Nachrichten Aktuelles Tagesschach 36/10 - Dortmunder Chess-Meeting verheißungsvoll gestartet U.S.-Meisterschaften der Frauen und Junioren nach 5 Runden Luke McShane führt Canadian Open an
15.07.2010 - Das Sparkassen Chess-Meeting 2010 in Dortmund ist heuer gestartet und in den drei Begegnungen floss gleich ordentlich Blut. Ruslan Ponomariov besiegte Peter Leko und Arkadij Naiditsch unterlag unglücklich Shakhriyar Mamedyarov. Lediglich Vladimir Kramnik und Le Quang Liem trennten sich nach langem Kampf unentschieden. Derweil sind sowohl bei den Women's Closed Championships als auch den Juniors Closed Championships in St. Louis bereits fünf Runden gespielt. Es führt mit jeweils 4,5 Punkten Anna Zatonskih bei den Frauen und Parker Zhao beim Nachwuchs. Ebenfalls fünf Runden sind bei der Canadian Open Chess Championship 2010 gespielt. Es führt nach Wertung Luke McShane.
Dortmund (GER) - Ab heute und bis zum 25. Juli findet wieder Deutschlands stärkstes Großmeisterturnier statt. Das Sparkassen Chess-Meeting um Veranstaltungsleiter Gerd Kolbe und Turnierdirektor Stefan Koth hat auch in diesem Jahr wieder ein Top Turnier der Kategorie 20 anzubieten. Gespielt wird ein doppelrundiges Rundenturnier mit sechs Top-Großmeistern. Die Bedenkzeit beträgt 100 Minuten/40 Züge + 50 Minuten/20 Züge + 15 Minuten + 30 Sekunden/Zug ab dem erstem Zug. Rundenstart ist täglich um 15:00 Uhr, außer am 20. Juli, denn dann ist der einzige Ruhetag. Die letzte Runde wird bereits um 13:00 Uhr beginnen. Die Live-Übertragung ins Internet erfolgt mit einer Verzögerung von 15 Minuten. Neben diesem Versuch, so einen möglichen Betrug zu verhindern, wird erstmals auch konsequent die berüchtigte "Sofia-Regel" angewendet. Demnach ist es den Spielern untersagt, ohne Absprache mit dem Schiedsrichter, ein Remis zu vereinbaren.
Gebracht hat das dem in früheren Jahren recht remislastigen Turnier laut der ersten Runde tatsächlich etwas. Von den drei Partien endete nur eine friedlich und das erst nach 64 Zügen. So lange versuchte der neunfache Chess-Meeting-Sieger und amtierende Titelverteidiger Vladimir Kramnik gegen den Debütanten aus Vietnam Le Quang Liem ein völlig ausgeglichenes Schwerfigurenendspiel zu gewinnen. Mehr Erfolg hatten dagegen Shakhriyar Mamedyarov und Ruslan Ponomariov. In einer spannenden Partie mit hochgeklappten Visieren konnte Ersterer gegen Arkadij Naiditsch gewinnen. Der Deutsche übersah die taktische Wendung im 21. Zug und verlor nach unterhaltsamen Eröffnungsverlauf ersatzlos einen Bauern. Der Übergang ins Turmendspiel rette ihn auch nicht mehr, Shak spielte präzise und fuhr verdient den vollen Punkt ein. Auch Ponomariov hat allen Grund, mit seinem Auftakt zufrieden zu sein. Er wählte gegen Peter Leko mit den weißen Steinen die Schottische Partie und nutzte die Tatsache, dass sein König in der Brettmitte geblieben war, um diesen im Endspiel entscheidend in Szene zu setzen. Bald gewann der Ukrainer einen Bauern und kurz darauf auch die Partie.
Der Vorsitzende der Sparkasse Dortmund Uwe Samulewicz (links) und Veranstaltungsleiter Gerd Kolbe bei der Eröffnung
Um 16:00 Uhr ging es dann mit einer Stunde Verspätung los. Vorne die drei Partien des GM-Turniers und im Hintergrund die beiden Top-Bretter des Helmut-Kohls-Turniers
Shakhriyar Mamedyarov wirkte optimistisch
Das galt zu Beginn der Partie auch für Arkadij Naiditsch ...
Ruslan Ponomariov schlug ...
... Peter Leko
Rekordsieger Vladimir Kramnik kam gegen ...
... das "Greenhorn" Le Quang Liem nicht über ein Remis hinaus
St. Louis (USA) - Seit dem 10. und noch bis zum 20. Juli finden in den USA parallel die Women's Closed Championships und die Juniors Closed Championships statt. In beiden nationalen Meisterschaften spielen zehn Teilnehmer beziehungsweise Teilnehmerinnen jeweils ein Rundenturnier mit sehr beachtlichen Preisfonds. So beträgt dieser bei den Frauen stolze 65.000,- USD, wovon 16.000.- auf die Siegerin fallen, und bei den Junioren geht es um etwas mehr als 10.000,- USD, von denen der Sieger 3.000,- erhält. Zusätzlich bekommt jeder Jungspieler einen brandneuen Laptop. In beiden Turnieren wird die Bedenkzeit 90 Minuten/40 Züge + 30 Minuten + 30 Sekunden/Zug ab dem erstem Zug gespielt. Rundenstart ist immer um 21:00 Uhr unserer Zeit, also 14:00 Uhr lokal. Sollten Tiebreaks nötig sein, werden diese am 20. Juli ab 17:00 Uhr unserer Zeit ausgetragen.
Fünf Runden sind bisher gespielt und bei den Frauen hat sich Titelverteidigerin Anna Zatonskih mit 4.5 Punkten an die Spitze gesetzt. Die größte Konkurrentin im Titelkampf dürfte Irina Krush werden, die im Augenblick einen halben Zähler zurückliegt. Doch Krush muss auf einen Ausrutscher der Rivalin hoffen, denn gegeneinander haben beide bereits in der dritten Runde gespielt, und das Duell endete remis.
Noch nicht völlig rund läuft es für den klaren Favoriten bei den Junioren. Ray Robson erfüllte im Alter von 14 Jahren, 11 Monaten und 16 Tagen als jüngster Schachspieler der Geschichte im vergangenen Jahr seine dritte GM-Norm und ist der amtierende Titelverteidiger in den Vereinigten Staaten. Doch aktuell stiehlt ihm der titellose Parker Zhao die Show. Mit einer Elo von 2267 holte er bisher 4,5 Punkte und liegt bei einer Performance von 2738.
Toronto (CAN) - Seit dem 10. und noch bis zum 18. Juli findet in der größten Stadt Kanadas die Canadian Open Chess Championship 2010 statt. Gespielt werden neun Runden im Schweizer System mit der Bedenkzeit 90 Minuten/40 Züge + 30 Minuten + 30 Sekunden/Zug ab dem erstem Zug. Der Preisfonds beläuft sich auf über 32.000,- kanadische Dollar, also knapp 25.000,- Euro. Umgerechnet erhält der Sieger nicht ganz 5.000,- und dafür lohnt sich auch mal eine längere Anreise. Elofavoriten der insgesamt 262 Teilnehmer sind der Inder Pentala Harikrishna und der Brite Luke McShane. Letzterer führt mit 4,5 Punkten nach fünf Runden mit der besten Wertung eine fünfköpfige Spitzengruppe an. Harikrishna hat einen halben Zähler weniger auf dem Konto, doch es sind ja noch vier Runden zu spielen.
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