Nachrichten Aktuelles Tagesschach 46/10 - Junge Hüpfer schlagen in Amsterdam die alten Hasen mit 26-24 Naidtsch mit Match-Sieg gegen Efimenko Ehepaar Fressinet / Skripchenko gewinnt Französische Meisterschaften
22.08.2010 - Im Duell "Rising Stars versus Experience" haben in Amsterdam die möglichen Weltmeister von morgen beim NH Chess Tournament 2010 schonmal knapp mit 26 zu 24 gegen jetzige Spitzenspieler gewonnen. Doch beinahe noch wichtiger war die Frage, welcher "Jungspund" die Einladung für das nächste Amber Turnier in Nizza gewinnen würde. So viel vorab: Es musste darum geblitzt werden und einer der Finalisten war Hikaru Nakamura... Einen auch aus deutscher Sicht schönen Erfolg erzielte Arkadij Naiditsch in Mukachevo, wo er ein Match gegen den Ukrainer Zahar Efimenko gewann. In Frankreich wurden unterdessen die 85th French Championships ausgetragen. Laurent Fressinet siegte bei den Männern und seine Gattin Almira Skripcheno tat es ihm bei den Frauen gleich.
Amsterdam (NED) - Vom 12. bis 22. August fand in den Niederlanden das NH Chess Tournament 2010 statt. "NH" steht für den Sponsor NH Hotels, der zusammen mit der Max Euwe Gesellschaft und Mäzen Joop van Oosterom, in diesem Jahr zum fünften Mal einen Wettkampf "Jungsternchen gegen Erfahrung" oder "Rising Stars versus Experience", wie es im Original heißt, veranstaltete. Für jedes Team traten fünf Spieler an. Die Rising Stars wurden vertreten durch Hikaru Nakamura (2729), Wesley So (2674), Fabiano Caruana (2672), Anish Giri (2672) und David Howell (2616). Reichlich Erfahrung in die Waagschale warfen im Gegenzug Boris Gelfand (2739), Peter Svidler (2734), Peter Heine Nielsen (2700), Loek van Wely (2677) und Lubomir Ljubojevic (2572).
Jedes Team-Mitglied spielte zwei Partien gegen die Spieler der Gegenseite, also zehn Partien, was bedeutet, dass es insgesamt 50 Punkte zu vergeben gab. Die Bedenkzeit betrug 2h/40 Züge + 30 Minuten + 30 Sekunden/Zug ab dem 41. Zug. Sehr interessant ist die Vergabe der Preisgelder. Vom Start weg hatte jeder Teilnehmer nur 1.000,- Euro sicher, denn die gab es wenn man zum Verliererteam gehört und keinen vollen Punkt erzielte. 2.000,- Euro gab es immerhin für die gleiche Punktausbeute, wenn man sich zum Siegerteam zählte. Im Falle eines 25:25 waren 1.500,- Euro garantiert. Natürlich gab es keinen Spieler, der weniger als einen Punkt holte, und so durften sich die Spieler über jeweils 500,- Euro extra für jeden vollen Zähler freuen. Für die Nachwuchsspieler ging es noch um ein ganz besonderes Bonbon. Der punktbeste Spieler erhielt eine Einladung für das berühmte Amber Blindfold and Rapid Tournament in Nizza im kommenden Jahr.
Es entbrannte ein durchaus spannendes und hochklassiges Duell zwischen den alten Hasen und den jungen Hüpfern, welches Letztere mit 26-24 denkbar knapp gewannen. Bester Spieler aller Anwesenden war der erfahrene Boris Gelfand. Der Israeli holte 7 Punkte und hatte damit einen vollen Zähler mehr als Anish Giri und Hikaru Nakamura auf dem Konto. Doch wer sollte nun das Ticket ins sonnige Nizza bekommen? Die Regularien sahen einen Tiebreak zwischen Giri und Nakamura vor - sehr zur Freude des Amerikaners im Blitzschach! Nakamura machte mit 2-0 kurzen Prozess und wir freuen uns schon jetzt darauf, den Chess960-Weltmeister auf höchstem Niveau Schnell- und Blindschach spielen zu sehen!
Als Bonus folgen noch ein paar Bilder von unserem Chess Tiger on Tour Eric van Reem, der in der achten Runde auf Stippvisite in Amsterdam war.
Herrliches Sommerwetter in der Hauptstadt
Der Koninklijke Paleis (Königliche Palast) war leider verhüllt
Der Spielort: NH Grand Hotel Krasnapolsky
Ob unser Eric damit durch Amsterdam gedüst ist? Zuzutrauen wäre es ihm! Allerdings wissen wir spätestens seit der Schach-WM in Sofia, dass er weitaus größere Fahrzeuge bevorzugt. Jedoch war dieses Mal war auch nicht der Weltmeister samt Gefolge zu transportieren.
Ähm, wolltest Du nicht Bilder vom NH-Turnier schicken, Eric?
Ja, das sieht schon besser aus...
"Schöner Spielsaal, aber mehr Zuschauer hätten es ruhig sein können!"...
...wird sich vielleicht auch Fabiano Caruana gedacht haben
Auch Anish Giri wirkte etwas verloren...
Gehen wir einfach mal näher 'ran, dann ist er nicht so allein'!
David Howell ist Englands große Hoffnung
Mit Wesleys Nachnamen lassen sich So viele Wortspiele anstellen...
Boris Gelfand hätte So gerne gegen ihn gewonnen, aber So einfach ist das nicht. Okay, jetzt ist es schon nicht mehr So lustig!
Weltmeister-Sekundant Peter Heine Nielsen wird sich übrigens auch noch an den unterhaltsamen WM-Trip mit Eric nach Sofia erinnern. Diese Reise endete mehr als gut, aber mit seinen 4/10 in Amsterdam wird der Däne sicherlich nicht zufrieden sein.
Lubomir Ljubojevic im Erfahrungsaustausch mit Loek van Wely
Und wo geht es hier lang?
Zum Live-Kommentar von New in Chess-Chefredakteur Jan ten Geuzendam!
Im vergleichsweise chicen Pressezentrum...
...stellten sich die Spieler Macauley Peterson von ICC zur Videoanalyse. Hier berichtet Anish Giri gerade seine Erlebnisse mit Peter Heine Nielsen.
Da lauscht auch die deutsche Schachpresse in Person von Georgios Souleidis
Mukachevo (UKR) - Vom 12. bis zum 18. August hatte sich der ukrainische Spitzenspieler Zahar Efimenko die deutsche Nummer 1 zu einem Match über sechs Partien in seine Heimat eingeladen. Veranstaltet wurde das Duell von dem Chess Club 32×64 und der Universal Event Promotion (UEP) in dem westukrainischen Weinbaugebiet Mukachevo (oder auch Mukatschewe). Die Bedenkzeit betrug 90 Minuten für 40 Züge, 30 Minuten für den Rest und 30 Sekunden Bonus ab dem ersten Zug. Beide Spieler sind 1985 geboren und bis auf fünf Pünktchen ist auch ihre aktuelle Elo gleich, weshalb ein Kampf auf Augenhöhe zu erwarten war. Nach einem Remis mit Schwarz zum Auftakt landete Naiditsch jedoch gleich in der zweiten Partie den entscheidenden Treffer des Matches. Er nutzte vorbildlich eine Ungenauigkeit seines Gegners im Endspiel und fand an wichtiger Stelle (siehe unten) den richtigen Plan zum Sieg. Obwohl Efimenko in den restlichen vier Partien sein Bestes gab, sie endeten allesamt unentschieden. Somit siegte Naiditsch nicht unverdient mit 3,5 zu 2,5 auf gegnerischem Grund. Neben dem Preisgeld und der schönen Trophäe hat der Dortmunder sicherlich auch weitere Erfahrungen für kommende Großtaten gesammelt.
Arkadij Naiditsch 2684 – Zahar Efimenko 2689
Match in Mukachevo - 2. Matchpartie
34.Th2!+- Neben dem Plan, sich den c-Bauer zu holen, ist jetzt auch die Idee Th8-e8# zu beachten. 34...Ld5
34...Tb2 35.Th8! Ld7 36.Sd5+ Ke6 37.Sxc7+ Ke7 38.f5! gxf5 39.gxf5+- und die erneute Mattdrohung f5-f6 gewinnt weiteres Material.
35.Th3+- Der c-Bauer lässt sich nicht mehr halten. 35...Lc6
Auch nach 35...Tc5 geht 36.Txc3 wegen 36...Txc3 37.Sxd5+ +-.
Belfort (FRA) - Vom 09. bis 21. August fanden die 85th French Championships der Männer und auch der Frauen statt. Außer der aktuellen französischen Nummer 1 Maxime Vachier-Lagrave war bei den Herren die Elite des Landes am Start. Insgesamt elf Großmeister und ein Internationaler Meister spielten ein Rundenturnier, an dessen Ende sowohl Romain Edouard als auch Laurent Fressinet 8 Punkte auf dem Konto hatten. Ein Schnellschach-Stichkampf (15'+5'') musste über den Titel entscheiden, und nach einem Remis in der ersten siegte Fressinet in der zweiten Partie. Bronze ging mit 7 Punkten an Etienne Bacrot.
Ohne Tie-Break und unter dem Strich sehr souverän wurde das Frauenturnier entschieden. Almira Skripchenko, war quasi von der Mainzer Bühne der Chess Classic als klare Elofavoritin nach Belfort geeilt und siegte souverän. Es nahmen nur sechs Damen teil, weshalb das Turnier doppelrundig ausgetragen wurde. Skripchenko erzielte 7,5 von 10 möglichen Punkten und verwies Sophie Milliet mit 1,5 Zählern auf den zweiten Rang. Dritte wurde Maria Leconte.
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