TopTurniere Carlsen gewinnt Chess Masters Final 2011 Ivanchuk unterliegt im Blitz-Tiebreak
11.10.2011 - Obwohl sich alle Beteiligten redlich mühten, in den Spitzenduellen zwischen Hikaru Nakamura und Magnus Carlsen sowie Vassily Ivanchuk gegen Levon Aronian wurde in der 10. und letzten Runde des Chess Masters Final die Remisbreite nie ernsthaft verlassen. Somit kamen Carlsen und Ivanchuk punktgleich als Führende über die Ziellinie und mussten in den Blitz-Tiebreak um den Turniersieg. Zuvor mussten sie aber noch abwarten, bis Weltmeister Viswanathan Anand gegen Francisco Vallejo gewonnen hatte, doch der Inder ließ seine Kollegen nicht allzu lange warten. Letztlich wurde es dennoch 20:10 Uhr, als sich die Kontrahenten nochmals in den Glaskasten begaben. Gespielt wurden zwei Blitzpartien mit der Bedenkzeit 4 Minuten plus 3 Sekunden. Die erste Partie endete mit Carlsen als Weißspieler unentschieden und in der zweiten kam Ivanchuk als Anziehender gut aus der Eröffnung. Doch dann ging die Initiative an Carlsen über, welcher daraufhin entscheidend mit sämtlichen Kräften den weißen König so lange belagerte, bis der Widerstand letztlich krachend zusammenbrach.
Allgemeine Informationen
Das Chess Masters Final São Paulo / Bilbao 2011 fand vom 26. September bis 01. Oktober Im brasilianischen São Paulo statt und zog zur Halbzeit ins spanische Bilbao um, wo dann vom 06. bis 11. Oktober die zweite Hälfte ausgetragen wurde.
Die Bedenkzeit betrug 90 Minuten/40 Züge + 60 Minuten für den Rest der Partie + 10 Sekunden/Zug ab dem 41. Zug. Remisangebote waren ohne Absprache mit dem Schiedsrichter nicht gestattet.
Mit einem ELO-Schnitt von sensationellen 2780 wurde die bisher höchste Turnierkategorie 22 erreicht.
Alle weiteren Informationen entnehmen Sie der offiziellen Veranstaltungsseite.
Magnus Carlsen startete mäßig bis schlecht ins Turnier, aber die unglückliche Niederlage gegen Vallejo in der 3. Runde sollte seine einzige bleiben und somit verlor er nie ganz den Anschluss an Ivanchuk. Im Gegenteil, er ist letztlich der einzige Spieler, der dem Ukrainer eine Doppelnull verpassen konnte und hat das Chess Masters Final damit verdient gewonnen. Mit seinem Triumph hat die Nr. 1 der Weltrangliste der Karriere einen weiteren Meilenstein hinzugefügt und es werden noch viele weitere folgen!
Vassily Ivanchuk startete wie die Feuerwehr ins Turnier und stellte frühzeitig sicher, dass der Turniersieg nur über ihn führen würde. Das 3 Punkte-System ließ seinen Vorsprung teils auf scheinbar uneinholbare Höhen anwachsen, aber kurz vor der Abreise aus São Paulo musste der Ukrainer zwei schwere Schläge verkraften. Erst gab ihm Carlsen einen Null mit auf die Reise und dann wurde er mit seiner Gattin auch noch kurz vor Reiseantritt mit Waffengewalt beraubt. Nach kurzem Zögern setzte Ivanchuk daraufhin das Turnier in Bilbao fort und startete erneut mit einem Sieg. Zum Ende schien ihm dann etwas die Puste auszugehen - ausgerechnet in der wichtigsten Partie gegen Carlsen hing er dann komplett durch und musste erleben, wie selbiger gleichzog und letztlich das schnellere Händchen hatte.
Für Hikaru Nakamura wäre statt des geteilten dritten Ranges der alleinige oder sogar mehr möglich gewesen, aber mit seinem völlig unnötigen Verlust durch Zeitüberschreitung in der 9. Runde gegen Vallejo beraubte sich der Amerikaner selbst eines noch besseren Ergebnisses.
Tja, mit einer ELO jenseits der 2800 reichen auch 50 Prozent bei einem Turnier der Kategorie 22 nicht um ohne Verluste davon zu kommen. Dennoch, Levon Aronian nimmt mit seinem überzeugenden Sieg in der 9. Runde gegen den Weltmeister eine prima Erinnerung mit aus Bilbao.
Viswanathan Anand erwischte kein gutes Turnier und es darf munter spekuliert werden, woran es lag. Tatsache ist, gegen Vallejo gelang ihm das, was sich die anderen Kollegen auch vorgenommen hatte, nämlich zwei Siege. Doch dem gegenüber stehen die Niederlagen gegen Ivanchuk und Aronian, die aber auch einem Champion einfach mal unterlaufen können und schlicht menschlich sind.
Francisco Vallejo Pons erfüllte zu seinem Leidwesen die Rolle des Punktelieferanten mit Abstrichen nahezu perfekt. Man muss dem Spanier bestätigen, dass er in fast allen Partien aktiv zu Werke ging und keine Verwicklungen scheute, aber letztlich regelmäßig ausgespielt wurde. Es hätten gut und gerne 5-6 Punkte weniger sein können, wenn sich Carlsen und Nakamura gegen ihn nicht selbst umgebracht hätten.