Nachrichten Aktuelles Tagesschach 25/10 - Carlsen mit Halbzeitführung beim Kings' Tournament Ivanchuks Vorsprung in Havanna schmilzt *** Smeets vor Titelgewinn bei Dutch Championship *** Cheparinov siegt in Spanien
19.06.2010 - Magnus Carlsen hat beim 4. Kings' Tournament in Mediaş die alleinige Führung übernommen. Mit einem halben Zähler Abstand folgen Teimour Radjabov und Boris Gelfand. Nur noch einen halben Punkt Vorsprung hat Vassily Ivanchuk beim 45. Capablanca Memorial in Havanna. Ian Nepomniachtchi siegte erneut und könnte den Ukrainer noch abfangen. Kaum noch einzuholen ist Jan Smeets bei den Dutch Championships 2010 in Eindhoven. Während er heute gegen Erwin L'Ami siegte, verlor Hauptkonkurrent Anish Giri gegen Loek van Wely. Beim Ruy Lopez Chess Festival hat zum zweiten Mal in Folge Ivan Cheparinov das Masters gewonnen. Mit 1,5 Punkten distanzierte er die Konkurrenz und verwies Vladimir Malakhov und Fabiano Caruana auf die Plätze.
Mediaş (ROM) - In der vierten Runde des 4. Kings' Tournament hatte Magnus Carlsen seinen ersten Sieg erzielt, und in der heutigen fünften legte er gleich noch einen nach. Liviu-Dieter Nisipeanu stellte den Drachen des Norwegers auf die Probe und wurde nicht enttäuscht. Fachmännisch wurde der Rumäne zerlegt, wobei er zum Schluss noch einen dicken Bock schoss und sich gleich nach 31.Lb6?? aufgab, ohne die Antwort seines Gegners abzuwarten. Ebenfalls siegen konnte Boris Gelfand, der damit nur einen halben Punkt hinter dem Führenden zurück bleibt. Der Israeli mit russischen Wurzeln konnte Ruslan Ponomariov schlagen und darf sich daher zusammen mit Teimour Radjabov Chancen auf den Turniersieg ausrechnen. Radjabov verlor im Endspiel gegen Wang Yue zwar einen Bauern, erhielt dafür aber ausreichend Kompensation, weshalb der Chinese nach 41 Zügen dem Remis zustimmte. Das Turnier ist zwar erst bei seiner Halbzeit angelangt, doch es ist schwer vorstellbar, dass ein anderer Spieler außer Carlsen, Gelfand oder Radjabov den Turniersieg einstreichen wird.
Wer gerne mehr über das Kings' Tournament erfahren möchte, sollte unbedingt auf der offiziellen Turnierseite die regelmäßigen Videobeiträge von Chessvibes-Chef Peter Doggers anschauen! Wie immer erfährt man dort am besten, was sich die Spieler an dieser oder jenen Stelle gedacht haben.
Die Bedenkzeit in Mediaş (oder auch Mediasch) beträgt 2h/40 Züge + 1h/20 Züge + 15 Minuten + 30 Sekunden/Zug ab dem 61. Zug und es wird mit einer speziellen Remisregel gespielt: Remisangebote und Annahme vor dem 30. Zug sind untersagt. Nur der Hauptschiedsrichter darf Reklamationen auf Remis in folgenden Fällen erlauben:
dreifache Stellungswiederholung, Dauerschach oder theoretische Remisstellungen.
Rundenstart ist täglich um 14:30 Uhr, nur die letzte Runde wird bereits um 12:30 Uhr gestartet. Inhaber eines Accounts für den Fritz-Server von ChessBase können die Partien dort live verfolgen. Am Freitag ist der einzige Ruhetag.
Havanna (CUB) - Acht Runden sind beim 45. Capablanca Memorial absolviert, und noch führt Vassily Ivanchuk. Doch sein Vorsprung ist auf einen halben Zähler geschmolzen, denn Ian Nepomniachtchi landete seinen dritten Sieg in Serie, während der Ukrainer erneut nur remis spielte. Generell scheint niemand außer Nepo Interesse daran zu haben, volle Punkte zu erzielen, zumindest lassen dies die kurzen Partien vermuten. Beispielhaft ist die Partie der achten Runde zwischen Lazaro Bruzon und Evgeny Alekseev, welche schlappe 14 Züge dauerte. Dagegen ist das Schach Nepomniachtchis erfrischend und voller taktischer Finessen. Gestern bekam das die britische Legende Nigel Short zu spüren, als ihn der junge Europameister quasi vom Brett fegte und damit aus dem einstigen Dreikampf um die Spitze einen Zweikampf machte. Ivanchuk oder Nepomniachtchi, einer wird das 45. Capablanca Memorial gewinnen. Möglicherweise wird die Entscheidung erst in der Schlussrunde fallen, wenn die beiden Kontrahenten nochmals gegeneinander spielen werden. Das Duell der ersten Turnierhälfte hatte Chucky für sich entschieden.
Gespielt werden in Havanna insgesamt 10 Runden mit einer Bedenkzeit von 90 Minuten/40 Züge + 30 Minuten + 30 Sekunden/Zug ab dem ersten Zug. Rundenstart ist täglich um 21 Uhr. Inhaber eines Accounts für den Fritz-Server von ChessBase können die Partien dort live verfolgen.
Eindhoven (NED) - Nachdem Zhaoqin Peng bereits frühzeitig bei den Frauen ihre Dutch Championship 2010 gewonnen hatte, sieht es nun so aus, als sei bei den Männern eine Runde vor dem Ende ebenfalls die Vorentscheidung gefallen. Jan Smeets zeigte ausgerechnet gegen seinen Sekundanten-Kollegen des Teams Topalov, Erwin L'Ami, dass er doch ein Kämpfer sein kann und rang seinen Gegner in einem schwierigen Endspiel nieder. Der Sieg dürfte für ihn doppelt süß gewesen sein, denn zuvor hatte Hauptkonkurrent Anish Giri deutlich gegen Loek van Wely verloren. Theoretisch können Giri und Ernst in der morgigen Schlussrunde noch mit Smeets gleichziehen, aber es ist doch recht unwahrscheinlich, dass dieser ausgerechnet gegen Tabellenschlusslicht Robin van Kampen verlieren wird.
Die Bedenkzeit in Eindhoven beträgt 90 Minuten/40 Züge + 30 Minuten für den Rest der Partie + 30 Sekunden/Zug ab dem ersten Zug. Die letzte Runde findet bereits um 11 Uhr statt! Inhaber eines Accounts für den Fritz-Server von ChessBase können die Partien dort live verfolgen.
Anish Giri strauchelt auf der Zielgeraden über Loek van Wely
Irgendwie war van Wely heute aber auch schärfer ...
Robin van Kampen prüfte vor der Partie zwar, was die Stunde geschlagen hatte ...
... doch Benjamin Bok wusste es dieses Mal besser
Nur Dmitri Reinderman zeigte heute Flagge. Es half, die Oranje besiegten die Japaner bei der WM mit 1:0, doch er selbst erreichte nur ein Remis gegen ...
... Wouter Spoelman
Die bereits feststehende Siegerin im Frauenturnier, Zhaoqin Peng ...
... "erlaubte" der Tabellenletzten Marieke Dirksen ein Remis
Villafranca (ESP) - Vom 11. bis 19. Juni fand in Villafranca de los Barros das Ruy Lopez Chess Festival 2010 statt. Gekrönt wurde die Veranstaltung von einem siebenrundigen GM-Turnier der Kategorie 14 (ELO 2599). Favorit auf den Sieg war der einzige 2700er, Vladimir Malakhov, doch dieser musste sich letztlich zusammen mit Fabiano Caruana den zweiten Rang teilen. Souveräner Sieger wurde Ivan Cheparinov mit deutlichen 1,5 Punkten Vorsprung und einer Performance über 2900. Der Bulgare, der seit Jahren Veselin Topalovs Sekundant/Schüler ist, holte 6 aus 7 und verlor als einziger Teilnehmer keine Partie. Für Cheparinov war das der zweite Titel in Folge beim Ruy Lopez Master. Für Aufmerksamkeit sorgte der junge Mann 2008, als er seinem Meister Topalov und dessen (und damit auch seinem) Manager Silvio Danailov imponieren wollte, indem er beim Corus Chess Tournament 2008 seinem Gegner Nigel Short den Handschlag verweigerte. Short hatte sich in der Vergangenheit mehrfach kritisch über Topalov und Danailov geäußert. Wegen Unsportlichkeit sollte Cheparinov daraufhin die Partie kampflos verlieren, doch nicht zum ersten intervenierte Danailov erfolgreich. Cheparinov entschuldigte sich und so wurde die Partie tatsächlich nachgespielt. Nicht nur sehr zur Freude des Briten, gewann Short souverän.
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