Nachrichten Aktuelles Tagesschach 48/10 - Ergebnisse der letzten Tage Gelfand besiegt Leko im Schnellschach *** Kamsky gewinnt Baku Open *** Hebden siegt in Irland
31.08.2010 - Mehrere Turniere haben in den vergangenen Tagen ihr Ende gefunden, aber sie standen natürlich im Schatten des Schnellschach-Duells in Norwegen zwischen Weltmeister Viswanathan Anand und dem Führenden der Weltrangliste Magnus Carlsen. Quasi parallel fand ein Schnellschachmatch zwischen Peter Leko und Boris Gelfand im ungarischen Miskolc statt. Letzterer siegte mit 4,5 zu 3,5. Heute zu Ende gegangen ist das Baku Open 2010. Elo-Favorit Gata Kamsky siegte trotz eines kleinen Hängers in der sechsten Runde und gewann nach der Schnellschach-WM in Mainz sein zweites Turnier im August. In Irland hat der englische GM Mark Hebden das Dun Laoghaire Masters 2010 gewonnen. Chess Tiger Klaus Bischoff verpasste ein gutes Ergebnis, und auch die Kombination des Turniers ging zu seinen Lasten.
Miskolc (HUN) - Am vergangenen Sonntag endete in Ungarn das Schnellschach-Match zwischen Peter Leko und Boris Gelfand. Nicht zum ersten Mal musste der Ungar die Erfahrung machen, dass das schnelle Schach wohl nie zu seiner Paradedisziplin werden wird. Allerdings ist seine 3,5:4,5-Niederlage auch der Tatsache geschuldet, dass er sich wiederholt als zu unflexibel in der Eröffnungswahl zeigte. Sieben der acht gespielten Partien wurden in der Anti-Meraner Variante des Damengambits (D43) gespielt, wobei Gelfand mit Schwarz keine und Leko zwei Partien verlor. Lediglich in der vierten Partie griff Leko zu 1.e4 und gewann prompt gegen das israelische Russisch. Offenbar war dies jedoch die einzige vorbereitete Überraschung des Gastgebers und so unterlag dieser einem auch nicht gerade inspirierendem Gast denkbar knapp. Die entscheidende Niederlage haben wir für Sie zusammengefasst.
Leko vs. Gelfand, Miskolc 2010
Boris Gelfand 2739 – Peter Leko 2734
Rapid Match (5), Miskolc 2010
Stellung nach zuletzt 28.Tfd1
Zwei Türme gegen zwei Figuren, das kommt schon auf den ersten Blick verloren vor. Aber Leko kennt natürlich die Dynamik von starken Leichtfiguren gegenüber schwachen Türmen. Doch hier wird er sie überschätzen. 28...e5? Statt sich an dieser Stelle eine Minusqualität zurückzuholen, setzt der Ungar auf seine Figuren und die bessere Bauernstruktur. Allerdings sind die weißen Türme hier nicht schwach!
Manchmal ist das Einfachste auch das Beste! Nach 28...Se2+! 29.Kf1 Sxc1 30.bxc3 Lxc3 31.Txc1 Kxd6 32.Ke2 Kd5 verfügt Weiß über durchaus realistische Chancen auf ein Remis.
Analysediagramm
29.bxc3 bxc3 30.Kf1 f6 31.Tc2 Sd5 32.Tb1 a5 33.Ke2 Sb4 Sehr kreativ hat Schwarz einen breiten Verteidigungsgürtel errichtet. Das Problem ist allerdings, dass Weiß über so viel Mehrmaterial verfügt, dass er jederzeit etwas zurückgeben kann und wird.
34.Kd1! Kxd6 35.Tb3! Gelfand zwingt seinen Gegner dazu, den materiellen Rückstand zu verringern, um mit dem verbleibendem Turm die Partie zu entscheiden. 35...Sxc2 36.Kxc2+- In der Folge sterben die schwarzen Bauern wie die Fliegen.
Baku (AZE) - Vom 23. bis 31. August fand in der aserbaidschanischen Hauptstadt ein starkes Turnier statt - das Baku Open 2010. 158 Teilnehmer traten in neun Runden Schweizer System an, und von 16 Großmeistern war Gata Kamsky der einzige 2700er, also der Topfavorit. Bis zur sechsten Runde lief auch alles ganz gut für den Amerikaner, der seit dem 08. August der amtierende Schnellschach-Weltmeister ist. Mit 4,5 Punkten führte er eine vierköpfige Spitzengruppe an, doch dann erwischte ihn der Azeri Rauf Mamedov im Turmendspiel. Aber Kamsky zeigte sich gewohnt kämpferisch und gewann die letzten drei Partien. Bereits nach dem zweiten Sieg hatte er die Führung nach Wertung zurück erobert, doch wie schon in Mainz wollte Kamksy nicht nur Wertungssieger werden. Also schlug er auch noch Boris Savchenko und erreichte als einziger Teilnehmer 7,5/9. Zweiter wurde nach Wertung Emil Sutovsky vor Aleksej Aleksandrov.
Dun Laoghaire (IRL) - Vom 20. bis 29. August fand in Irland das Dun Laoghaire Masters 2010 statt. Das zehnköpfige Rundenturnier wurde von dem Engländer GM Mark Hebden gewonnen. Bei keiner Niederlage siegte er dreimal und erreichte als einziger Teilnehmer 6 Punkte. Platz zwei und drei ging mit IM Mark Quinn und IM Mark Heidenfeld an Irland. Mit am Start war auch Chess Tiger GM Klaus Bischoff. Nachdem er sieben Runden lang um den Turniersieg mitgespielt hatte, erwischte er zum Ende eine kurze Rochade - soll heißen, er kassierte zwei Nuller und fiel noch auf den siebten Rang zurück. Einige Frotzeleien sind ihm diesbezüglich beim nächsten Chess Tigers Stammtisch (immer dienstags im Alten Wirtshaus in Bad Soden) gewiss. Und ganz sicher wird ihn auch jemand auf die folgende brillante Taktik der fünften Runde ansprechen. Zu dumm, dass der Wahl-Frankfurter auf der falschen Brettseite saß...
Klaus Bischoff 2553 – Mark Quinn 2377
Dun Laoghaire Masters 2010 (5)
Stellung nach zuletzt 64...Td3-a3
Es ist eine Zeit her, da stand Weiß mal fast auf Gewinn. Davon ist nichts mehr übrig, aber Weiß möchte halt noch ein paar Züge spielen, bevor er sich ins Remis ergibt. Wer weiß, vielleicht stellt der Gegner noch seinen Turm ein, also 65.Db2?? Was soll schon passieren? 65...Te3+!! Alter Schwede beziehungsweise Ire! Weiß verliert unweigerlich die Dame und gab sofort auf. 0–1
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