Nachrichten Neckar-Open - Bacrot strauchelt! Georgios Souleidis berichtet von der 4. Runde
23.04.2011 - In der 4. Runde des 15. Int. Neckar-Opens mussten die Favoriten kräftig Federn lassen. Die größte Überraschung gelang Twan Burg. Der holländische IM bezwang den Top-Favoriten auf den Turniersieg, Etienne Bacrot. Burg gelang es, seinen prominenten Gegner in einer sizilianischen Partie gehörig unter Druck zu setzen. Bacrot verteidigte sich im Laufe der Partie unsauber und musste kurz nach der ersten Zeitkontrolle die Waffen strecken.
In der Folge können Sie die entscheidende Partiephase nachvollziehen und zudem sehen, wie unser deutscher Großmeister Arik Braun Caissa und Fortuna zugleich auf seiner Seite hatte. In der 5. Runde spielt übrigens der amtierende deutsche Meister Niclas Huschenbeth gegen die deutsche Nummer 1 Arkadij Naiditsch!
Allgemeine Informationen
Der Gesamtpreisfonds der Veranstaltung beläuft sich auf nochmals erhöhte 15.000,- Euro, von denen 3.000,- für den Sieger des A-Open reserviert sind. Doch auch im B-Open für Spieler mit einer Rating unter 2000 warten auf den Sieger 1.000,- Euro, und der Sieger des C-Open (DWZ unter 1400) darf sich noch über 250,- Euro freuen. Daneben gibt es natürlich wieder zahlreiche Platzierungs-, Rating- und Sonderpreise, so dass theoretisch jeder Teilnehmer die Chance auf einen Gewinn hat. In den drei Hauptturnieren werden 9 Runden Schweizer System mit der Bedenkzeit 2 Stunden für 40 Züge plus 30 Minuten für den Rest der Partie gespielt. Auch in diesem Jahr stellen die Chess Tigers wieder ihr hochwertiges Spielmaterial in Form von Holzbrettern und -figuren nebst den digitalen Schachuhren der Firma DGT zur Verfügung und sorgen so für einen besonderen Flair im Spielsaal.
Die ersten acht Bretter werden live ins Internet übertragen und zweimal am Tag gibt es zu den jeweiligen Runden eine halbstündige LIVE-Radiosendung, welche von Pressechef Georgios Souleidis moderiert wird.
Es ist eine zweischneidige Stellung entstanden, in der Weiß einen klareren Plan zu haben scheint. Er kann den schwarzen Königsflügel schwächen und mit seinen Figuren dort eindringen. In der Folge findet Schwarz keine ausreichende Auffangsstellung. 29…Lf8?! Dieser Rückzug erscheint unnötig. 29…Dc5! mit dem Angebot, die Damen zu tauschen, hätte Weiß beschäftigt. Nach 30.Dg2 sieht die Stellung unklar aus. 30.fxg6 hxg6 31.Df6 31.Sh5! gxh5 32.Df5 mit der Idee 33. Tg2 und Weiß scheint schon entscheidenden Angriff zu haben. Aber auch der Partiezug ist gut und insbesondere logisch. 31…Dc5 32.Tf2 Lg7 33.De6+ Kh7 34.Lf6 Weiß tauscht einen schwarzen Verteidiger und erhöht den Druck auf dem Königsflügel. 34…Ta7 35.Lxg7 Txg7 36.Df6 Tf7 37.Dh4+ Kg8 38.Tg2 Th7 39.Dg5 Db4 40.Tdf2
40…Tcc7? Ein Fehler im letzten Zug vor der Zeitkontrolle. Der weiße Angriff wäre aber auch bei bestem Spiel nicht mehr zu parieren gewesen. Weiß drohte mit allen Figuren - Tf6-Sf5 - einzudringen. 41.Dd8 1-0
Einen schönen Sieg feierte an den Übertragungsbrettern Rene Dausch. Der Fide-Meister aus Böblingen besiegte den polnischen IM Kacper Piorun. Nach einem ruhigen Aufbau - Damenbauernspiel - überspielte Dausch seinen höher eingeschätzten Gegner am Damenflügel und gewann nach 37 Zügen.
Eine kleine Kuriosität gibt es aus der Partie Braun - Raykhman zu vermelden. Weiß stellte die Stellung einzügig ein, der Gegner “glaubte” aber an eine versteckte Drohung und nahm das Geschenk nicht an.
GM Braun, Arik (2542) - FM Raykhman, Alexander (2372)
15. Int. Neckar-Open Deizisau 2011 (4), 23.04.2011
Stellung nach 18...h6
Schwarz zog gerade 18…h6 und droht, mit 19…g6 die Dame zu behelligen, wonach der Springer geschlagen werden könnte. 19.Txc3?? Weiß übergeht einfach die schwarze Drohung. Arik Braun erzählte nach der Partie, dass er plötzlich 19…g6 sah. Er lief rot an und verließ das Brett. Ein schöner Bluff. 19…0-0?? Und Schwarz verzichtet auf 19…g6! Nach 20.Lb5+ Kf8! 21.Sxe6+ Lxe6 22.Df3 Kg7 hätte Raykhman eine Figur mehr gehabt. Nach 19…0-0 steht er aber auf Verlust. Der weiße Angriff ist nicht mehr zu parieren. 20.Se4 S6d5 20…Sxc4 21.Sf6+! Kh8 22.Lc1! mit der Idee 23. Lxh6 gewinnt. 21.Lxd5 exd5 22.Sf6+ gxf6 23.Tg3+ und Schwarz gab auf, da er nach 23…Kh7 24.Lc1! matt gesetzt wird. 1-0
Für Aufsehen sorgt weiterhin die beste Frau im Feld. Nach ihrem Sieg gegen Vasily Yemelin luchste die Polin dem italienischen IM Alex Rombaldoni ein Remis ab. Besonders arg erwischte es bislang Tamas Banusz. Nach seiner Erstrundenniederlage verlor der ungarische GM, der bei diesem Turnier immerhin an acht gesetzt ist, in der 4. Runde auch gegen den Garchinger Johannes Rusche. Erfreulich aus deutscher Sicht ist das bisherige Abschneiden des jungen Dennis Wagner. Nach seinem Sieg gegen Ilja Zaragatski in der 2. Runde gelang der 13-jährigen Nachwuchshoffnung ein Remis gegen Großmeister Dmitri Svetushkin. Ein schöner Erfolg für Wagner.
Nach vier Runden stehen acht Spieler mit voller Punktzahl an der Tabellenspitze, darunter mit Arkadij Naiditsch, Arik Braun, Niclas Huschenbeth und Rene Dausch vier Deutsche.
Die Spitzenpaarungen der 4. Runde lauten:
1. Niclas Huschenbeth - Arkadij Naiditsch
2. Spyridon Skembris - Alon Greenfeld
3. Grzegorz Gajewski - Twan Burg
4. Rene Dausch - Arik Braun
5. Viktor Erdös - Tobias Hirneise
6. Sven Telljohann - Vladimir Epishin
7. David Baramidze - Markus Lammers
8. Dennes Abel - Falko Bindrich
Von 18.30 bis 19.00 läuft auf dem Liveportal eine Radiosendung zur 5. Runde. Moderiert wird die Sendung von Georgios Souleidis, der Gast wird aus dem Spielerfeld je nach Stand rekrutiert.