TopTurniere OSC Baden-Badens süße Revanche Die Urgesteine des Ooser Bundesliga Ensembles holen die Pokal-Meisterschaft
18.04.2005 - Mit einem präzise herausgespielten 2:2 der Baden-Badener Großmeister Peter Svidler, Michael Krasenkov, Rustem Dautov und Dr. Robert Hübner, bei besserer Berliner Wertung von 4:3, nahm das von der GRENKELEASINGAG gesponserte Ooser Schach-Ensemble süße Revanche für die vor einer Woche unglücklich erlittene bittere Niederlage im Bundesligafinale in Porz-Wahn. Diesmal konnte der Sankt Petersburger Peter Svidler den OSC mit einem Sieg gegen den Holländer Loek van Wely am 1.Brett nach knapp 3 Stunden Spielzeit mit 1:0 in Führung bringen. Damit war der Sieg so gut wie sicher, da die Berliner Wertung als Tiebreak zählte.
Am Samstag hatte bei der Auslosung der Begegnungen der
Vorstandsvorsitzende der GRENKELEASINGAG , Wolfgang Grenke,
Glücksfee gespielt und als erste Paarung Schachfreunde Neukölln 03
e.V. gegen die Spielgemeinschaft Porz e.V. (Titelverteidiger) und als zweite
Paarung den Ooser Schachclub von 1930 Baden-Baden gegen den Hannoverscher
Schachclub von 1876 im Post SV gezogen. Deutliche Erleichterung war von den
beteiligten Favoriten zu hören und die schachbegeisterten Zuschauer
konnten sich freuen entweder über das Straucheln eines "Großen" im
Halbfinale oder auf das Elefantentreffen am Sonntag, wobei die Revanche
für die unglücklich erlittene Niederlage der Gastgeber am letzten
Sonntag genommen werden sollte. Die Messer waren also richtig gewetzt und in
der kurzen Ansprache ließ der Vorstandsvorsitzende Wolfgang
Grenke keine Zweifel an der Entschlossenheit seiner Mannschaft aufkommen. Aber
zuerst galt es einmal die Hürden des Semifinales zu nehmen.
Die haushohen Favoriten taten dann auch nicht mehr als unbedingt
notwendig und siegten im Wettkampf OSC Baden-Baden gegen Hannoverscher SK mit
4:0 und die SG Porz fertigte die Schachfreunde aus Neukölln mit 3,5:0,5
ab. Bemerkenswert war dabei, dass die deutlichen Übergewichte an Elo nicht
zu schnellen Siegen führten, sondern, dass die vollen Punkte richtig von
den Favoriten erarbeitet werden mussten, Christopher Lutz war das einzige
Schwergewicht, das gegen einen besonders gut aufgelegten IM Lars Thiede einen
halben Punkt abgeben musste.
Lichtenthaler Allee
Abends saßen gegen acht Uhr alle beteiligten Mannschaften
fröhlich und ausgelassen beim Abendessen im
Hotel Restaurant Blume in Sandweier,
leckten ein wenig die erwarteten Wunden oder versuchten sich durch besondere
Aufmerksamkeiten für den Kampf der Giganten oder der der Leichtgewichte am
Sonntag einzustimmen. Cheforganisator Thilo Gubler hatte natürlich an
alles gedacht und perfekt eingefädelt, vom fürstlichen Menue bis hin
zum Busshuttle morgens und abends. Es fällt ohnehin auf, dass in
Baden-Baden die Uhren etwas anders ticken was Organisation,
Live-Übertragungen und Service am Zuschauer im ehemaligen "Internationalen
Club" anbetrifft. Das Karpov Schachzentrum in der Lichtenthaler Allee 8 mitten
im Herzen der Kurstadt Baden-Baden zwischen Theater, Kurhaus, Spielbank, noblen
Geschäften und Superhotels scheint sich langsam zu einer der feinsten
Schachadressen in Deutschland zu mausern. Die vielen Brücken über die
Oos inmitten der herrlichen Grünanlagen mit alten exotischen Bäumen
und barocken Bauten scheinen die symbolische Verbindung zwischen Amateuren und
Profis, Tradition und Moderne, Wettkampf und Entspannung trefflich zu
dokumentieren. Die Kutscher der vielen Zweispänner fühlen sich sicher
auch wie die Akteure an den Brettern, der Unterschied ist identisch, der eine
hat Schimmel und der andere Rappen.
Ein Schacherlebnis der besonderen Art erwartete die Akteure und die
Zuschauer am Sonntag. Der Schreiber dieser Zeilen hatte sich allerdings
wahnsinnig unter Druck gesetzt, drohte doch die dritte Niederlage der Badener
gegen die Porzer bei seiner dritten Anwesenheit. Würde diese eintreten,
verkündigte er beim Abendessen in Beisein von Freund und Feind steif und
fest, würde er in Zukunft keinem der Duelle Porz gegen Baden-Baden mehr
beiwohnen, damit Schaden von seinen Badener Schachfreunden abgewendet werden
sollte. Im Übrigen wollte er zukünftig nicht weiter "Schuld" haben an
den Ooser Niederlagen. Auffällig waren allerdings schon auf der
Rückreise nach Frankfurt die Feststellung der mitfahrenden Spieler Rustem
und Peter, um genau zu sein wiesen sie augenzwinkernd darauf hin, dass diesmal
sein Freund und Nr.1 der Weltrangliste Vishy Anand gefehlt hätte.
Zusätzlich beteuerte der Fahrer, dass es ja jetzt erwiesen wäre, dass
es an ihm wohl nicht in der Vergangenheit gelegen hätte - aber an was oder
wem lag es denn sonst?
OSC Baden-Baden
gegen Hannoverscher SK
Brett
OSC Baden-Baden
Elo
Farbe
vs
Hannoverscher SK
Elo
Farbe
Ergebnis
1
Swidler, Peter
2725
schwarz
vs
Schneider, Ilja
2372
weiß
1 : 0
2
Krasenkov, Michael
2672
weiß
vs
Cordes, Claus
2263
schwarz
1 : 0
3
Dautov, Rustem
2614
weiß
vs
Nüsken, Nikolaus
2614
schwarz
1 : 0
4
Hübner, Dr.Robert
2624
schwarz
vs
Kull, Florian
2191
weiß
1 : 0
2658
vs
2267
4 : 0
Rustem Dautov
Sonntag, Baden-Baden, Karpow-Schachzentrum, 11:36 Uhr, direkt nach dem
Hochamt traf der am Tag zuvor vermisste hohe Besuch aus Köln-Wahn ein. Der
Porzer Boss, Wilfried Hilgert, kam noch gerade rechtzeitig, um seinen am
Kaffee- und Kuchenbuffet auftankende Spitzenspieler Loek van Wely zu befragen,
wie denn der Wettkampf gegen Baden-Baden stehe? Im Stenogrammstil reportete der
Holländer artig: " An Brett 1 stehe er gut mit Schwarz gegen Svidler, an
Brett 2 hätte der mit Weiß spielende Ivan Sokolov schon etwas
Vorteil gegen Michael Krasenkov, an Brett 3 wäre vollkommener Ausgleich
zwischen Lutz und Dautov und an Brett 4 stehe der Weiße, Dr.Hübner
gegen Mr.Bundesliga Rafael Vaganian ein bisschen besser - also alles noch
offen, nichts genaues weiß man nicht". Die Holländische Nr.1
verschwand eiligst, um dann am Brett Svidlers riskanten Zug 17.Sxf4
ungläubig zu notieren. Mit g5 kann er jetzt den Sf4 und Sh4 angabeln und
gewinnt einen der Schimmel oder? Gesagt, getan, der Bauer stolziert nach g5 und
Peter Svidler zieht a tempo Shg6 greift Tf8 und De7 an - aha, so geht Schach!
Zwei Figuren für Turm und Bauer - ist das genug, bei ständig
zunehmendem weißen Druck auf die King-Loek'sche Königstellung?
Nach gut drei Stunden hat Peter Svidler seinen Gegner geschultert und
ungefähr 1,49 Punkte eingefahren, soviel ist das 1.Brett wert, wenn die
Berliner Wertung als Stechkriterium ausgewiesen ist. Bei der Berliner Wertung
werden am ersten Brett 4, am zweiten 3, am dritten 2 Punkte und am letzten
Brett 1 Punkt vergeben, wenn am Ende Punktgleichheit erzielt wurde. In diesem
Fall mussten jetzt die Porzer mindestens die Bretter 2 und 3 gewinnen, um auch
die Berliner Wertung auszugleichen und somit das zweite Stechkriterium
herbeizuführen, ein Mannschaftsblitzentscheid! Oder halt einfach mit
2,5:1,5 gewinnen.
Ivan Sokolov
Nur für einen ganz kleinen Moment zeigte sich diese
Möglichkeit am Horizont, nämlich in der Sekunde, als der bereits in
Porz unglückliche operierende Pole Krasenkov, seine zu aggressiv angelegte
Schwarzpartie gegen den in der letzten Zeit wirklich eiskalt und erfolgreich
agierende Wahlholländer Ivan Sokolov aufgeben musste. Es stand 1:1,
Baden-Baden führte aber trotzdem in der Berliner Wertung 4:3 und die
Partien an Brett 3 Lutz gegen Dautov und an Brett 4 Dr.Hübner gegen
Vaganian standen vorteilhaft für die deutschen Spitzenspieler von der Oos.
Während Doc Hübner dann in der vierten Stunde ganz unspektakulär
und routiniert remis machte, musste Christopher Lutz seine klar schlechter
stehende Weißpartie versuchen auf Gewinn zu spielen, um doch noch den
Pott nach Porz zu holen. Sein Vorhaben schien aber genauso vergeblich, wie das
in der Antike von Herkules auszuführende, dem es auch trotz
größter Bemühungen nicht gelang seinen Job erfolgreich
abzuschließen. Der Kölner Mäzen hatte bald ein Einsehen,
gratulierte schon artig den Badenern und verließ den Ort des
aussichtslosen Unterfangens. Der total cool agierenden Rustem Dautov versuchte
dann seinerseits noch die Partie zu gewinnen und brachte nicht nur seinen
Gegner Lutz, sondern auch alle seine Freunde zum Schwitzen, bis er denn in das
Remis mit Zugwiederholung beim Stande von 2:12min gegen 2:46min Restbedenkzeit
für die Partie abwickelte. Das schelmische Grinsen des wirklich
abgezockten Bundesligaprofis begründete er nachher lapidar: "Ich wollte in
diesem wirklich undramatischen, ja fast unterkühlt ablaufenden Wettkampf
noch einmal ein bisschen Stimmung reinbringen"! In Wirklichkeit war er aber nie
in Gefahr zu verlieren, es sei denn er fiele tot vom Stuhl, aber das ist bei
diesem drahtigen jungen Mann in den nächsten 50 Jahren noch nicht zu
erwarten.
Besonders freut es mich für den Baden-Badener
Mannschaftsführer Thilo Gubler, dass die Saison einen erfolgreichen
Abschluß fand und auch der 1.Vorsitzende Jürgen Gersinska und der
Geschäftsführer des Karpov-Schachzentrums Christian Bossert konnten
ein breites Schmunzeln nicht verbergen - Ende gut, alles gut! Wir dürfen
jetzt ein wenig gespannt nach Bremen blicken, was die Porzer am 8.Mai im Stechen
gegen den SV Werder machen - dass am Samstag angekündigte Double ist ja
jetzt nicht mehr möglich, aber sie gehen als Favorit ins Rennen, wenn man
den Experten vor Ort und Fachjournalisten glauben darf!
Gespannt darf man jetzt schon auf die nächste Bundesligasaison
sein: stabilisieren die Porzer Schachmacher ihre Mannschaft weiter, verbreitern
die Baden-Badener Verantwortlichen ihren Kader oder holen gar den Hammer raus
nach zwei knapp verpassten Meistertiteln? Oder kommen die Bremer, die
Tegernseer, die Hamburger, die Kreuzberger oder gar ein Aufsteiger noch
näher heran? Fragen die sehr spannend sind liebe Schachfreunde, oder? Lang
lebe die Bundesliga!
SG Porz gegen OSC
Baden-Baden
Brett
SG Porz
Elo
Farbe
vs
OSC Baden-Baden
Elo
Farbe
Ergebnis
1
van Wely, Loek
2687
schwarz
vs
Svidler, Peter
2725
weiß
0 : 1
2
Sokolov, Ivan
2662
weiß
vs
Krasenkov, Michael
2672
schwarz
1 : 0
3
Lutz, Christopher
2614
weiß
vs
Dautov, Rustem
2609
schwarz
remis
4
Vaganian, Rafael
2631
schwarz
vs
Hübner, Dr.Robert
2624
weiß
remis
Berliner Wertung
2649
4,5
vs
Berliner Wertung
2658
5,5
2 : 2
Im Duell um den dritten Platz konnten die Neuköllner souverän
die Oberhand behalten und gewannen gegen den Hannoverschen Schachklub 2,5:1,5.
Deutscher Pokal-Einzelmeister wurde FM Udo Kaeser aus
Nordrhein-Westfalen mit einem fein heraus gespielten Weißsieg gegen den
Sachsen FM Roland Voigt.
Vor den Spielen
Die Begrüßung (von links nach rechts): Wolfgang Grenke (Vorstandsvorsitzender Grenkeleasing AG), Jürgen Gersinska (1. Vorsitzender OSC Baden-Baden) und und Turnierleiter Ralph Alt
Snooker live im Internet...
Peter Svidler (links) und Ivan Sokolov (rechts)
Die letzte Partie im Finale
Rustem Dautov und Christopher Lutz
Der Mannschaftspokal
Loek van Wely
Marion van Wely - Adriaans und Thilo Gubler
Ralph Alt und der neue deutsche Pokalmeister Udo Kaeser
Deutscher Pokal-Mannschaftsmeister OSC Baden-Baden Thilo Gubler, Peter Svidler, Michal Krasenkow, Rustem Dautov und Robert Hübner (v.l.n.r.)