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Sven Noppes
11.05.2005 - ... ist die deutsche ,,Nachwuchshoffnung" auf dem Gebiet der Schachorganisation. Obwohl erst 29 Jahre alt, hat er gemeinsam mit den Schachfreunden Deizisau mit dem Neckar-Open das größte deutsche Open etabliert. Daneben machte ihn sein Freund und Förderer Hans-Walter Schmitt schon vor Jahren zum Schiedsrichter der Chess Classic, wo er zum Beispiel 2000 in Frankfurt ein Schnellturnier (zweifellos schwerer zu schiedsen als ein ,,normales") mit den Top Ten der Weltrangliste leitete. Und das, obwohl er noch nicht ,,Internationaler Schiedsrichter" ist (,,Nach diesem Titel wurde ich noch nie von einem Turnierorganisator gefragt").

Noppes ist ledig und arbeitet als diplomierter Bankbetriebswirt bei der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen als Risikomanager im Firmenkundengeschäft und im Bereich Leasing. Als Hobbys nennt er neben dem Schach und der Veranstaltungsorganisation, die sich nicht nur auf den schachlichen Bereich beschränkt, Musik und Literatur.

1. Wer ist Ihrer Meinung nach die am meisten über und die am meisten unterbewertete Persönlichkeit der Schachgeschichte?

Bezogen auf die Spielstärke möchte ich mir kein Urteil erlauben. Für unterbewertet halte ich im Umfeld des Schachs jedoch gute Trainer, Sponsoren und Organisatoren bzw. Veranstalter. Mit Schach wird zwar immer strategisches und logisches Denken in Verbindung gebracht, ich habe jedoch den Eindruck, dass viele Spitzenspieler genau diese Eigenschaften neben dem Schachbrett nicht leben. Gutes, systematisches Training ist mir bisher nur selten begegnet. Sponsoring im eigentlichen Sinne, dass für das Geld, das dem Sport zur Verfügung gestellt wird, auch ein wirtschaftlicher Gegenwert entgegensteht, bzw. der Sport dem Sponsor ein gutes und wirtschaftliches Angebot macht, ist nur selten der Fall. Organisatoren und Veranstalter, die nicht nur an die Spitzenspieler, sondern auch an die Kunden und Zuschauer denken, müssen oft den Eindruck gewinnen, sie seien Nestbeschmutzer statt Förderer des Sports. Bei mir beklagen sich häufig Spieler, dass sie mit Schach kein Geld verdienen können. Das sehe ich nicht so, man muss nur ein gutes Angebot machen und genau daran hapert es eben. Mit einer Elo von 2500 den Anspruch zu erheben, von reinen Preis bzw. Antrittsgeldern sehr gut leben zu können, weil es in anderen Sportarten auch so ist, ist völlig unrealistisch. 2500 bedeutet in Deutschland Nummer 39 und in der Weltrangliste Nummer 638 zu sein. Mir fallen nicht viele Sportarten ein, in denen man als Nummer 638 in der Welt ein gutes und regelmäßiges Einkommen bezieht.

2. Was halten Sie für die schädlichste Entwicklung im modernen Schach?

Dass unsere Institutionen und Verbände unprofessionell und zum Teil von unseriösen oder zumindest zweifelhaften Personen geführt werden. Nehmen wir das Beispiel Fide. Welches seriöse Unternehmen macht mit so einem Verband bzw. seinem Präsidenten Geschäfte? Es würde immer das Risiko eingehen, mit Personen in Verbindung gebracht zu werden, von denen man - im besten Falle! - nicht weiß, mit welchen Methoden bzw. wie sie ihr Geld verdienen. Beispiel zwei: Deutscher Schachbund. Wie es seinem Präsidenten Herrn Schlya im letzten Jahr beim Championsdinner in Mainz gelang, in seiner Rede den Organisator, Herrn Schmitt, und indirekt seine Sponsoren anzugreifen, grenzte für mich an verbandsschädigendes Verhalten. So zumindest kann man bei Sponsoren keinen Euro locker machen.

3. Mit welchem Slogan würden Sie für Schach werben?

,,Schach: Wissen ist matt!"

4. Mit welchen Vorurteilen über Ihr Schach oder Ihre Person würden Sie gerne aufräumen?

Vorurteile, die mir gegenüber bekannt sind, kann ich meist nicht komplett ausräumen. Von meinen Kolleginnen bekomme ich regelmäßig an den Kopf geworfen, ich wäre nicht in der Lage, einen Haushalt zu führen. Sicher etwas übertrieben, aber die Mädels haben immer ihren Spaß dabei. Sonst habe ich in letzter Zeit vernommen, ich sei arrogant, unpünktlich, zu schnell mit dem Auto unterwegs und besitzergreifend. In der jeweiligen Situation waren diese Vorwürfe zumindest nachvollziehbar, wobei mich der letzte Punkt am ärgsten getroffen hat.

5. Welche Eigenschaften von Schachspielern sehen Sie als typisch an?

Konzentrationsfähigkeit, Zielstrebigkeit, logisches Denkvermögen

6. Welche Themen möchten Sie in der Schachöffentlichkeit/Schachpresse stärker behandelt wissen?

In unseren Fachmagazinen wird viel zu viel über die heutige Situation des Schachs gejammert, statt die brachliegenden Chancen aufzugreifen. Nur ein Beispiel: Alle reden über Ganztagesschulen bzw. Ganztagesbetreuung von Kindern und Jugendlichen. Ich denke, wir müssen uns den Schulen als Partner anbieten und das Schachspiel mit seinen vielen positiven Eigenschaften in die Schulen bringen. Meine persönlichen Erfahrungen sind, dass wir bei einem guten Angebot dabei nur offene Türen einrennen. Das Potenzial, das wir daraus schöpfen können - wenn jeder Grundschüler zumindestens die Spielregeln und ersten Grundsätze beigebracht bekommt - ist meines Erachtens fast unerschöpflich.

7. Was möchten Sie im Leben noch unbedingt erlernen, und was bedauern Sie, nie erlernt zu haben?

Verbessern möchte ich meine Fremdsprachenkenntnisse. Bedauern tue ich, dass ich früher Gitarre und Klavier gespielt, dies aber aufgegeben habe. Meine zwei Jahre jüngere Schwester war viel besser als ich, was für mich ziemlich frustrierend war. Daniela ist jetzt Orchestermusikerin. Heute würde ich zum Ausgleich nicht nur gern Musik hören, sondern auch selbst mal wieder gern in die Saiten bzw. Tasten greifen. Aber dieser Zug ist abgefahren.

8. Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?

Die Gründung einer glücklichen Familie.

9. Was ist Ihnen peinlich?

Wenn ich durch meine Worte und mein Handeln Personen verletzte, ohne dies beabsichtigt zu haben bzw. gar das Gegenteil bewirken wollte. Häufig registriere ich dann selbiges nicht sofort, sondern muss auch noch von anderen darauf aufmerksam gemacht werden, was ich angestellt habe.

10. Wie lautet Ihr Lebensmotto?

Mit Träumen beginnt die Realität (Buchtitel von Daniel Goedevert)

11. Welchen Missstand würden Sie in Ihrem Land beseitigen, wenn es in Ihrer Macht stünde?

Man darf über Problemstellungen ausführlich diskutieren und debattieren. Aber am Ende muss ein Ergebnis bzw. eine Entscheidung stehen. Der jahrelange Stillstand in vielen Bereichen unseres Landes hat uns in den meisten Fällen nur zu einem gemacht: zum Verlierer. Lieber mal das Risiko einer Fehlentscheidung eingehen (und diese dann ggf. korrigieren), als gar keine Entscheidung zu treffen. Wenn es in meiner Macht stünde, würde ich mich bei vielen Problemstellungen einfach für einen der vielen Lösungsansätze entscheiden und diesen dann jeweils konsequent umsetzen.

12. Welche Persönlichkeiten der Weltgeschichte faszinieren Sie am meisten?

Ludwig van Beethoven, Nelson Mandela, die Geschwister Scholl

13. Welche Frage würden Sie gern gestellt bekommen und wie lautet die Antwort darauf?

Da die Antwort sehr speziell ist, möchte ich sie nur der Person geben, von der ich mir die ebenso spezielle Frage erhoffe.

14. Aktuelle Frage: Wie sehen die Visionen für das Neckar-Open bzw. das Deizisauer Schachfestival aus?

Als wir vor neun Jahren begonnen haben, hat keiner aus unserem Team auch nur ansatzweise von den heutigen Dimensionen geträumt. Wichtig war und ist, dass wir uns keine Grenzen gesetzt haben und uns diese auch für die Zukunft nicht setzen. Wir müssen, wie in der Vergangenheit, die Chancen nutzen, die sich uns bieten. Wir sollten weiterhin den Mut haben, auch Fehler zu machen und wir haben viele Fehler gemacht, sie zum Teil teuer bezahlt, aber eben auch daraus gelernt. Heute ist das Team richtig gut, ich würde sogar sagen großartig! Nichtsdestotrotz gibt es in allen Bereichen unserer Veranstaltung noch hinreichend Verbesserungspotenzial. Als unser Turnier noch keine 200 Teilnehmer hatte, habe ich mal in einer Sitzung gesagt, wir müssen uns keine Gedanken darüber machen, was passiert, wenn 50 Teilnehmer mehr kommen, denn das schaffen wir. Wir müssen Ideen dafür sammeln, was wir tun, wenn 500 Teilnehmer bei uns mitspielen wollen. Alle Anwesenden waren sich einig, der Noppes spinnt. Dieses Jahr waren es über 650 Spieler.... Vielleicht müssen wir uns diese Frage wieder neu stellen. Wie bekommen wir es hin, wenn in ein paar Jahren 1.200 Spieler an unserer Veranstaltung teilnehmen wollen? Ich bin sicher, es gibt Antworten, die in unserem Verein heute noch keiner kennt. Wir dürfen uns nur keine Grenzen setzen.

Zeitschrift Schach 05/2005

Published by Sven Noppes

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