär´ gewitzt.
Er zieht in den Kampf um Ruhm, nicht um Geld,
die Bretter des Schachs sind seine Welt.
Große Gefahren gilt es zu bannen,
er schickt ins Gefecht all seine Mannen:
„Ihr tapferen Kämpfer, geht mit mir,
gar schöne Spiele spielen wir hier.“
Den Offizieren gibt er die Kunde:
Entwicklung heißt das Gebot der Stunde.
Wer reitet so flott von g1 nach f3?
Das Ross seines Königs, es ist so frei.
Die Dame versucht, sich nicht zu verletzen,
derweil die Bauern das Zentrum besetzen.
Es öffnen sich Linien und Diagonalen,
der Taktiker frohlockt und fängt an zu strahlen.
War das jetzt Indisch, Caro-Kann oder Spanisch?
Wer weiß? Das macht manchen panisch.
Man kombiniert und taktiert ohne Gnade
mal inmitten, mal fernab theoretischer Pfade.
Während der Gegner liegt auf der Lauer,
kommt ihm abhanden plötzlich ein Bauer.
Der Kiebitz rätselt über den Schritt:
war das jetzt eingestellt oder ´n Gambit?
Man lässt die Truppen aufmarschieren,
um feindliche Angriffe zu parieren.
Die Gefahr erkennend und voll im Bilde
Rochiert der König in sichere Gefilde.
Da steht er jetzt mit Kron´ und Schweif,
das Schlachtfeld erscheint ihm als Nebelstreif.
„Sei ruhig, bleib ruhig, el Torre, mein Turm,
im letzten Zuge steckt wohl der Wurm.“
Der feindliche Läufer, auch Bishop genannt,
kommt von weit her angerannt,
fährt die Attacke mit viel Geschrei,
und opfert sich schneidig und kühn auf f2,
Der f-Bauer wimmert: „jetzt fasst er mich an,
der Läufer hat mir ein Leid getan!“
„Mein König, mein König und siehst du nicht dort,
die feindliche Dame am düsteren Ort?“
„Das macht nichts, ich seh es genau,
die kann mir nichts anha‘m, ist bloß ´ne Frau.“
„Mein König, pass auf, was versperrt dir die Sicht?
Siehst, König, du die Mattdrohung nicht?“
„Ein Matt soll mir drohen? Dass ich nicht lache!“
„Mein König, ich bitt´ dich: erwache!“
Die Dame in Schwarz über Korn und Kimme
peilt und säuselt mit lüsterner Stimme:
„Ich will dich, mich reizt deine schöne Gestalt,
und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt!“
Da grauset´s dem König, er reitet geschwind,
auf dass das rettende Ufer er find´t,
merkt letztlich, dass er kein Feld mehr hat,
in seiner Ecke der König ist - matt!
Der nächste Teil der Veranstaltung war, wie es sich für einen dem Denksport frönenden Verein gehört, geistigen Aktivitäten gewidmet. Walter Gräbner hatte einen Problemlösungswettbewerb mit vier Aufgaben und ein Quiz mit 10 Fragen aus Randbereichen des Schachs (Schach und Literatur/Kultur/Politik) vorbereitet. Bei den Schachaufgaben war Michael Dehl Bester, das Quiz gewann das Gästeteam vom SC Frankfurt-West (Claus Henrici und Markus Busche).
Walter Gräbner löste die aufgebauten Probleme auf
Am Abend wurde dann das rustikale Büffet eröffnet und für das leibliche Wohl gesorgt. Bei Fleischkäse, Frikadellen, Nudelsalat nebst Bier und Wein kamen die Hungrigen und Durstigen voll auf ihre Kosten und bei gemütlichem Beisammensein klang der unterhaltsame Abend zu später Stunde und allgemeiner Zufriedenheit der Gäste aus. Alles in allem ein gelungener Abschluss des erfolgreichen Jubiläumsjahres!