Nachrichten Aktuelles Tagesschach 33/10 - Dzagnidze siegt weiter In Gedenken an Wolfgang Unzicker: www.wolfgang-unzicker.de
28.06.2010 - Nach fünf von elf Runden führt Nana Dzagnidze mit 4,5 Punkten den laufenden FIDE Women Grand Prix in Jermuk an. Damit weist sie eine Perfomance von über 2800 auf. Dennoch, die Konkurrenz lauert nur auf einen Einbruch, allen voran Tatiana Kosintseva, welche mit einem halben Punkt Rückstand ebenfalls ein starkes Turnier spielt. Ein starker Turnierspieler der Weltklasse war Wolfgang Unzicker. Der deutsche Rekordnationalspieler und Sieger zahlreicher Turniere in den 50er und 60er Jahren wäre am vergangenen Samstag 85 Jahre alt geworden. Unzicker verstarb 2006 und sein Sohn Alexander errichtete ihm jüngst mit einer Homepage ein Denkmal im World Wide Web und wir schauen zurück auf das letzte Turnier Unzickers, welches er 2005 in Mainz zu seinem 80. Geburtstag spielte.
Jermuk (ARM) - Nana Dzagnidze spielt beim FIDE Women Grand Prix in Jermuk möglicherweise das Turnier ihres Lebens. Ein Remis gab sie bisher erst ab, ansonsten fuhr sie nur Siege ein. Das bringt ihr nicht nur die alleinige Führung sondern auch eine Perfomance von 2841, 363 Punkte über ihrer Elo. Doch nicht nur die georgische Großmeisterin spielt bisher ein klasse Turnier, auch Tatiana Kosintseva kann mit ihrer Vorstellung zufrieden sein. Einen halben Zähler weniger als die Führende und eine Performance in der Nähe der 2700 geben der Russin gute Chancen, nach Nalchik das zweite GP-Turnier in Serie zu gewinnen.
Gespielt wird in Jermuk ein elfrundiges Rundenturnier und die Siegerin erhält 6.500,- Euro aus einem Gesamt-Preisfonds von 40.000,- Euro. Die Gesamtsiegerin des Grand Prix erhält nochmals 15.000,- Euro. Die Bedenkzeit in Jermuk (oder auch Dschermuk) beträgt 90 Minuten/40 Züge + 30 Minuten + 30 Sekunden/Zug.
Rundenstart ist täglich um 12:00 Uhr, nur die letzte Runde wird vermutlich wieder früher beginnen. Am 30. Juni wird der einzige Ruhetag eingelegt. Inhaber eines Accounts für den Fritz-Server von ChessBase können die Partien dort live verfolgen.
Aktueller Grand Prix-Stand mit bestem Dank an Chessvibes und dessen hilfreichem Besucher ebutaljib
Performance wie ein Top GM - Nana Dzagnidze
Tatiana Kosintseva wird von Schwester Nadezhda gecoacht
Ob die armenische Freiheitskämpferin und Volksheldin "Mother Sose" (Sose Vardanian, 1865-1952) dafür verantwortlich ist, dass die Remisquote in Jermuk nur bei 23% liegt?
Wolfgang Unzicker * 26. Juni 1925; † 20. April 2006
Für viele ist er der beste deutsche Schachspieler aller Zeiten. Am vergangenen Samstag wäre Wolfgang Unzicker 85 Jahre alt geworden. In den 1950er und 1960er Jahren war er nicht nur der beste deutsche Schachspieler, er gehörte der Weltspitze an und gewann zahlreiche hochkarätige Turniere. Unglaubliche 386 Partien spielte der in Pirmasens geborene Vorsitzende Richter am Münchener Verwaltungsgericht in seiner Freizeit(!) für die Deutsche Nationalmannschaft und sieben Mal triumphierte er bei der Deutschen Meisterschaft. Im Leben wie auch am Schachbrett ein Vorbild für Jedermann erhielt Unzicker 1954 als erster deutscher Schachspieler das Silberne Lorbeerblatt und 1995 gar das Bundesverdienstkreuz.
Sein letztes Turnier spielte er bei der Chess Classic Mainz 2005. Anlässlich seines 80. Geburtstags fand die Unzicker Gala80 statt und ein letztes Mal maß er sich mit Anatoly Karpov, Boris Spassky und Viktor Korchnoi. Dass er letztlich aufgrund zweier Niederlagen gegen Korchnoi gegen die "jungen Wilden" Letzter wurde, störte Unzicker in keiner Weise, er hatte besonders den beiden Weltmeistern große Partien geliefert. Zur Erinnerung hier nochmals die Tabelle und zum Nachspielen die letzten Partien von der Unzicker Gala80.
Am 20. April 2006 versagte das Herz von Wolfgang Unzicker im Urlaub in Portugal und hinterließ eine nicht zu füllende Lücke in der Schachwelt. Ihm zu Ehren hat sein ältester von drei Söhnen, Alexander, zu seinem 85. Geburtstag eine Webseite erstellt. Dort findet man Bilder, Videos, Partien und auch persönliche Erinnerungen seines Vaters.
Wolfgang Unzicker bei der Chess Classic Mainz 2005
Anatoly Karpov staunte nicht schlecht, wie kämpferisch Unzicker zu Werke ging
Auch Boris Spassky konnte den Deutschen nicht bezwingen
Nur Korchnoi konnte Unzicker zwei Mal überlisten
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