Nachrichten Bundesliga: In Hofheim eine echte und eine verpasste Sensation Hofheim verpasst Sieg gegen Bremen
25.03.2005 - Eine Überraschung, der 6:2-Sieg vor Werder gegen Porz, und eine Beinahe-Überraschung, der verpasste Sieg von Hofheim gegen Werder, machten Hofheim zum wahrscheinlich interessantesten Spielort des Wochenendes. Immerhin setzte sich Hofheim mit 4,5:3,5 knapp gegen Erfurt durch und konnte sich die Option für den Klassenerhalt zumindest theoretisch offen halten. Die Hofheimer Kämpfe beobachteten Stephan Buchal und Arno Zude:
GM Almira Skripchenko (links) Georg Haubt (rechts)
Meisterschaftsfavorit gegen Abstiegsaspirant - wer
mit einer äußerst einseitigen Angelegenheit in der Hofheimer Stadthalle
gegen die internationale Großmeistertruppe von Werder Bremen gerechnet
hatte, wurde bald eines Besseren belehrt. Jedenfalls kamen die
zahlreichen Hofheimer Fans voll auf ihre Kosten: zunächst brachte Georg
Haubt der Weltklasse-Großmeisterin Almira Skripchenko durch ein
Figurenopfer eine überraschende Niederlage bei, dann konnten beide
Zude-Brothers mit den schwarzen Steinen sicher remis halten.
Da mittlerweile sowohl Bernd Rechel als auch Sergei
Krivoshey und Patrick Burkart klar vorteilhafte Stellungen besaßen,
sprach vieles für eine Riesensensation! Allerdings gelang es Sergei in
großer Zeitnot nicht, seinen Vorteil festzuhalten und er willigte,
vielleicht etwas verfrüht, ins Remis ein. Dafür erzielte kurz darauf
Patrick mit einer schönen Schlusskombination einen sehr verdienten Sieg
gegen GM Knaak und baute die Hofheimer Führung auf 3,5:1,5 aus.
Aber dann ging leider doch noch alles schief:
zunächst überschritt Stanislav Savchenko am Spitzenbrett in
ausgeglichener Stellung die Zeit, dann verlor Bernd Rechel völlig den
Faden und ruinierte seine schöne Partie und schließlich verlor auch
Gennadi Ginsburg noch eine sehr komplizierte Partie gegen den
tschechischen GM Hracek. Statt überraschender Punkte im Abstiegskampf
blieb dann doch alles beim Alten: Hofheim ist trotz einer sehr guten
Saison immer noch mitten im Abstiegsstrudel und Werder träumt von der
Meisterschaft. (S. Buchal)
Bundesliga-Spieltag in Hoheim
Spannendes Duell gegen Erfurt
In der vorletzten Doppelrunde der Bundesliga trafen
die Abstiegskandidaten aus Hofheim und Erfurt in der Hofheimer
Stadthalle aufeinander. Unter den Augen vieler Kiebitze, die auch den
überraschenden Sieg von Werder Bremen über Meister Porz in der
Parallelbegegnung beobachten konnten, setzten sich die Hofheimer nach
heißem Kampf mit vielen Aufs und Abs gegen die Erfurter Gäste durch.
Erste Konturen des Wettkampfes zeichneten sich an
Brett 8 ab, wo IM Oliver Brendel und GM Peter Enders den scharfen
Velimirovic-Angriff in der Sizilianischen Verteidigung spielten, aber
mangels Theoriekenntnis bald auf die eigenen Rechenkünste vertrauen
mussten. Oliver opferte eine Figur, die sein Gegner bald darauf gegen
eine sichere Stellung und leichten Vorteil zurückgab. In Zeitnot fand
Oliver dann nicht immer die richtigen Züge und musste die Partie
aufgeben.
Ebenfalls scharf zur Sache ging FM Erik Zude im
halbslawischen Gambit gegen IM Matthias Müller an Brett 6, wo Erik einen
Bauern weniger und sein Gegner dafür große Entwicklungsschwierigkeiten
hatte. Nachdem der IM versäumt hatte, Eriks starken schwarzfeldrigen
Läufer mit einem Abtauschangebot zu Leibe zu rücken, konnte er nur noch
abwarten, bis Erik die Schlinge zugezogen hatte. Ein blitzsauberer Sieg
von Erik, der den Hofheimer Kiebitzen viel Freude bereitete!
FM Stephan Buchal
In punkto Schärfe ließen sich auch die Kontrahenten
an Brett 7 nicht lumpen. FM Stephan Buchal wurde mit einem spekulativen
Figurenopfer von FM Bernd Vökler konfrontiert. Das sah eigentlich nicht
korrekt aus, aber die Stellung war kompliziert, und nachdem Stephan eine
Möglichkeit verpasst hatte, die gegnerische Aktivität unter Kontrolle zu
halten, wurde er durch einen starken Damenzug ausgehebelt.
Zu der Zeit war schon absehbar, dass IM Bernd
Rechel an Brett 5 gewinnen würde. FM Joachim Brüggemann hatte die
Eröffnung sehr unambitioniert gespielt und auf der Suche nach dem Remis
mal hier ein Zugeständnis gemacht, mal dort den Rückzug angetreten, bis
Bernd genügend Stellungsvorteile angesammelt hatte, um das Endspiel zu
gewinnen.
Ganz vorne an Brett 1 hatte GM Stanislav Savchenko
mit Schwarz aus der Eröffnung heraus ungefähren Ausgleich erreicht, als
GM Jan Votava mit einem Bauerndruchbruch im Zentrum die Spannung
erhöhte. Aber kurz darauf waren beide mit einer Zugwiederholung und
remis zufrieden.
An Brett 3 hatte IM Gennadi Ginsburg den leichten
Eröffnungsnachteil gegen IM Heiko Machelett allmählich ausgeglichen.
Aber Gennadi hatte völlig verdrängt, dass neben Gewinn und Verlust auch
remis ein mögliches Ergebnis einer Schachpartie ist. Auf der Suche nach
aktivem Spiel verhedderte er sich in Zeitnot und verlor, um eine Figur
zu retten, mehrere Bauern und kurz darauf auch die Partie.
GM Jörg Hickl
Diese Niederlage auf Hofheimer Seite wurde wiederum
durch IM Sergey Krivoshey an Brett 4 ausgeglichen, der gegen IM Thomas
Casper die ganze Partie über gut stand, aber dafür soviel Zeit
verbrauchte, dass den Hofheimer Mannschaftskameraden schon mulmig wurde.
Als auch seinem Gegner die Zeit langsam knapp wurde, zockten die beiden
das Wettkampfergebnis aus. Sergey opferte eine Qualität gegen einige
Bauern und erreichte großen, vielleicht entscheidenden Vorteil, als sein
Gegner mit noch etwa einer Minute für einen Zug sich noch einmal in die
Stellung vertiefte, die Uhr vergaß und die Zeit überschritt. Eine
bitterer Abschluss der Partie für den Erfurter Mannschaftskapitän, aber
der entscheidende Fehler war wohl schon vorher geschehen.
Den Gewinnpunkt für Hofheim erzielte GM Jörg Hickl
an Brett 2 gegen GM Robert Kuczynski. Wie immer bei Jörg kam es erst
ziemlich spät in der Partie zu den ersten Handgreiflichkeiten. Noch
später erlaubte Jörg es seinem Gegner, durch einen Bauern auf f3 Jörgs
Läufer in der Ecke auf h1 zu beerdigen. Der aber erwies sich als recht
lebendig, denn der f3-Bauer war nur durch Figuren zu stützen und Jörg
konnte ihn mit größerer Feuerkraft erobern. Zwar schaffte es GM
Kuczynski, sich an einem anderen Bauern schadlos zu halten, aber er
verblieb mit luftiger Königsstellung in einem Schwerfigurenendspiel, was
die Partie und damit den Wettkampf letztlich zugunsten von Hofheim
entschied.
Am Ende also ein knapper, aber nicht unverdienter
4,5:3,5-Erfolg der Hofheimer, die sich damit wieder vor Erfurt gesetzt
haben. Der rettende 12. Platz ist durch die Erfolge der anderen
abstiegsgefährdeten Mannschaften aber in weite Ferne gerückt. (A. Zude)