Nachrichten Aktuelles Tagesschach 53/10 - Ruhe in Frieden, Bent Larsen! „Tata“ statt „Corus“ in Wijk aan Zee *** Kasparov verhindert unfreiwillig Gashimovs Olympia-Teilnahme *** Meier siegt souverän in Antwerpen *** Illescas gewinnt spanische Meisterschaft *** 3. Deutscher Schulschachkongress in Hamburg
13.09.2010 - Mit Bent Larsen ist am 09. September eine Legende des Schachsports von uns gegangen. Der dänische Großmeister verstarb ein halbes Jahr nach seinem 75. Geburtstag. Derweil wurde bekannt, dass das Corus Chess Tournament seinen Namen ändert. Die 73. Auflage im Januar 2011 wird den Namen des "neuen" Sponsors Tata Steel tragen und tischt mit Weltmeister Viswanathan Anand, Magnus Carlsen und Vladimir Kramnik gleich üppig auf. Schlechte Nachrichten erreichen uns aus Aserbaidschan. Top-GM Vugar Gashimov wurde aus dem Olympia-Team seines Landes geworfen, weil er für das falsche Team in der spanischen Liga spielte. In Antwerpen hat Georg Meier mit 6,5/9 das InventiChess 2010 gewonnen. Und die Offene Spanische Meisterschaft 2010 sicherte sich Miguel Illescas Cordoba mit 7,5/9. Und wer erfahren und diskutieren möchte, wie man Schach an Schulen lehrt, der ist Anfang November beim 3. Deutschen Schulschachkongress in Hamburg willkommen.
Bent Larsen 1968
Quelle: Chess Review
Buenos Aires (ARG) - Am vergangenen Donnerstag hat einer der ganz Großen die Schachwelt verlassen. Der dänische Großmeister und einstige Weltklassespieler Bent Larsen ist von uns gegangen. Larsen starb in seiner Wahlheimat Argentinien, wo er seit 1980 lebte. Geboren 1935 in Tilsted wurde er 75 Jahre alt - 75 Jahre, in denen der bekennende Nicht-Remisspieler bis zum Ende sein Leben in den Dienst des königlichen Spiels stellte. Seinen Höhepunkt als Spieler hatte Larsen in den 60er und 70er Jahren und galt damals nach Bobby Fischer als der beste westliche Schachspieler der Welt. Neben legendären Siegen ist vielen Fans auch seine schmerzliche 0:6-Niederlage gegen eben jenen Fischer im Kandidatenturnier 1971 in Denver bekannt. Noch heute hat das von ihm erfundene Larsen-System, welches mit dem ungewöhnlichen Zug 1.b3 beginnt, viele Anhänger Dabei griff er eine Idee von Aaron Nimzowitsch auf, weshalb das System auch oft als Nimzowitsch-Larsen Eröffnung bezeichnet wird. Larsen liebte die Herausforderung und war für seinen kompromisslosen Stil bekannt. So kommt ihm auch die zweifelhafte Ehre zuteil, der erste Großmeister zu sein, der unter Turnierbedingungen in einem Open gegen einen Computer namens Deep Thought verlor. Dabei sollte man jedoch nicht vergessen, dass er sich 5 Jahre später, als die Programme rasant stärker wurden, gegen Nachfolger Deep Blue mit 2,5:1,5 in einem Match rächte.
Bent Larsen * 4. März 1935; † 9. September 2010
Bild: Peter Heine Nielsen
Bent Larsen wurde nie Weltmeister, aber in der Erinnerung wird er auf ewig in die Ruhmeshalle der größten Schachmeister aller Zeiten aufgenommen. Mit großem Schmerz, doch auch der Zuversicht, dass er nun die Ewigkeit nutzen wird, sich bei Fischer für das 0:6 zu revanchieren, nehmen wir Abschied vom großen Bent Larsen. Ruhe in Frieden!
Wer gerne mehr über Bent Larsen erfahren möchte, sollte sich die Zeit für die folgenden Links nehmen.
Wijk aan Zee (NED) - Einst Hoogovens, dann Corus und nun Tata - traditionell beginnt das Schachjahr im Januar in den Niederlanden, genauer gesagt in dem malerischen Wijk aan Zee in der Gemeinde Beverwijk. Das Corus Chess Tournament hat eine lange Tradition, doch diese ist nun Geschichte. Das klingt schlimmer, als es ist, denn es bedeutet lediglich, dass nicht mehr der niederländisch-britische Stahlkonzern Corus der Hauptsponsor eines der schönsten und stäksten Schachturniere der Welt ist. Bereits 2007 übernahm der indische Stahlriese Tata Steel den Corus-Konzern für 8,1 Milliarden Euro und nun ist diese Tatsache auch im Schach angekommen. Fortan wird der weltweit beliebte Event in Nordholland den Namen Tata Steel Chess Tournament tragen und schon jetzt ist klar, er wird nicht minder hochkarätig besetzt sein. Obwohl noch nicht alle Teilnehmer der drei GM-Turniere feststehen, sprechen die Namen Viswanathan Anand, Magnus Carlsen und Vladimir Kramnik für sich. Wer das Feld komplettieren und die weiteren Turniere füllen wird, ist noch nicht bekannt, aber die Veranstalter rund um Dolf Vos und Jeroen van den Berg hoffen, nach der Olympiade alle weiteren Spieler bekannt geben zu können. Stattfinden wird das 73. Tata Steel Chess Tournament vom 14. bis 30. Januar 2011. Bleibt nur die Frage, ob sich die Veranstaltung auch farblich vom feurigen Rot zu einem kühlen Blau anpassen wird.
Die Hauptstadt Aserbaidschans ist Baku und sie hat schon einige Schachspieler geboren, die es zu Weltruhm gebracht haben. Der bekannteste und erfolgreichste von ihnen ist natürlich der 13. Weltmeister Garry Kasparov. doch in seiner Heimat ist dieser aufgrund seiner armenischen Wurzeln eine persona non grata. Diese Tatsache soll nun Vugar Gashimov zum Verhängnis werden. Neben Shakhriyar Mamedyarov und Teimour Radjabov ist Gashimov aktuell der dritte aserbaidschanische 2700er in der Weltklasse, dennoch will ihn sein eigener Verband nicht bei der kommenden Olympiade in Khanty-Mansiysk antreten lassen. Auslöser soll die Tatsache sein, dass Gashimov zuletzt in der spanischen Mannschaftsmeisterschaft für das Team “Escuela Kasparov-Marcote” antrat, welches übrigens den Titel holte. Der Georgier Zurab Azmaiparashvili steht als Kapitän der Nationalmannschaft Aserbaidschans hinter dieser Entscheidung, obwohl er sich nachweislich in der Öffentlichkeit als enger Freund Kasparovs präsentiert. Das ist nicht die erste "Unstimmigkeit" rund um den Vize-Präsidenten der FIDE, der mit dem Worten "Freunde" und "Familie" derart um sich wirft, dass sie völlig ihre Bedeutung verlieren. Wie lange lassen wir uns alle die Machenschaften und mehr als fragwürdigen Aktionen solcher Personen noch gefallen? Nicht nur Vugar Gashimov, der nach mehreren(!) Operationen an seinem Gehirn, endlich ein vollwertiges Mitglied der Weltklasse ist, ist angesichts dieser Ungerechtigkeit erschüttert. 2009 bei den Europäischen Mannschaftsmeisterschaften in Novi Sad, war er noch der Held am zweiten Brett, als er in der Schlussrunde den entscheidenden Sieg gegen den Niederländer Daniel Stellwagen erzielte und seinem Land die Goldmedaille bescherte.
Die gesamte Affäre rund um die Nicht-Berücksichtigung von Gashimov wurde sowohl bei Chess in Translation (CiT) als auch ChessVibes aufgearbeitet und kann über die folgenden Links nachvollzogen werden.
Antwerpen (BEL) - Bis zum vergangenen Samstag fand in Belgien das InventiChess 2010 - ein neunrundiges GM-Turnier - statt. Vom Start weg dominierte Georg Meier das Geschehen und siegte letztlich ungeschlagen mit 6,5 Punkten. Die deutsche Nummer 2 wurde der Favoritenrolle gerecht und verwies den stark aufspielenden Belgier IM Bart Michiels mit 6 Punkten auf den zweiten Rang. Dritter wurde der Rumäne Andrei Istratescu - neben Meier der einzige Teilnehmer über 2600. Sicher war dieses Turnier der Kategorie 10 kein echter Beleg für das Potential des Neu-Baden-Badeners, aber Meier hat damit belegt, dass er gut mit der Favoritenrolle umgehen kann. Das nächste Mal dürfen es bestimmt auch aus seiner Sicht wieder stärkere Gegner sein, denn Elopunkte für seinen Weg zur 2700 konnte Meier in Antwerpen nicht holen.
InventiChess 2010 - GM-Turnier Endstand nach 9 Runden
El Sauzal (ESP) - Am gestrigen Sonntag endete die Spanische Meisterschaft 2010. Gewonnen hat sie die Nummer 3 der Setzliste Miguel Illescas Cordoba, er erreichte als einziger Teilnehmer 7,5 Punkte. Zweiter wurde Titelverteidiger Francisco Vallejo Pons nach Wertung vor den punktgleichen IMs Javier Moreno Ruiz und Sergio Garza Marco. Der von dem deutschen Großmeister Jan Gustafsson sekundierte Ivan Salagado wurde Sechster, was sich Gusti in Teilen auch selbst ankreidet, wie man dessen neuer Webseite entnehmen kann. Man hatte von Beginn an mit dem Titel geliebäugelt, doch in Runde 7 war die Vorbereitung offenbar nicht tief genug und Salgado verlor gegen Julien Arizmendi.
Spanische Meisterschaft 2010 Endstand nach 9 Runden
Hamburg - Am 05. und 06. November findet in Hamburg der 3. Deutsche Schulschachkongress statt. Eingeladen von der Deutschen Schachjugend und Deutschen Schulschachstiftung sind Lehrerinnen und Lehrer, die Schach an die Schulen bringen möchten oder bereits unterrichten, Leiter von Schach-AGs, Inhaber des Schulschachpatentes, Vereinsvertreter, die einen Kontakt zu Schulen aufbauen möchten, beziehungsweise schon Schach-AGs an Schulen betreuen, und Schulschachreferenten aller Ebenen die Zielgruppe. Es wird referiert, diskutiert und in Workshops rund um alle Themen in Sachen Schulschach wird beispielsweise gezeigt, wie man Trainigsmaterialien erstellt und anwendet. Erstmalig findet zum Abschluss des Schulschachkongresses die „Schachpädagogische Nacht“ statt. Dort können bei Buffet und schachlichem Kulturprogramm interessante Gespräche des Tages fortgesetzt und auf das Schulschach in Deutschland angestoßen werden. Alle weiteren Informationen entnehmen Sie der folgenden Ausschreibung.
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