Nachrichten Aktuelles Tagesschach 22/11 - Im Schatten von Kasan Die Schachwelt abseits der Kandidatenmatches
28.05.2011 - Unser Fokus der letzten Tage und Wochen lag klar auf der WM-Qualifikation, umso mehr ist es jetzt an der Zeit, Ihnen einige wichtige Ergebnisse der jüngeren Vergangenheit nachzureichen. So konnte Top-GM Vassily Ivanchuk beim Capablanca Memorial 2011 triumphieren und U.S.-Star Hikaru Nakamura besiegte Ruslan Ponomariov sowohl im langsamen als auch im schnellen Schach. Zeitgleich gewann der U.S.-Youngster Ray Robson sein Match gegen Benjamin Finegold und musste nur im Schnellschach ein Unentschieden erlauben. Derweil hat die Schachwelt eine neue Europameisterin erhalten. Viktorija Cmilyte holte sich in Tiflis den Titel und verwies die starke Konkurrenz mit noch stärkerem Spiel auf die Plätze. Und last but not least haben in Bonn die 82. Deutsche Schachmeisterschaften begonnen. 34 Männer und 16 Frauen kämpfen - getrennt von einander - um den Titel.
Havanna (CUB) - Vom 10. bis 21. Mai fand in Kubas Hauptstadt das 46. Capablanca Memorial statt. Das Hautoturnier war ein starkes GM-Turnier mit sechs Spielern, welches doppelrundig ausgetragen wurde - also über zehn Runden lief. Gewonnen hat das Turnier der Kategorie 19 mit Vassily Ivanchuk der erklärte Favorit. Der Ukrainer erzielte bei drei Siegen und einer Niederlage 6,5 Punkte und musste in der Endabrechnung die Sonneborn-Berger-Wertung bemühen, um den punktgleichen Vietnamesen Liem Quang Le auf den zweiten Rang zu verweisen. Vor der letzten Runde hatte noch Quang Le mit einem Zähler Vorsprung geführt, aber als hätte Hollywood das Finale geschrieben, musste er eben gegen Ivanchuk antreten und wurde von diesem in einem Tarrasch-Franzosen nach und nach ausgespielt. Dritter wurde mit einem Punkt Rückstand der einzige russische Teilnehmer Dmitry Andreikin.
St. Louis (USA) - Im von Tornados heimgesuchten Mittelwesten der USA trafen sich vom 16. bis 25. Mai Hikaru Nakamura und Ruslan Ponomariov zu einem Mix-Match aus langsamen und schnellen Schach. Zunächst wurden sechs Partie mit langer Bedenkzeit gespielt und wurden dann noch von vier Schnellschachpartien garniert. Den gleichen Modus spielten parallel an gleicher Stätte auch der amerikanische Jung-GM Ray Robson gegen seinen Landsmann IM Benjamin Finegold. Nach turbulentem Matchverlauf und sogar einer Unterbrechung aufgrund von Tornado-Warnungen konnte Nakamura mit 3,5:2,5 das langsame Schach für sich entscheiden und im Schnellschach deutlich mit 3:1 siegen. Robson hatte seinen Gegner beim 4:2 mit klassischer Bedenkzeit noch etwas deutlicher im Griff, aber dafür kam er im Schnellschach nicht über ein 2:2 hinaus. Letzten Endes wird bei allem Spaß, den alle Spieler gehabt haben wollen, der Trainingseffekt besonders für Nakamura und Robson im Vordergrund gestanden haben. Beide spielen garantiert mit dem Gedanken, eines Tages mal Weltmeister werden zu wollen und dafür benötigt man - zumindest im Moment - Erfahrung im "Heads-Up".
Tiflis (GEO) - Vom 06. bis 18. Mai fand in Georgiens Hauptstadt die European Individual Women's Championships 2011 statt. Veranstaltet wurde das Turnier als Open für alle Frauen der europäischen Zonen. Letztlich nahmen 130 Spielerinnen an dem elfrundigen Schweizer System-Turnier teil. Die Beste unter ihnen war GM Viktorija Cmilyte aus Litauen. Sie erzielte bärenstarke 9 Punkte und spielte eine Perfomance nahe der 2700, was in einem Frauenturnier schon eine formidable Leistung darstellt. Silber ergatterte die einstige Weltmeisterin GM Antoaneta Stefanova aus Bulgarien mit 8,5 Punkten vor GM Elina Danielian aus Armenien mit 8 Punkten. Relativ klare ELO-Favoritinnen waren vor Beginn die russischen GM-Schwestern Tatiana und Nadezhda Kosintseva gewesen, doch erste musste mit 7,5 Punkten mit dem achten Rang leben, während das Schwesterchen mit einem halben Punkt weniger sogar "nur" 14. wurde. Einzige(!) deutsche Teilnehmerin war Ketino Kachiani-Gersinska. Sie erzielte ordentliche 6 Punkte und landete in der Endabrechnung auf Platz 43.
Bonn - Seit dem 26. Mai und noch bis zum 03. Juni finden in der einstigen Hauptstadt die Deutschen Schachmeisterschaften 2011 der Männer und Frauen statt. In beiden Turnieren sucht man die jeweilige Nummer 1 unseres Landes vergeblich. Weder Arkadij Naiditsch noch Elisabeth Pähtz nehmen teil. Bei den Männern sind 34 Spieler am Start, während es bei den Frauen nur 16 sind. Beide Turniere werden mit 9 Runden Schweizer System ausgetragen. Mit dem heutigen Tag sind in beiden Wettbewerben drei Runden gespielt und es zeichnen sich erste Tendenzen ab. Bei den Männern haben die Großmeister Jan Gustafsson und Igor Khenkin noch eine blütenweiße Weste, während Titelverteidiger Niclas Huschenbeth bereits zwei Halbe abgeben musste. Bei den Frauen gibt es eine kleine Sensation zu vermelden, denn WFM Heike Vogel besiegte heute die deutliche Turnierfavoritin WIM Sarah Hoolt und führt mit 3/3 einsam die Tabelle an. Alle weiteren Informationen entnehmen Sie bitte der etwas lieblos gehaltenen Veranstaltungsseite.