Nachrichten Greift Eyjafjallajökull in die Schachweltmeisterschaft ein? Anand und der Indische Schachverband fordern dreitägige Verschiebung der WM
18.04.2010 - Kaum, dass die Meldungen über die Nachrichtenticker gingen, dass der europäische Luftraum aufgrund einer Aschewolke, die vom Ausbruch des isländischen Vulkans "Eyjafjallajökull" herrührt, gesperrt werden muss, stellte sich auch für den amtierenden Weltmeister Viswanathan Anand die Frage, ob beziehungsweise wie dieser den WM-Ort Sofia erreichen kann. Geplant war, dass Anand am vergangenen Freitag anreist, doch aktuell kann er nach wie vor Frankfurt am Main nicht verlassen und es besteht die berechtigte Sorge, dass er auch in der nächsten Zeit nicht wird fliegen können. Daher haben sich Anand und der Indische Schachverband (AICF) an die Verantwortlichen beziehungsweise FIDE Präsident Ilyiumzhinov gewendet und um eine dreitägige Verschiebung der WM gebeten. Damit auch alle deutschen Schachfans, die der WM entgegenfiebern, auf dem neuesten Stand sind, haben wir für Sie den (bisher einseitigen) Briefwechsel übersetzt.
Betreff: Kenntnisnahme von Umständen höherer Gewalt
Genau um 13:05 Uhr (UTC+1) am 16. April sollten wir per Lufthansa LH 3484 von Frankfurt aus Sofia erreichen. Wir reisten aus Madrid an. Aufgrund eines Vulkanausbruchs wurden ab dem 16. April leider alle Flüge abgesagt, wie es in den meisten europäischen Städten der Fall ist. Daher können wir aus Gründen, die nicht unter unserer Kontrolle sind, Sofia nicht wie geplant am 16. April 2010 erreichen.
Wir stehen in engem Kontakt mit der Lufthansa und sobald der Luftraum über Deutschland wieder geöffnet ist, werden wir nach Sofia fliegen.
Unterdessen haben wir alternativ versucht, Flughäfen zu finden, die per Zug erreichbar sind. Allerdings sind Züge überbucht und weiter scheinen die entsprechenden Flughäfen geschlossen zu sein. Das Umbuchen von Flügen scheint schwer zu sein und wir haben uns bemüht, beträchtlichen Einfluss darauf zu haben, zu den Ersten zu gehören, die umbuchen können.
Züge nach Sofia würden rund 28 Stunden brauchen und ich wäre nicht in der mentalen Lage, kurz nach so einer langen Reise zu spielen. Zudem wäre das sofortige Spielen aufgrund der Ermüdung und der Tatsache, dass der Gegner einige Wochen zuvor angekommen ist, unfair und ungerecht. Unter diesen Umständen wäre der Wettbewerb nicht gleich und fair.
Dieser Brief möge als Kenntnisnahme unter der Klausel 11(2) der Vereinbarung von Anzeichen höherer Gewalt behandelt werden. Ich werde Sie umgehend informieren, sobald eine Alternative, Sofia zu erreichen, gefunden wurde.
Unter diesen Umständen bitte ich Sie, die erste Runde um drei Tage zu verschieben.
Betreff: Antrag auf Verlegung der ersten Runde des Weltmeisterschafts Matches zwischen GM Vishy Anand unf GM Veselin Topalov aus Bulgarien
Grüße von der All India Chess Federation. Wir wenden uns an Sie, um Ihr freundliches Eingreifen zur Verlegung des Matches zwischen Großmeister Vishy Anand und Großmeister Topalov um drei Tage zu erbitten. Wie Ihnen bekannt ist, zwingt die Vulkanasche über Europa viele Passagiere an diversen Flughäfen weltweit dazu, auszuharren - hauptsächlich in und um Europa. Anand und sein Team konnten Sofia nicht wie geplant am 16. (April) erreichen und stecken reisefertig in Frankfurt fest. Ich weiß, dass sie fieberhaft ihr Möglichstes versuchen, Sofia so bald wie möglich zu erreichen, so dass der Zeitplan nicht gestört wird. Allerdings, da es sich um ein wichtiges Match handelt, wäre es nur fair gegenüber Anand, wenn man ihn nicht zwingen würde, die erste Runde unter dieser Anspannung spielen zu müssen. Er benötigt vor dem Beginn seiner Titelverteidigung mindestens drei bis vier Tage zur Akklimatisierung. Ich weiß, dass Anand gemäß den herrschenden Regeln dieses historischen Matches bereits an die Verantwortlichen appelliert hat.
Ich bin sicher, Sie erkennen die Gründe an und fällen in diesem Fall eine passende und umgehende Entscheidung und helfen dabei, dass gleiche Konditionen für beide Spieler herrschen. Wir erwarten Ihr umgehendes Eingreifen und eine Antwort in diesem Fall.
Mit freundlichen Grüßen
D.V.Sundar
Hon.Secretary
All India Chess Federation
Auf der Webseite der AICF wird zudem Aruna Anand zitiert:
"Angesichts dieser extremen Form höherer Gewalt, welcher wir ausgesetzt sind, ist es schwierig und nahezu unmöglich, innerhalb Europas zu reisen. Wir arbeiten zusammen mit dem Zuständigen der FIDE, um herauszufinden, wann wir frühestens reisen können. Unter diesen Umständen wurde vereinbart - Vishys Ankunft in Sofia berücksichtigend -, dass der Zeitplan entsprechend angepasst werden könnte. Wir möchten an dieser Stelle nicht spekulieren und werden versuchen, so rasch wie möglich anzureisen."