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Im Spiegel der Schachgeschichte
Das 80-jährige Vereinsjubiläum von Frankfurt-West
30.10.2004 - Als Markus Busche und die Vereinsfunktionäre vom Schachclub Frankfurt-West ihre Einladungslisten zur Jubiläumsfeier zusammenstellten, hatten sie natürlich auch den Guru der neueren Deutschen Geschichte und Professor an der Uni Frankfurt, Dr. Lothar Gall im Visier. Gall hat wie selten ein anderer Historiker vor ihm die Zusammenhänge der Geschichte nicht nur ex cathedra gelehrt, sondern auch in einer Reihe von Veröffentlichungen über die Biographien namhafter und geschichtsbeeinflussenden Persönlichkeiten geschrieben und diese einem breiteren Publikum zugänglich gemacht, so z.B. über den Bankier Hermann Josef Abs oder den "weissen Revolutionär" Bismarck. Bismarck war in Frankfurt wohl bekannt, residierte er doch als Preussischer Gesandter in der Bockenheimer Landstrasse im Frankfurter Westend.
Im Spiegel der Schachgeschichte: Das 80-jährige Vereinsjubiläum von Frankfurt-West:

Prof. Dr. Lothar Gall - Frankfurter Historiker

Als Markus Busche und die Vereinsfunktionäre vom Schachclub Frankfurt-West ihre Einladungslisten zur Jubiläumsfeier zusammenstellten, hatten sie natürlich auch den Guru der neueren Deutschen Geschichte und Professor an der Uni Frankfurt, Dr. Lothar Gall im Visier.

Gall hat wie selten ein anderer Historiker vor ihm die Zusammenhänge der Geschichte nicht nur ex cathedra gelehrt, sondern auch in einer Reihe von Veröffentlichungen über die Biographien namhafter und geschichtsbeeinflussenden Persönlichkeiten geschrieben und diese einem breiteren Publikum zugänglich gemacht, so z.B. über den Bankier Hermann Josef Abs oder den "weissen Revolutionär" Bismarck. Bismarck war in Frankfurt wohl bekannt, residierte er doch als Preussischer Gesandter in der Bockenheimer Landstrasse im Frankfurter Westend.

Wenn dann Gall seine Terminschwierigkeiten gelöst hätte und am 21. Oktober 2004 in der Stadthalle von Frankfurt-Zeilsheim zur Jubiläumsveranstaltung gekommen wäre, ja dann hätte er als Historiker sicherlich seine Freude gehabt: Ausnahmslos berichteten die Offiziellen und Gastredner über die verschiedenen Aspekte der Schachgeschichte im Rhein-Main-Taunus-Gebiet und nur selten wurde die sonst so vereinstypische Nabelschau betrieben.

Markus Busche (rechts) gratuliert dem Jubilar Hans Koch zur "Goldenen Ehrennadel"

Doch bei Hans Koch hätten sie auch keine plausiblen Ausreden mehr gehabt: Als Geburtstagskind feierte er heute seinen 80. Geburtstag und wurde obendrein mit "Ehren-Urkunde", Blumenstrauß und "Goldener Ehrennadel" vom Vorsitzenden Markus Busche beglückwünscht.

Dann zündeten die Redner der Jubiläumsfeier ein Feuerwerk zur Historie des Schachspiels in der Rhein-Main-Taunus ex cathedra ab, ausnahmslos aus dem Stegreif und unvorbereitet gehalten.

Im neuen "Schach960" ist es eben auch so üblich, dass man nach der Zufallsauslosung der Ausgangsposition wirklich unvorbereitet in den Zweikampf geht wie ein Kapitän auf hoher See.

Dr. Harald Ballo

Der Schachclub Frankfurt-West ging aus einer Fusion der Vorgänger-Vereine Schachklub Unterliederbach 1924 und Schachclub Sindlingen 1925 hervor.

Professor Dr. Bauer vom SC Höchst 04 berichtete über den weltbekannten Schachspieler Bogoljubow und seine Spieltätigkeit in der Region. Er erläuterte die Hintergründe, wie der Föderalismus seinen Einfluss auf die Schachorganisationen der Länder hatte und wie um Personen, Posten und Priviliegien taktiert wurde. Bei dem Geschachere um die Verbände Mittelrhein, Rheinhessen, Nordrhein-Westfalen und Hessen stand die Förderung des Schachspiels sicherlich nicht an erster Stelle der Interessenliste.

Dr. Ballo als Vertreter des Hessischen Schachverbandes hob die Bedeutung der Schach-Region hervor. Die Veranstaltung des Schachkongreß des Deutschen Schachbundes 2005 in Offenbach ist davon nur ein Beispiel. Als Ballo die Stadt Offenbach als "Zentrum Hessens" bezeichnete, überkam Fairness, Toleranz  und Gastfreundschaft das Denken der Jubiläumsgäste - lediglich ein leichtes Schmunzeln ging durch die Reihen. Welch ein positiver Gegensatz zur kürzlich vom Präsidenten des Deutschen Schachbundes Alfred Schlya vorgetragenen Konfrontation und Brüskierung der hiesigen Turnierveranstalter um Hans-Walter Schmitt.

Dr. Birgit Brendel

FM Dr. Birgit Brendel: Vereinsmeister bei F-West zeigte den Männern, wo's im Schach langgeht

Obwohl Hans-Walter Schmitt offiziell nur die Moderatoren-Rolle zwischen den Gastrednern übernommen hatte, verstand er es geschickt, in seinen Übergängen viele Aspekte der Schachgeschichte noch einmal aufleben zu lassen. So machte er deutlich, dass das bisher stärkstbesetzte ELO-Turnier der Schachgeschichte mit Kasparov, Anand, Kramnik und Ivantchuk in Frankfurt-Zeilsheim stattfand und dass die Geburtsstunde von Schach960 am 9.6.96 in Schöllbrunn im Spessart schlug und damit einige Wochen früher war als das vom genialen Erfinder Bobby Fischer geplante und letztlich geplatzte  historische Duelle in Buenos Aires.

Mit dieser historischen Einstimmung wurde der offizielle Jubiläumsteil beendet, rasch noch ein Foto für die Annalen gemacht und dann gings ab zum Schach960-Blitzturnier.

Dort trafen in der ersten Runde die beiden Chesstigers Hans-Walter Schmitt und Hans-Dieter Post aufeinander. Im Ringen um die Initiative schenkten sich beide Kontrahenten nichts und konzentrierten sich ganz unweltmeisterlich voll auf das Angriffsspiel - hier konnte Schmitt mit seiner Bauernumwandlung entscheidendes Material gewinnen und damit die Punkte aus der ersten Runde kassieren [Das Turnier war bei Redaktionsschluss noch nicht beendet].

80-jähriges Jubiläum: Gruppenfoto mit Damen

Vorsitzender Markus Busche kann schon jetzt die Langfristplanung in Angriff nehmen: 2014 ist dann das 90jährige Jubiläum. Professor Dr. Gall wird dann mit 78 Jahren wohl erimitiert sein und kommt dann vielleicht zur Jubiläumsveranstaltung, wenn wieder soviel über die Geschichte des Schachs in der Region geplaudert wird.

Gerhard Kenk

Published by Gerhard Kenk

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