Nachrichten Aktuelles Tagesschach 03/11 - Amber Chess Tournament 2011, Vorfreude und Abschiedsschmerz Vallejo und Gashimov im Gleichschritt in Reggio Emilia „Durch die Nacht mit … Garri Kasparow“ - Die ARTE-Doku in voller Länge
05.01.2011 - Das 20. Amber Chess Tournament stellt nicht nur ein Jubiläum dar, es wird zugleich auch das letzte seiner Art sein. Noch einmal werden zwölf Top-GM Mitte März gegen einander Schnell- und Blindschach spielen. Wir haben für Sie das Teilnehmerfeld und ein paar weitere Infos.
Eine Runde vor dem Ende des Torneo di Capodanno führen noch immer Vugar Gashimov und Francisco Vallejo Pons. Beide konnten heute Siege feiern, die kaum unterschiedlicher sein könnten und sie haben somit einen vollen Punkt Vorsprung auf Sergei Movsesian. Die letzte Runde beginnt bereits um 12:00 Uhr.
Wer in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch die von ARTE ausgestrahlte Begegnungs-Doku„Durch die Nacht mit … Garri Kasparow“ verpasst hat, kann bei uns die fast einstündige Sendung nochmals sehen. Im Gespräch zwischen dem 13. Schachweltmeister und dem Deutsch-Amerikaner und Finanzgenie Peter Thiel geht es bei der ungewöhnlichen Rundreise durch das nächtliche New York zwar nicht um Gott, aber um die Welt - und natürlich ... Schach!
Monaco (MCO) - Vom 11. bis 25. März findet zum zwanzigsten und leider auch letzten Mal das Amber Chess Tournament statt. Das erste Turnier dieser weltweit einmaligen Veranstaltung fand 1992 im französischen Roquebrune als normales Schnellschachevent statt, um die Geburt von Melody Amber van Oosterom zu feiern. Die Premiere gewann übrigens Vassily Ivanchuk, der seither der einzige Spieler ist, der an jedem der bald zwanzig Turniere teilgenommen hat! Die van Oosteroms sind eine Milliarden schwere Unternehmerfamilie aus den Niederlanden und besonders Vater Joop ist dem Schachsport wohl gesonnen. Das ist sogar noch stark untertrieben, denn mittlerweile ist er zweifacher Weltmeister und Führender der Weltrangliste im Fernschach. Und er ist eben der Initiator und Mäzen des Amber Turniers. Nach der ersten Auflage zog man 1993 nach Monaco um und führte neben dem Schnellschach die zweite Disziplin Blindschach ein. In Monaco blieb man bis 2007 und wechselte erst 2008 nach Nizza. Nun steht die 20. Auflage an, und weil es zugleich die letzte sein soll, wird man wieder in Monaco spielen. Austragungsort ist das Monte-Carlo Bay Hotel & Resort, und das Turnier ist erneut nahezu unschlagbar genial besetzt. Neun Spieler der aktuellen Top 10 der Weltrangliste werden am Start sein, und die restlichen drei Teilnehmer stehen ihnen nur unwesentlich nach und sorgen für einen ELO-Schnitt von 2767, was der berühmten Kategorie 21 entspricht. Wie gewohnt wird quasi ein doppelrundiges Turnier ausgetragen, wobei einmal Schnellschach und einmal Blindschach gespielt wird. Der Preisfonds beläuft sich auf üppige 227.000 Euro.
Reggio Emilia (ITA) - Mit einem stramm vorgetragenen Königsangriff hat Francisco Vallejo Pons in der achten Runde des Torneo di Capodanno Alexander Onischuk geschlagen und damit unterstrichen, dass er das Turnier der Kategorie 18 gerne alleine gewinnen möchte. Die Chancen dafür waren lange Zeit auch sehr gut, denn Vugar Gashimov stand gegen David Navara mehr als kritisch. Doch Zug um Zug drehte der Aserbaidschaner die Partie - erst zum Remis und nach einem weiteren Fehler seines tschechischen Gegners sogar noch zum Sieg. Somit wird sich der Turniersieg wohl zwischen den beiden Führenden entscheiden. Rechnerisch könnte Sergei Movsesian, sollte er morgen gegen Vallejo gewinnen, zwar noch gleichziehen, wenn Gashimov zugleich gegen Alexander Onischuk verlieren sollte, aber selbst dann dürfte Gashimov wohl die beste Sonneborn-Berger-Wertung aufweisen. Wer das spannende Finale in Reggio Emilia live erleben möchte, sollte ab 12:00 Uhr am Rechner sein
New York (USA) - Der Eine ist der bis heute erfolgreichste Schachspieler der Welt und bekennender Kreml-Kritiker, der Andere ist ein so genannter Internetmilliardär und starker Amateurschachspieler. Garry Kasparov und Peter Thiel sind befreundet und trafen sich anlässlich einer Begegnungs-Dokumentation in New York, um vor der Kamera über die Gebiete zu sprechen, mit denen sie sich am besten auskennen. Thiel, der sein Vermögen durch die Finanzierung von beispielsweise PayPal und Facebook machte, kennt sich nicht nur mit den Finanzen und der Technologie des 21. Jahrhunderts aus, er spielte noch vor einigen Jahren auch auf dem Niveau eines Fidemeisters Schach. Mal im Auto, mal an den dazu passenden Plätzen diskutieren Kasparov und Thiel die aktuelle Politk und Weltlage und lassen dabei auch das Schach nicht zu kurz kommen. Schade ist lediglich, dass man selbst bei dem kulturellsten TV-Sender, der über unsere Mattscheibe flimmert, nicht in der Lage war, einen "Fachmann" für den Untertitel zu finden, der die englische Schachsprache in die deutsche Schachsprache übersetzen kann. Dennoch, auch Sendungen wie diese tragen dazu bei, dass Schach bekannter und anerkannter wird. Also Daumen hoch, unbedingt anschauen!