29.07.2011 - Sicherlich ist es etwas ungewöhnlich, den Turniersieger nicht in der obersten Titelzeile zu erwähnen, aber erstens gehen mir langsam die Carlsen-Überschriften aus, zweitens wurde er gestern schon gewürdigt und drittens ist die Leistung von Alexander Morozevich beim diesjährigen ACCENTUS-Grandmaster Tournament in Biel nicht minder beachtlich wie der doch zu erwartende Triumph von Magnus Carlsen! Nach seinem kürzlichen Sieg in der Russian Higher League bewies Moro auch in der Schweiz, dass er noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Zum Abschluss siegte er gegen Yannick Pelletier und unterstrich damit, dass er und Carlsen in Biel in ihrer eigenen Liga spielten. Während Carlsen durch seine hohe ELO nur einen kleinen Zugewinn erwarten darf, wird sich Morozevich wieder deutlich über die 2700 bugsieren und zumindest an der Top 20 kratzen. Die beiden anderen Partien des letzten Tages endeten übrigens recht unaufgeregt im Remishafen. Carlsen erreichte als Schwarzer gegen einen solide spielenden Fabiano Caruana keinen verwertbaren Vorteil und Maxime Vachier-Lagrave und Alexei Shirov versuchten gar nicht erst, den Gegenüber zu besiegen und trennten sich sehr zeitig friedlich.
Die Teilnehmer am GM-Turnier Fabiano Caruana (2711), Yannick Pelletier (2590), Alexei Shirov (2714), Magnus Carlsen (2821), Alexander Morozevich (2694) & Maxime Vachier-Lagrave (2722)
Allgemeine Informationen
Das ACCENTUS-Grandmaster Tournament fand vom 18. bis 29. Juli im Biel Congress Center statt. Sechs Großmeister der Weltklasse spielten doppelrundig gegeneinander.
Die Bedenkzeit in Biel betrug 120 Minuten für 40 Züge, weitere 60 Minuten für 20 Züge und 15 Minuten für den Rest der Partie, wobei es ab dem 61. Zug einen Aufschlag von 30 Sekunden pro Zug gab. Remisangebote vor dem 30. Zug waren nicht gestattet, wobei dies das eine oder andere Mal per dreimaliger Stellungswiederholung ausgehebelt wurde. Für einen Sieg gab es 3 Punkte und für ein Remis 1 Punkt. Mit einem ELO-Schnitt von aufgerundet 2709 wurde die Turnierkategorie 19 erreicht.
Neben dem Großmeisterturnier gab es noch zahlreiche weitere Veranstaltungen. So wurde ein Meisterturnier (11 Runden Schweizer System) für Spieler mit einer FIDE oder Schweizer Rating von 2000 oder höher ausgetragen. Im Allgemeinen Turnier (9 Runden Schweizer System) durften nur Spieler mit einer Rating/ELO bis 2050 teilnehmen. Dazu wurden die Swiss Rapid Chess Championship, die Swiss Chess960 Championship 2011, die Swiss Blitz Chess Championship, das Vinetum-Jugendturnier, ein Simultan-Turnier, ein Schach-Tennis-Turnier und zwei ChessBase-Seminare veranstaltet. Alle nötigen Informationen entnehmen Sie der offiziellen Festivalseite.
Magnus Carlsen konnte Fabiano Caruanas Defensivstrategie nicht aushebeln
Alexander Morozevich wollte unbedingt noch gegen Yannick Pelletier gewinnen und tat dies auch
Alexei Shirov und Maxime Vachier-Lagrave remisierten nach nur 21 Zügen
Was auch aufs Brett kam, Magnus Carlsen war nur ein Mal nicht auf der Höhe und ist der verdiente Sieger. Herzlichen Glückwunsch!
Nur Maxime Vachier-Lagrave verdarb ihm kurzfristig die gute Laune
Auch Alexander Morozevich verlor nur eine Partie, erzielte jedoch einen Sieg zu wenig für mehr als Rang 2
Rang 3 nach Wertung für Maxime Vachier-Lagrave. Der Franzose spielte interessant und nimmt einen Sieg gegen Carlsen mit aus Biel. Dennoch hatte er sich vermutlich den einen oder anderen Punkt mehr erhofft.
Tja, wäre Carlsen nicht gewesen, hätte Alexei Shirov vermutlich mehr als 50 Prozent erzielt. Der Wahl-Spanier verlor nur gegen den Norweger und spielte ansonsten eigentlich ein gutes Turnier.
Von den anwesenden 2700ern erwischte Fabiano Caruana das schlechteste Turnier. Von der "langen Rochade" in den Runden 3, 4 und 5 erholte sich der Italiener nicht mehr.
Tja, was soll man über den gebürtigen Bieler Yannick Pelletier sagen? In der Hälfte seiner Partien tat er das, was seine Gegner von ihm erwarteten - nämlich verlieren - und in der anderen Hälfte überlebte er. Einen Sieg verpasste er nicht, denn er hatte nie die Chance dazu.