TopTurniere Hintergrund 9.Partie: Anand nach 4 Pfostenschüssen enttäuscht Aufregendste Partie hätte einen Sieger verdient - Topalov überlebte Folter knapp
07.05.2010 - "Das war eine der spannendsten und aufregendsten Partien der ganzen WM-Geschichte" gab der Chefredakteur und Herausgeber des Magazins KARL Harry Schaack sichtlich beeindruckt beim Abendessen kund. Mit schärfster und fundierter Kritik wies er die Einwände der mit Computerhilfe "Allesimmerbesserwissenden" zurück und machte das Statement: "Zum Schach gehören die Fehler genauso, wie die brillanten Geniestreiche, die Rasiermesser scharfen Varianten und die präparierten Vorbereitungen". Letztendlich hat sich Topalov gut verteidigt, wie es die italienischen Fußballer mit ihrer Erfindung des "Catenaccio" tun. Dem indischen Weltmeister Anand muss man zu Gute halten, dass er wenigstens in der letzten Minute nicht noch den Siegtreffer von Topalov hinnehmen musste, oder schlimmer noch in der vorhergehenden Partie ein Eigentor fabrizierte - es geht also aufwärts. Der schnell spielende Topalov wird auch noch seine Fehler machen und jeder kann sicher sein, dass dann der Tiger zubeißt. 4,5:4,5 steht es jetzt, aber Topalov hat noch zwei Weißpartien: "Advantage Topalov".
Der indische Superstar Anand, viermalige Sportler des Jahres und oftmaliger Schach-OSCAR-Gewinner schießt in einem einzigen Spiel (Partie), wie man es so schön sagt beim Fußball, viermal an den Pfosten. "Aber dran ist nicht drin, das Runde muss ins Viereckige", so oder so ähnlich müssen sich die Gedanken in Vishys Kopf nach der Partie gedreht haben, ob der Auslassung hochkarätiger Chancen. Ein Alptraum, der sich nur professionell und mit Hilfe seiner Sekundanten abstellen lässt, um heute wenigstens Standhalten zu können, wenn der "Vomglückverfolgte" mit voller Kraft angreift. Doch Zweikämpfer die keine Gefahr mehr fühlen sind selbst oft in Gefahr.
Mein Gott, wäre das ein Tag gewesen, wenn Vishy nach hervorragender Neuerung 18.Sh3 und Herbeiführen einer asymmetrischen Stellung mit Dame gegen zwei Türme in höchster Zeitnot mit 40.Te2 oder Te4 anstatt Th8+ oder 54.Sd5 anstatt Sc4 und schließlich die Doppelchance mit Zugwiederholungscharakter 62.Tdd7 anstatt Tc5+ und 64.Tdd7 anstatt Kg3 seine Chancen genutzt hätte, so ist es allerdings ein Bulgarischer Feiertag geblieben.
Die Auswahl der neunten Tür der Alexander Newski Kathedrale zeigt den linken Eingang des Hauptportals. Der indische Weltmeister Vishy Anand zeigte seine ganze große Klasse und produzierte mit dem Herausforderer Veselin Topalov ein Juwel für die WM-Geschichte. Keine fehlerfreie Partie (Computer bewertet), aber eine menschliche Höchstleistung in gut 6:31 Stunden Spielzeit mit dreifacher Zeitnot bei der "schnellsten" Schach-Rechenmaschine auf dem Planeten. Ironie des Schicksals: kein Sieger nur ein Remis, aber was für eins!
Impressionen vom WM-Match in Sofia und Umgebung
Die neunte der zwölf Türen in der Alexander Newski-Kathedrale
9.Partie: man sah dem amtierenden Weltmeister an, dass er sich für die 9.Partie besonders viel vorgenommen hatte!
9.Partie: das Armband des Herausforderers Topalov gab seinen Geist auf
Nach 6,5 Stunden höchster Anstrengung - die wichtigen und gescheiten Fragen der Journalisten zu beantworten, scheint besonders ermüdend zu sein, wenn man vier Elfmeter verschossen hat. Einziger Trost: man hat trotzdem nicht verloren!
Herausforderer Topalov hatte das Glück, dass man braucht, um nicht zu verlieren
Schiedsrichter Werner Stubenvoll ließ Anands Uhr weiterlaufen, trotz andauernder Illumination der Tischbeleuchtung. Ob Stromausfall oder Flackern des Lichtes, Anand ist am Zug und verliert nicht nur seine Konzentration, sondern braucht auch immer wieder 10 vielleicht entscheidende Minuten, um den Schalter umzulegen und gerade nach solchen ungeplanten Störungen, keinen entscheidenden Fehler zu machen.
der Hauptschiedsrichter Nikolopolous stellt die Uhr ab, um die dreifache Stellungswiederholung zu prüfen, mittlerweile hat Anand dies seinerseits bestätigt.
Vorm Hilton Sofia: Chess Tigers on Tour v.l.n.r.: Eric van Reem, Felix und Moritz Bossert und Hans-Walter Schmitt
Vishy Anand mit Ehefrau Aruna und Freund Hans-Walter
Symbolik pur im Park vor dem Military Club
Ein ganz besonderer Blick aus dem Park auf den Spielort
Der Seitenanblick des Sofioter Hilton hat ein "schachliches" Konstruktionsdefizit aufgezeigt
Beim Nachstellen der Partien auf den gleichmäßig geformten Wandseite wurde festgestellt, dass es ja nur 7 x 8 Felder sind, schade, somit fällt das Schauspiel (Schachspiel) nachts ins Wasser. Hätte sicher gut ausgesehen, wenn wir mit Figuren in den beleuchteten Fenstern, die Partie 2010 WM-Sofia "aufbauen" hätten können.