TopTurniere 39. World Chess Olympiad 2010 - Alle Teams auf einen Blick GM Klaus Bischoff kommentiert live aus dem Chess Tigers Training Center! UPDATE: Rumänien ohne Mannschaft im Open
16.09.2010 - Für den 21. September ist die erste Runde der Schach-Olympiade im russischen Khanty-Mansiysk angesetzt. Trotz einiger Zweifel, ob die Veranstalter vor Ort den Massen an Schachspielern, Begleitern, Presse und vielleicht sogar Besuchern gewachsen sein werden, es gibt kein Zurück mehr – es muss gespielt werden. 152 Verbände haben ihr Kommen zum größten Teamwettbewerb der Welt angekündigt und ihre (bisher) insgesamt 1.371 Spielerinnen und Spieler angemeldet. Von den aktuell 38 Weltklassespielern, die 2700 Elopunkte und mehr vorweisen können, sind 32 am Start, wobei Magnus Carlsen für Norwegen und Veselin Topalov für Bulgarien die Spitze bilden. 251 Großmeister und 124 Internationale Meister werden um Ruhm und Elopunkte kämpfen. Wer nicht selbst die weite Reise nach Khanty-Mansiysk zum Zuschauen auf sich nehmen kann, wird aus dem Chess Tigers Training Center in Bad Soden am Taunus von Großmeister Klaus Bischoff live auf dem Laufenden gehalten. Täglich ist er ab 11:30 Uhr für Sie da, um sowohl für die Besucher vor Ort als auch auf dem Fritzserver von ChessBase die Spitzenpartien und natürlich auch die deutsche Nationalmannschaft mit Analysen und seinen erfrischenden Kommentaren zu begleiten. Für den Augenblick haben wir für Sie nicht nur alle Teamaufstellungen aufgelistet, wir haben auch die leider zahlreichen Fehler aus den Original-Listen der Veranstaltungsseite korrigiert und teils fehlende Elozahlen ergänzt.
Update: Wie Chessdom berichtet, haben die an 19 gesetzten Rumänen kurzfristig ihr Team zurückgezogen. Offenbar gab es wie beim deutschen Team keine Einigung in finanziellen Fragen zwischen dem rumänischen Verband und den Spielern. Lediglich bei den Frauen wird Rumänien vertreten sein.
Im offenen Wettbewerb – also dort, wo Männer und Frauen teilnehmen dürfen – ist das Team Russland I mit Vladimir Kramnik an Brett 1 und einem Mannschaftsschnitt von 2749 der Top-Favorit auf Gold, vielleicht auch, weil man dem vom Schnitt her ärgsten Konkurrenten Ukraine (Ø2737) mit Sergey Karjakin vor einiger Zeit einen Leistungsträger ausgespannt hat. Ebenfalls ein ganz heißer Anwärter auf Edelmetall sind die Chinesen (Ø2703), dicht gefolgt von Russland II (Ø2702). Sehr zur Enttäuschung vieler Schachfreunde konnte oder wollte sich Alexander Morozevich nicht überwinden, im zweiten der insgesamt vier(!) russischen Teams zu spielen, wobei die genauen Gründe nicht bekannt sind. Noch mehr als Moro wird der amtierende Weltmeister Viswanathan Anand vermisst, der nicht für sein Heimatland antreten wird. Bedenkt man das Pensum, welches Anand in diesem Jahr absolviert hat und welche Turniere noch vor ihm liegen, dann ist seine Entscheidung einfach nur vernünftig – es muss halt auch mal ohne ihn gehen, selbst wenn es zugegeben schwer fällt.
Fernab aller Medaillenträume befindet sich die deutsche Auswahl auf Startplatz 43 mit einem Schnitt von 2534. Die Gründe dafür sind hinlänglich bekannt und entsprechend gering ist die Erwartungshaltung an Rainer Buhmann, Sebastian Bogner, Falko Bindrich, Martin Krämer und den amtierenden deutschen Meister Niclas Huschenbeth. Jan Gustafsson, der unter normalen Umständen natürlich für Deutschland spielen würde, wird als Kapitän der Dänen in Khanty-Mansiysk sein. Dort wird er aber nicht Dänemarks Nummer 1 coachen, denn Peter Heine Nielsen seinerseits wird das norwegische Team und damit seinen „alten“ Schüler Magnus betreuen.
Bei den Frauen ist ebenfalls Russland I (Ø2536) favorisiert. Mit den Kosinstseva-Sisters an den Spitzenbrettern und dahinter Weltmeisterin Alexandra Kosteniuk stehen alle Ampeln auf Gold, doch wie im Open sind bei den Damen die Ukraine (Ø2493) und China (Ø2479) dicht dran. Das deutsche Team (Ø2344) ist mit Rang 16 in der Startrangliste kein ernsthafter Medaillenkandidat, doch eine Platzierung unter den ersten zehn wäre für Elisabeth Pähtz, Sarah Hoolt, Elena Levushkina, Melanie Ohme und Judith Fuchs schon ein schöner Erfolg.
Beim Durchschauen der Teams werden Ihnen drei Verbände begegnen, die Ihnen vermutlich nichts sagen werden. Da wäre zunächst die „IPCA“, was für International Physically Disabled Chess Association steht. Das Team der körperlich eingeschränkten Spieler wird übrigens von dem deutschen Großmeister Thomas Luther am Spitzenbrett vertreten. Das „ISCS“ bedeutet International Commitee Of Silent Chess und tritt mit hörgeschädigten Spielern an. Und dann wäre da noch die „IBCA“ – International Braille Chess Association - für sehbehinderte Schachspieler.