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Happy Birthday, Klaus Bischoff!
Deutschlands beliebtester Schach-Kommentator wird 50
09.06.2011 - "Prägend für das Jahr 1961 ist der Bau der Berliner Mauer, die die Deutsche Teilung endgültig zementiert. Währenddessen verkündet der frisch gewählte US-Präsident John F. Kennedy seine Politik der New Frontier, darunter die Beendigung der Rassentrennung in den USA. Mit dem Scheitern der Invasion in der Schweinebucht muss er jedoch gleich zu Beginn eine außenpolitische Niederlage hinnehmen. Juri Gagarin überwindet eine ganz andere Grenze und wird an Bord von Wostok 1 zum ersten Menschen im Weltraum." (Quelle: Wikipedia) Exakt ein halbes Centennium ist es her, da wurde Klaus Bischoff in Ulm geboren und wenn er selbst dies hier liest, wette ich, dass das "alte Rennpferd" nicht erst bei Wikipedia nach der Bedeutung des Wortes Centennium oder die oben genannten historischen Ereignisse suchen muss. Ich musste es. Der seit Jahren in Frankfurt am Main lebende Großmeister versteht nicht nur ungemein viel vom Schach, er ist auch das, was man allgemein als extrem belesen bezeichnen kann. Er liebt Weißbier - nur eine ganz bestimmte Sorte nicht -, schätzt aber ebenso einen guten Wein. Und sollte dabei mal kein Schach gespielt, sondern eine gepflegte Runde Skat gekloppt werden, dann ließe er sich nicht erst lange bitten. Obwohl Klaus Bischoff gerne und viel redet, ist er kein Schwätzer. Ungezählte Schachspieler werden dies bestätigen, denn seit einigen Jahren ist Bischoff nicht nur als erfolgreicher deutscher Großmeister bekannt, sondern auch als exzellenter Kommentator von Weltklasse-Turnieren. "Grüß' Gott!" und "Ich hoffe, Sie können mich hören!? Ich habe jedenfalls ein rotes Licht!" machen ihn ebenso populär wie auch sein ungeheures Schachwissen, dessen Quelle nie zu versiegen scheint. Im Namen der großen Familie der Chess Tigers ist es uns eine ganz besondere Freude und auch Ehre:

Grüß' Gott, lieber Klaus! Alles Gute zu Deinem 50.!

Na klar, besonders das mit dem "ungeheuren Schachwissen" sieht Bischoff vermutlich ganz anders, aber für uns Amateure und Fans scheint es eben so, wenn er uns durch die kompliziertesten Stellungen führt und Schach für diese kurze Zeit ganz einfach scheint. Vor gar nicht allzu langer Zeit hatten wir bereits ein längeres Interview dem bekennenden Chess Tiger Klaus Bischoff geführt und ihn auch in einem Artikel vorgestellt. Beides haben wir für Sie in der Folge nochmals aufbereitet.

Und wer neben den Live-Kommentaren gerne noch mehr von Bischoff hören beziehungsweise lesen möchte, den weisen wir gerne auf die Schachlektionen des Meisters hin. Seit 2006 hat Bischoff an insgesamt fünf Schachkursen der Chess Tigers Universität maßgeblich mitgearbeitet beziehungsweise tut er es noch. In drei Chess960- und zwei "normalen" Schachkursen analysiert Bischoff für seine Studenten die Partien der Weltklasse und gibt sein Wissen auf seine gewohnt lockere Weise weiter. Mehr über die Chess Tigers Universität und die Lektionen von Klaus Bischoff finden Sie unter dem folgenden Link:

Chess Tigers Universität - Überblick


„Grüß' Gott!“
vom 05.05.2010

„Wenn es den Klaus Bischoff nicht gäbe, müsste man ihn erfinden!“, so der O-Ton eines Zuschauers aus dem Chat auf dem hauseigenen Fritzserver der Schachfirma ChessBase, getätigt während der Live-Übertragung der achten WM-Partie zwischen Weltmeister Viswanathan Anand und Herausforderer Veselin Topalov. Der beliebte Großmeister kommentiert aus dem Chess Tigers Training Center im hessischen Bad Soden am Taunus live das Geschehen in Sofia. Der 48-jährige hat sich im Laufe der Jahre nahtlos in die Gruppe der großen deutschsprachigen Live-Kommentatoren wie Vlastimil Hort, Dr. Helmut Pfleger und Artur Jussupow eingereiht. Bei der Chess Classic Mainz und dem Sparkassen Chess-Meeting in Dortmund ist er längst zur verbalen Institution geworden, wobei sein Stil, den Zuhörer zu informieren und zu unterhalten, am besten und natürlich nur im positiven Sinne als "passiv-aggressiv" bezeichnet werden kann.

„Grüß' Gott!“, so heißt der gebürtige Ulmer in der Regel sein Zuschauer und –hörer zu jeder Partie willkommen und in der Folge kommentiert und analysiert Klaus Bischoff das jeweilige Geschehen mit einer Mischung aus sympathischem Understatement (passiv) und gnadenlosem Opferwillen (aggressiv). So wird er nicht müde, seinem Publikum regelmäßig zu versichern, er selbst verfüge nur über eine mäßige Spielstärke, opfere aber mit Hingabe das Material Anderer. Ersteres ist natürlich eine hoffnungslose Untertreibung des besten deutschen Blitz- und Schnellschachspielers der letzten dreißig(!) Jahre. Zudem gewann Bischoff mit seinen jeweiligen Bundesligavereinen mehrfach die Deutsche Meisterschale, doch auch einige beachtliche internationale Erfolge schmücken seine Vita. Er selbst bezeichnet in einem Interview - anlässlich der Chess Classic Mainz 2009 - die Silbermedaille der deutschen Nationalmannschaft bei der Schacholympiade in Istanbul anno 2000 als persönliches Highlight, doch auch seine Goldmedaille am vierten Brett, als die deutsche Auswahl in León bei der Mannschafts-Europameisterschaft 2001 die Bronzemedaille gewann, wird ihm sicherlich noch gut in Erinnerung sein.

Der junge IM Klaus Bischoff an Brett 2 bei der Schacholympiade 1986 in Dubai
1990 wurde ihm der Titel des Großmeisters verliehen

Quelle: Wikipedia
© Gerhard Hund

GM Klaus Bischoff 2009 im FiNet Open der Chess Classic Mainz 2009

Dort schlug er den topgesetzten Weltklasse-GM Vugar Gashimov

Bei der WM 2008 in Bonn leitete Bischoff die Pressekonferenzen

Public Viewing bei der Chess Classic Mainz 2009

Mal solo, mal im Duett mit IM Erik Zude kommentiert
Klaus Bischoff im Chess Tigers Training Center die WM 2010 in Sofia

Diese illustre (Skat-)Runde entstand beim Sparkassen Chess-Meeting 2009 in Dortmund. Neben Bischoff sieht man hier im Uhrzeigersinn Stefan Koth (Turnierdirektor in Dortmund), verdeckt Carsten Hensel (Manager), GM Sebastian Siebrecht, Hans-Walter Schmitt (Obertiger) und Dagobert Kohlmeier (Schachjournalist und bekennendes Skat-Opfer)

Seit mehr als zwanzig Jahren ist Bischoff Großmeister und hat bei seinen Live-Übertragungen und -Kommentierungen nicht nur viel Erfahrung sondern auch eine Unmenge „alter Geschichten“ rund ums königliche Spiel zu bieten, mit welchen er seine Analysen gerne mal garniert. Stets auch mit einer Prise Humor gewürzt, versteht es der eingewanderte Frankfurter wie kein Anderer, am Mikrophon Schach sowohl für DWZ-Leichtgewichte als auch ELO-Riesen gleichermaßen interessant darzustellen. Dabei gibt er ab und an auch mal ein paar private Einsichten, wie beispielsweise die Tatsache, dass Klaus Bischoff dann die einzige Zigarette während einer Partie raucht, sobald er die Türme verbunden hat, und dass er bei allzu abwegigen Zugvorschlägen seiner Kiebitze bereit ist, einen Besen zu verspeisen, sollte deren Vorschlag wirklich gespielt werden, doch bis dato glücklicherweise nie das passende Kehrwerkzeug zur Hand war. Sein Lieblings-Krimiheld ist übrigens Harry Hole, erdacht von dem norwegischen Autor Jo Nesbø.



„Wenn man dran ist, muss man einen Zug machen!“
vom 18.07.2009

Seit 1990 trägt Klaus Bischoff den Großmeistertitel und gilt bis heute als begnadeter Blitz- und Schnellschachspieler. Nicht weniger als zehn Mal sicherte er sich den Titel des Deutschen Meisters im Blitzschach. Zudem ist er ein beliebter Mannschaftsspieler und gewann mit Bayern München und Solingen mehrere deutsche Mannschaftsmeisterschaften. Seit einigen Jahren widmet sich Bischoff nicht nur seinem eigenen Spiel, er hat sich auch einen ausgezeichneten Ruf als Kommentator von Top Turnieren erarbeitet. Neben seinem schachlichen Wissen unterhält er das Publikum stets auch mit Geschichten und Anekdoten rund um das königliche Spiel. Bei der Chess Classic Mainz ist Bischoff der Kopf des Kommentatoren-Teams und so wird er auch in diesem Jahr wieder zum Mikro greifen und Sie durch die Abendveranstaltungen geleiten.

Mike Rosa: Seit fast 20 Jahren sind Sie nun Großmeister und haben sowohl in Einzel- aber auch in vielen Mannschaftswettbewerben diverse Titel gewonnen. Was fasziniert Sie so sehr am Schach, das Sie es zum Beruf machten und wann fiel die Entscheidung, Schachprofi zu werden?

Klaus Bischoff: Schach ist einfach ein tolles Spiel! Die Entscheidung, vom Schach leben zu wollen, habe ich bereits mit Anfang 20 getroffen. Eigentlich war es eine verrückte Idee, denn ich hatte damals nur ungefähr 2400 Elo und noch keinen Titel. Heute verstehe ich allerdings nicht mehr so ganz, warum ich damals glaubte, dass es nicht vereinbar sei, Großmeister werden zu wollen und gleichzeitig zur Universität zu gehen.

MR: Welchen Ihrer Erfolge würden Sie persönlich als den schönsten Ihrer Karriere bezeichnen?

KB: Der Gewinn der Silbermedaille mit der deutschen Nationalmannschaft in Istanbul 2000 war schon etwas ganz Besonderes.

MR: Würden Sie einem talentierten Jugendlichen ernsthaft raten, heute Schachprofi zu werden?

KB: Nein!

MR: Sie spielen in diversen europäischen Ligen und natürlich auch in der Schachbundesliga. Zuletzt waren Sie für den TV Tegernsee in der ersten Liga aktiv, doch trotz eines ausgezeichneten dritten Platzes zieht sich der Verein bekanntlich aus der höchsten, deutschen Spielklasse zurück. Wie wird es mit dem „alten Rennpferd“, als welches Sie sich kürzlich selbst bezeichneten, weitergehen? Spielt Klaus Bischoff in der kommenden Saison in der 1. Bundesliga?

KB: Seit 1981 spiele ich in der Bundesliga. In der kommenden Saison werde ich für Katernberg antreten; da scheint man zu glauben, dass ein „altes Rennpferd“ mit viel Erfahrung im Kampf gegen den Abstieg hilfreich sein kann.

Klaus Bischoff beim Kommentieren im Gourmet Club der CCM8

MR: Sie sind unstrittig der erfolgreichste deutsche Blitz- und Schnellschachspieler und beispielsweise auf dem deutschen Schachserver von ChessBase unter dem Account „pinkpanther“ sogar für jeden Top GM eine ernsthafte Herausforderung. Verraten Sie den unzähligen Freunden des schnellen Schachs das Geheimnis Ihres Erfolgs!

KB: Hektisches Bolzen und Umwerfen von Figuren fand ich schon immer furchtbar. Ruhiges gleichmäßiges Ziehen sieht nicht nur ästhetischer aus, es ist auch noch schneller. Mein Blitztipp war schon immer: Wenn man dran ist, muss man einen Zug machen!

MR: Neben dem Schachspielen haben Sie seit geraumer Zeit damit begonnen, Ihr Wissen und Ihre Erfahrungen beim Live-Kommentieren von Top Turnieren und Weltmeisterschaften einzubringen. Macht Ihnen das mittlerweile schon mehr Freude als das Spielen selbst?

KB: Mir macht Schach spielen immer noch viel Spaß! Aber in den letzten Jahren haben sich meine Prioritäten ein wenig verschoben. Eine Turniereinladung müsste schon außerordentlich attraktiv sein, wenn ich dafür einen Kommentatorjob ablehnen muss.

MR: Was zeichnet einen guten Kommentator aus und was ist am Mikrophon absolut tabu?

KB: Der Live-Kommentator einer Schachveranstaltung soll den Zuschauern (Kunden) helfen, die Partien der Stars besser zu verstehen. Natürlich soll die Kundschaft auch Spaß haben und unterhalten werden. Es gibt keine Tabus, aber Besserwisserei und Rechthaberei halte ich für völlig unangebracht. Ich finde es auch nicht sinnvoll, die Zuschauer ununterbrochen nur mit langen, komplizierten Varianten zu bombardieren. Es gehört einfach dazu, dass der Kommentator eine Stellung erklären kann und auch mal eine Geschichte erzählt.

Klaus Bischoff leitete die Pressekonferenzen beim WM-Match in Bonn 2008

MR: Welche Unterschiede muss man generell beachten, wenn man langsames 7-Stunden Schach oder Schnellschach für die unterschiedlich spielstarken Zuschauer kommentiert? Zum Beispiel das Sparkassen Meeting in Dortmund und die Chess Classic Mainz.

KB: Der Unterschied ist nicht so groß. Schnellschach geht, wie der Name schon sagt, schnell und es bleibt daher weniger Zeit für Geschichten.

MR: Bei der Weltmeisterschaft 2008 in Bonn zwischen Viswanathan Anand und Vladimir Kramnik kommentierten Sie live und leiteten die Pressekonferenzen. Das war doch sicher auch für Sie ein besonderes Ereignis, oder? Was waren für Sie die Schlüsselmomente dieses Matches und der Grund für die Dominanz des Inders?

KB: Natürlich war die Weltmeisterschaft in Bonn eine überwältigende Veranstaltung. Und es ist doch völlig klar, dass jemand wie ich so ein Blitzlichtgewitter wie bei den Pressekonferenzen gar nicht gewöhnt sein kann. Ich habe einfach versucht, so ruhig und sachlich wie möglich zu arbeiten. Vishy hat das Match klar und verdient gewonnen. Seine Arbeit am Brett und die seines Teams in der Vorbereitung waren unglaublich effektiv. Warum das bei Kramnik und seinem Team nicht ganz so gut geklappt hat, vermag ich nicht zu beurteilen.

MR: In Kürze wird der amtierende Weltmeister seinen Schnellschachtitel in Mainz bei der Chess Classic verteidigen. Sie kennen diesen Event sowohl als Spieler als auch aus Kommentatorsicht – oft kombinieren Sie sogar beides. Kommentieren werden Sie in diesem Jahr auf jeden Fall. Doch spielen Sie auch selbst wieder mit und was ist Ihrer Meinung nach das Besondere an dieser Woche voller Schnellschach?

KB: Chess Classic hat sich zum stärksten Schnellschach Open der Welt entwickelt. Jedes Jahr hat man in Mainz die Chance viele Freunde und Bekannte zu treffen. Einfach hinfahren, das Turnier genießen und vielleicht sogar ein paar neue Kontakte knüpfen. Aber man darf natürlich nicht den Fehler machen, ein dickes Preisgeld fest einzuplanen. Das Turnier ist fürchterlich stark besetzt!

Klaus Bischoff und Sebastian Siebrecht sind
mittlerweile ein eingespieltes Duo am Mikro

MR: Und nun natürlich die Frage, die jeder Interviewer liebt: Wer wird Weltmeister im traditionellen Schnellschach - Anand, Aronian, Naiditsch oder Nepomniachtchi - und wer im Chess960 - Aronian, Nakamura, Movsesian oder Bologan?

KB: Natürlich sind Anand im Schnellschach und Aronian im Chess960 die Favoriten. Aber Form kann Papier schlagen! Ich bin schon sehr gespannt was Nakamura leisten wird. Er ist in großartiger Form.

MR: Mittlerweile sind Sie auch Mitglied bei den Chess Tigers und haben beispielsweise für die Chess Tigers Universität zahlreiche Chess960-Partien analysiert und so für den Fan des „neuen Schachs“ die einmalige Möglichkeit geschaffen, von einem Großmeister zu erfahren, wie er an eine Partie mit ausgeloster Grundstellung herangeht. Was gefällt Ihnen an Chess960 und gibt es, wie einige starke Spieler befürchten, eine Startposition, die forciert gewonnen ist?

KB: Die Vielfalt der Stellungen im Chess960 gefällt mir besonders gut. Man muss keine Angst haben, auspräpariert zu werden, man setzt sich einfach hin und spielt. Extravagante Züge in der Eröffnung werden nicht notwendigerweise bestraft, die können sogar manchmal richtig gut sein. Dass es eine Stellung gibt, die forciert für Weiß gewonnen ist, glaube ich nicht. Aber ich habe schon Stellungen erlebt, die für Schwarz besonders schwierig zu verteidigen sind. Ein Beispiel dafür ist die 518.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Mike Rosa


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Mike Rosa

Published by Mike Rosa

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