Unterhaltung „Der Fuchs“ setzt alle Gauner matt SAT.1-Krimiserie dreht sich am 30. März um die Schachszene / Chess-Classic-Chef Schmitt merzt im Drehbuch Klischees aus
29.03.2005 - Frankfurt - Normalerweise setzt „Der Fuchs“ seine Gegner matt. Am 30. März (21.15 Uhr bei SAT.1) wirkt der Robin Hood der Neuzeit aber zunächst selbst recht matt. Walter Sittler will in seiner Rolle als Max Kerner die Karriere als Gentleman-Ganove, der den bösen Reichen in Frankfurt nimmt und den Armen gibt, an den Nagel hängen. Gottlob akzeptieren das weder seine Ehefrau Andrea Kerner (Simone Thomalla), die keinen langweiligen Antiquar zum Gatten haben möchte, noch seine Komplizen René (Dieter Landuris) und Esther Schweins als Sandra. Am Schluss der spritzigen wie humorvollen Krimiserie ist es wie immer: Der Bösewicht ist schachmatt!
„Der Fuchs“ Max Kerner
(Walter Sittler/rechts) will dem ehemaligen Schach-Weltmeister Klaus
Gosslar (Max Herbrechter) helfen. Foto: SAT.1
Am Mittwoch gilt das
wortwörtlich. Im Drehbuch von Daniel Maximilian und Thomas Pauli, „Ein
Fall für den Fuchs – Schachmatt“, geht es um das königliche Denkspiel.
Der finstere Geschäftsmann Krix (Michael Schiller) stiehlt das
Schachprogramm des ehemaligen Weltmeisters Max Gosslar (Max
Herbrechter), ruiniert ihn und nimmt ihm auch noch Frau und Kind weg. So
viel Ungerechtigkeit lässt den „Fuchs“ natürlich nicht ruhen.
Am Set in Frankfurt
tauchte auch ein leibhaftiger ehemaliger Schach-Weltmeister auf:
Viswanathan Anand. Für den mehrfachen indischen Sportler des Jahres ist
Bad Soden zur zweiten Heimat geworden. Die Dreharbeiten verfolgte der
neue Weltranglistenerste zusammen mit seinem Ziehvater Hans-Walter
Schmitt, der als Berater der TV-Produktion angeheuert wurde.
Tauchte überraschend am
Filmset auf: Viswanathan Anand (links), hier bei den Chess Classic in
Mainz mit seiner Ehefrau Aruna und Hans-Walter Schmitt. Foto: Metz
Den Vorsitzenden des
Schach-Fördervereins Frankfurt Chess Tigers hatten „Fuchs“-Produktionsleiter
Axel Unbescheid und die für die Ausstattung zuständige Anette Reuther
übers Internet ausfindig gemacht. „Schach – Computer – Frankfurt“ hatten
sie bei Google eingegeben und 86 800 Treffer angezeigt bekommen. Ganz
oben auf der Liste stand das Buch der Chess Tigers „Premiere der Top
Ten“, in dem sich unter anderem Anand mit dem legendären Turnier
Frankfurt Chess Classic anno 2000 befasst. Damals hatte Organisator
Schmitt erstmals in der Schach-Geschichte die kompletten Top Ten der
Weltrangliste ans Brett gebracht. Da Unbescheid und Reuther überdies die
Webseite
www.chesstigers.de weit mehr ansprach als jene herkömmlicher
Schachvereine, kontaktierten sie Schmitt, um ihn als Experten zu
gewinnen.
Ein weiser Entschluss.
Schmitt entrümpelte gleich die Schlüsselszene des Drehbuchs: „Bei den
Duellen gegen das Schachprogramm sollten die Großmeister rauchen und
Whisky trinken.“ Beides ist bei Turnieren verpönt, hält sich aber
hartnäckig unter Laien als Klischee. Vereinsspielern stößt derlei Pfusch
sauer auf. Peinlich finden sie etwa die aktuelle Werbung der Deutschen
Bank, in der das rechte Eckfeld auf h1 schwarz anstatt weiß ist – das
Brett wurde folglich gedreht und mit den Figuren falsch aufgebaut. Gerne
gerieren sich auch Prominente als Intellektuelle und posieren mit einem
Schachbrett – die unsinnig postierten Figuren auf den Fotos
signalisieren hingegen, dass es nicht weit her ist mit der Denkkunst des
Promis ...
Nur ein Problem konnte
Schmitt nicht gleich lösen: „Ich starrte fast zwei Tage lang auf ein
zwei auf drei Meter großes Plakat in der Ferne – meinen Sie, mir fiel da
etwas auf?“ Als der 53-Jährige das Motiv aber verkleinert auf 80 mal 120
Zentimeter sah, durchzuckte es den weltbekannten Schach-Organisator:
„Das Brett auf dem Plakat war nur sieben mal acht Felder groß!“ Die
Requisite konnte das nicht mehr ändern. Regisseur Sigi Rothemund ließ
den Film aber so schneiden, dass das Malheur nicht ins Auge sticht.
Der als lettischer Großmeister verkleidete Dieter
Landuris (links) will sich bei den Chess Classic Mainz wieder mit dem „Fuchs“-Berater
Hans-Walter Schmitt treffen. Foto: pr
Professionelle
Schachsprache garantierte Schmitt beim Showdown im Frankfurter Hilton
Mitte: Exweltmeister Gosslar versorgt René per versteckten Kopfhörer mit
den stärksten Zügen. Gegen das Pocketchess-Programm, das Krix reich
machen soll, kündigt der Fuchs-Komplize, der für einen lettischen
Großmeister einsprang, ein Matt in sieben Zügen an. Der überhebliche
Krix verliert dadurch 100.000 Euro und dank der Diebeskünste von „Fuchs“
Walter Sittler und Esther Schweins noch seinen ganzen Stolz, einen
Bugatti.
Für Schmitt war der viertägige Dreh nicht nur
eine eigene interessante Erfahrung. „Neun Minuten Schach-Handlung ist
super“, freut sich der vieljährige Vorsitzende der Frankfurt Chess Tigers
über die Werbung für das königliche Spiel durch den Krimi der U5
Filmproduktion GmbH. Da der Berater auch stets die Werbung für seine
Chess Classic, die mittlerweile alljährlich in Mainz ausgetragen werden,
im Visier hat, lud er Landuris zu der Veranstaltung im August ein. Der
René-Darsteller gibt in „Ein Fall für den Fuchs – Schachmatt“ zwar vor,
die Züge nicht richtig zu beherrschen, aber abseits der Kamera zeigte
Landuris laut Schmitt „großes Interesse. Ich berichtete ihm und seinen
Kollegen von der Turnieratmosphäre. Er versprach, zu den Chess Classic
nach Mainz zu kommen“. Damit hat der umtriebige Organisator einen
weiteren dicken Fisch - wie schon in der Vergangenheit Fußballtrainer
Felix Magath oder das Dior-Topmodel Carmen Kass – als Zugpferd an der
Angel. Hans-Walter Schmitt ist eben auch ein Fuchs.